Ickinger Frühling

Schumann Quartett Foto: Kaupo Kikkas

Betender Torero

Beim Internationalen Streichquartett-Festival „Ickinger Frühling“ stellte das spanische Cuarteto Quiroga interessantes Repertoire aus Spanien vor
Von Robert Jungwirth
(Icking, 6. Mai 2017) Hätte dieser Komponist nur ein paar Jahre länger gelebt, er wäre heute mit großer Wahrscheinlichkeit vielen Klassikfreunden ein Begriff. Weil Juan Crisostomo de Arriaga 1826 aber schon mit 20 Jahren gestorben ist (vermutlich an Tuberkulose), ist die Musik dieser großen Begabung nur wenigen Kennern ein Begriff. Dabei lohnt der Blick auf das naturgemäß eher schmale OEuvre des Spaniers, der mit 13 bereits eine Oper komponierte und dem Luigi Cherubini nach eigenem Bekunden nichts mehr beibringen konnte, als er mit 16 ans Pariser Konservatorium kam.
Das kleine, aber überaus engagierte Kammermusikfestival „Ickinger Frühling“ vor den Toren Münchens machte seine Besucher in diesem Jahr mit de Arriagas erstem Streichquartett (d-Moll) bekannt – in der kundigen und klangschönen Interpretation des spanischen Cuarteto Quironga. Die Spanier demonstrierten, wie souverän der junge Arriaga Haydnsche und auch Beethovensche Idiome in seine eigene Handschrift eingebaut hat – ja sogar Schubertsche Eintrübungen und Melancholie hörbar werden läßt. Dabei ist kaum davon auszugehen, dass Arriaga Schuberts Werke tatsächlich kannte. Eine wirkliche Entdeckung also, die man im Münchner Herkulessaal wohl kaum hätte machen können. Denn dort spielen Streichquartette immer nur Haydn, Mozart, Beethoven und Brahms.
Die jungen spanischen Musiker waren bereits zum zweiten Mal zu Gast bei diesem familiären Festival in Icking, das ein privater Kreis von Klassikinteressierten ins Leben gerufen hat und mit großem persönlichen Engagement nun bereits zum vierten Mal veranstaltete. Unter der aufmerksamen Anteilnahme eines enorm interessierten und wachen Publikums. Ein schöner Erfolg.
Mit Joaquin Turinas einsätzigem Quartettstück „La oracion del torero“ („Das Gebet des Toreros“) von 1925 brachte das Cuarteto Quiroga  dann nicht minder überzeugend spanischen Impressionismus zum Klingen – ohne allen Nachdruck oder gar Folklorekitsch. Wo bekommt man so etwas sonst noch zu hören?
Wo sind die neugierigen, interessierten und auch wagemutigen Konzertveranstalter geblieben?
Erstaunlicherweise war dann Brahms‘ erstes Quartett (c-Moll) nach der Pause dann das an diesem Abend am wenigsten überzeugende Stücke in der Interpretation der an sich sehr begeisternden Spanier. Zwar gelangen Tongebung und Klangbalance ganz hervorragend, doch blieb die Motorik der wechselnden Rhythmen zu hölzern und unflexibel. Und das ist bei Brahms nun mal fundamental.

Schumann Quartett Foto: Kaupo Kikkas

Schumann Quartett Foto: Kaupo Kikkas



Münchner Philharmoniker


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