CD der Woche

Nordische Klänge

Grieg: Streichquartette, Fuge/Meccore String Quartet/MDG 903 1998-6

Von Christoph Zimmermann

Der populäre Edvard Grieg ist jener der Peer-Gynt-Suiten, des Klavierkonzerts, der Holberg-Suite, der lyrischen Stücke sowie einiger Lieder. Weniger bekannt ist seine Kammermusik, welche drei Violin-Sonaten, eine für Cello sowie Streichquartett-Kompositionen umfasst. Letztere offeriert jetzt gebündelt das polnische Meccore String Quartet und bereichert damit die relativ karge Diskografie auf diesem Gebiet.

Die f-Moll-Fuge stammt noch aus Griegs Studienjahren und wirkt (schon wegen ihrer Kürze) wie eine Fingerübung. Groß angelegt ist hingegen das Streichquartett-Moll opus 27 aus den Endsiebziger Jahren. Grieg bezeichnete es als ein „Stück Lebensgeschichte“ (was an Smetanas „Aus meinem Leben“ erinnert). Um diese Zeit stand es um die Ehe mit seiner Frau Nina nicht eben gut. Der Komponist vermutete eine Affäre zwischen ihr und seinem Bruder. Kaum zufällig bezog er sich inhaltlich auf sein „Spielmannslied“ opus 25,1, wo eine Zeile von „des Bruders Lieb“ spricht. In dem Gedicht ist freilich auch sehnsüchtig von „sommerheller Nacht“ die Rede.

Solch gegensätzliche Stimmungen finden in Griegs Musik beredten Ausdruck. Das seit einem Jahrzehnt bestehende Meccore-Quartett besticht nicht nur mit fantastischer Präzision, sondern auch mit einem Klangzauber, welche düster klagendes Moll ebenso trifft wie die sphärischen Dur-Kontraste. Dynamische Extreme besitzen etwas fast schon Schmerzhaftes. Das später entstandene Streichquartett F-Dur blieb Fragment. Obwohl Grieg es als „frohe Schwester“ seines Erstlings bezeichnete, empfindet man auch hier einen Ausdruck von Bitternis, sogar im mit Scherzando überschriebenen zweiten Satz. Auch dieses Werk erfährt durch das Meccore-Quartett eine gewissermaßen „hautnahe“ Wiedergabe.

Vertrieb: Dabringhaus und Grimm


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