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    Zum Tod des Journalisten und Operndirektors Bernd Feuchtner

    Reportagen - Berichte

    Ein Leben für die Oper

    Unser wunderbarer Kollege, Musikjournalist, Buchautor, Operndirektor und Festivalleiter Bernd Feuchtner ist im Alter von 75 Jahren gestorben

    von Joachim Lange

    Bernd Feuchter ist unerwartet gestorben. Eine schockierende Nachricht. Vor allem für alle, die ihn kannten und schätzten. Und natürlich für die Händelfestspiele in Halle, deren Leiter er seit zwei Jahren war. Selten konnte man hier nämlich eine Personalentscheidung so zuversichtlich billigen wie seine Berufung zu deren Interimsintendanten, als das 2023 notwendig wurde. Als er die Entscheidung getroffen hatte, den Ruf anzunehmen, war es sein Ehrgeiz, kein „Di-Mi-Do“-Gastspiel an der Saale zu geben, sondern sich nicht nur der Aufgabe zu stellen, sondern sich auch auf die Stadt einzulassen. Zwar hatte der 1949 in Nürnberg geborene, exzellent vernetzte Ermöglicher im Musikbetrieb das Rentenalter da schon längst erreicht. Aber das war für den allemal jungenhaft wirkenden, zierlichen Mann eh nicht relevant.

    Als er nach Halle kam, hatte er sich, nach Studium, Promotion und Jahren als Redakteur, auch praktisch als Operndirektor und Chefdramaturg in Heidelberg, dem Landestheater in Salzburg und schließlich in Halles Partnerstadt Karlsruhe als künstlerischer Leiter der dortigen Händel-Festspiele einen exzellenten Ruf erarbeitet. Seine langjährigen beruflichen Partner Peter Spuhler (in seiner Zeit als Intendant des Theaters in Heidelberg und des Badischen Staatstheaters Karlsruhe) und der ehemalige Heidelberger und jetzige Stuttgarter GMD Cornelius Meister etwa bescheinigen Feuchtner, dass er mit seiner eigenes entwickelten Heidelberger Dramaturgie als Operndirektor für eine neue Blüte des Hauses gesorgt hat. Das reichte von einer Reihe mit Zweitaufführungen zeitgenössischer Werke „Neue Oper, nachgespielt“, über die mit „Meisterwerken des 20. Jahrhunderts“, die später, in ein großartiges Buch „Die Oper des 20. Jahrhunderts in 100 Meisterwerken“ mündete (siehe Text auf KlassikInfo). Und reichte bis hin zum Barock-Festival „Winter in Schwetzingen“, mit dem er unbekannte Barockopern präsentierte. Stellvertretend für viele schätzen diese beiden Weggefährten seinen „Mut, neue Wege zu gehen und diese ebenso leidenschaftlich wie intelligent argumentierend zu vertreten.“

    Neben seiner praktischen Arbeit hat er immer auch publiziert – und sich stets als ein glühender Musik- und Opernliebhaber verstanden. Selbst von einer kurzen Pausenplauderei ging man klüger weg, als man gekommen war. Feuchtner war keiner von den Lauten, die es mit der Selbstdarstellung hatten. Er war einer, bei dem man sich gerne merkte, was er in freundlich gemäßigtem Ton zu sagen wusste. So, wenn er in seiner Zeit als Redakteur der Zeitschrift „Opernwelt“ unterschiedliche Sichtweisen zuließ. „Unglaublich kenntnisreich und nie belehrend“, diesem Urteil Robert Jungwirths über Bernd Feuchtner kann man sich nur anschließen.

    Man traf ihn oft bei einer Vorstellung in irgendeinem Theater der Republik. Vor allem, wenn es um Ausgrabungen, barocke Bühnenschmuckstücke oder um junge Talente ging, die er stets nach Kräften förderte. Zahlreiche Opernkritiken hat er auch für KlassikInfo verfasst, worauf wir sehr stolz sind. Sie können noch immer im Archiv gelesen werden.

    Wenn man den Neu-Hallenser im Sommer zum Plausch treffen wollte, dann waren bestimmte Tage nicht nur wegen Händel, sondern auch wegen der Vorbereitung „seines“ Schostakowitsch-Symposiums blockiert. Er war nämlich nicht nur einer der Schostakowitsch-Spezialisten im Lande und hatte über den Stalin-Überlebenden mit seinem Buch „Und Kunst geknebelt von der groben Macht. Künstlerische Identität und staatliche Repression“ (Frankfurt 1986) ein Standardwerk verfasst. Seit 2018 war Bernd Feuchtner in der Nachfolge der polnischen Komponistenberühmtheit Krzysztof Meyer Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft.

    Aber er war eben auch ein mit festspielpraktischer Erfahrung ausgestatteter Spezialist für Händel, also für Halle genau der Richtige. In der Festspielzeit sah man ihn dann bei nahezu jeder Veranstaltung. Halb die Musik genießend, vor allem wenn die Talente oder Größen der Szene dran waren, die er selbst aufgespürt und eingeladen hatte. Halb mit dem kontrollierenden Blick des Verantwortlichen für ein Festival mit Wohlfühlambitionen für seine Gäste. Die offenen Baustellen, die es hier auch gibt, wird er nun nicht mehr abräumen können. Bei aller Anspannung, die sein Engagement für Händel, die Stiftung und die Festspiele mit sich brachte, strahlte er stets Gelassenheit aus, suchte das Gespräch mit den Musikfreunden. Das anstehende Programm dieses Sommers trägt seine Handschrift – er wird die Wirkung nicht mehr überprüfen können. Und alle, die ihn näher kennenlernen durften, werden vergeblich nach ihm Ausschau halten. Und ihn schmerzlich vermissen.

     

    19. Februar 2025/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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