Die Ära Markus Hinterhäusers bei den Salzburger Festspielen könnte vorzeitig enden
Die Ära Markus Hinterhäusers bei den Salzburger Festspielen könnte vorzeitig enden
Von Robert Jungwirth
(München, 20. März 2026) Markus Hinterhäuser ist einer der am längsten und erfolgreichsten wirkenden Intendanten in der Geschichte der Salzburger Festspiele. Seine Beteiligung an dem weltweit herausragenden Kunstfestival reicht bis weit in die Neunzigerjahre zurück. Damals verantwortete er als Festival im Festival eine Reihe für zeitgenössische Musik, unter der Ägide des Intendanten Gérard Mortier. Danach firmierte er als Konzertchef, Übergangsintendant und schließlich seit 2016 als Intendant. Eine stolze Lebensleistung des phänomenalen Pianisten, Programmgestalters, künstlerischen Visionärs und großartigen Kommunikators, der in all diesen Jahren für Innovation, Kreativität, höchste Qualität, Anspruch und auch volle Säle gesorgt hat.
Dabei mag die Leidenschaft, mit der er immer wieder Kunst und Gesellschaft in Beziehung zueinander setzte, für die einen ebenso faszinierend wie für die anderen anstrengend gewesen sein, weil Letztere in ihrem Kunstbegriff eher das Dekorative als das Subversive oder auch nur Diskursive präferieren. Diese Haltung ist in Salzburg leider nicht auszurotten. Obwohl sich in dieser Hinsicht viel getan hat.
In seiner Auseinandersetzung mit dem Kuratorium, die momentan so hohe Wellen schlägt und so wie es aussieht auf durchaus brachiale Weise zum vorzeitigen Ende der Intendanz Hinterhäusers sorgen könnte, war der Intendant nicht immer zimperlich. Aber warum sollte er das auch sein? Er hat die künstlerische Führungs- und Entscheidungskompetenz und übte diese aus; auch jetzt, als er eine neue Schauspielchefin bestellen wollte und das nicht mit dem Kuratorium vorab besprochen hat. Das nun löste ein mittleres Erdbeben am Mönchsberg aus. Sicher entsprechend groß orchestriert von interessierten Kreisen.
Das Kuratorium wirft Hinterhäuser allen Ernstes mangelndes „Wohlverhalten“ vor. Dass sich der weltweit geschätzte Pianist und Festivalleiter von selbsternannten Wichtigtuern in diesem Kuratorium nicht auf der Nase herum tanzen lassen will – das ist ihm jedenfalls nicht zu verdenken.
Einmal mehr zeigt sich die verheerende Wirkung von in der Sache wenig überzeugenden und gleichzeitig machtbewussten „Kulturpolitikern“ – wie wir das in Deutschland gerade im Fall Weimer zu erdulden haben.
Hinterhäusers Vertrag läuft mindestens bis Oktober 2026 maximal bis 2031 – darüber wird nun gerade gestritten. Dass das Kuratorium, so wie es aussieht, eine Exit-Option nutzen will – die Spatzen Salzburgs und nicht nur dort pfeifen es jedenfalls von den Dächern – ist für Hinterhäuser doch sehr unwürdig – aber auch für die Festspiele selbst. Andererseits ist es für Hinterhäuser aber vielleicht das Beste und ihm sogar gar nicht so unrecht. Denn eine weitere Mitwirkung wird in den kommenden Jahren zusätzlich erschwert durch Umbaupläne, geschlossene Festspielhäuser unsichere Ausweichquartiere und, und, und. Und das im Umfeld eines ohnehin problematischen Kompetenzen-Gerangels, das verspricht für alle Seiten nicht allzu viel Spaß.
Deshalb könnte es tatsächlich ein Ende mit Schrecken geben. Dann aber ist zumindest klar, wer der Verlierer ist: Die Salzburger Festspiele. Markus Hinterhäuser wird ihnen nicht allzu viel hinterher trauern. Er hat große Teile seiner Lebenszeit mit vollem Einsatz für dieses Festival gearbeitet, dessen Ruf und Ansehen ohne jede Frage gesteigert. Und seine Nachfolger werden sich an ihm messen lassen müssen. Auch das wird keine leichte Aufgabe.



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