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    Orff-Zentrum München präsentiert Orffs Griechische Tetralogie in Filmen

    Allgemein

    (München, Juli 2025) Zu Orffs 130. Geburtstag wagt das Orff-Zentrum am 25. und 26. Juli ein besonderes Experiment: die erstmalige Präsentation seiner »Griechischen Tetralogie« — die vier Musiktheaterwerke Orffs in Filmversionen, so benannt in Anlehnung an die Festaufführungen von jeweils vier zusammenhängenden Theaterstücken im antiken Athen.

    Orffs erklärte Hauptwerke sind die griechischen Tragödien Antigonae, Oedipus der Tyrann und Prometheus. Ziel des Komponisten war keine Rekonstruktion des antiken Dramas, sondern gemäß seinen eigenen Worten eine »Interpretation […] mit zeitgenössischen musikalischen Mitteln«. Anders als Wagner und noch über Strauss′ Elektra hinausgehend vollzog der Komponist damit — nicht von ungefähr erst nach dem Erlebnis gleich zweier verheerender Weltkriege — den entscheidenden Schritt zur originalen (ungekürzten, nicht bearbeiteten) griechischen Tragödie, für die er einen gänzlich neuen Kompositionsstil und eine vollkommen andere Orchesterbesetzung kreierte.

    Bringt man die drei Tragödien zusammen mit seinem letzten Werk De temporum fine comoedia in die »richtige« Reihenfolge, so entsteht ein gewaltiger thematischer und gedanklicher Spannungsbogen, der sich von den Anfängen der Menschheit bis zur Vision des Endes der Zeiten erstreckt und — unterstützt durch engste musikalische Bezüge — den gesamten Zyklus zu einer Einheit formt. Im Mittelpunkt dieser Tetralogie stehen das Verhältnis von Gott und Mensch; die Frage nach dem Ursprung des Bösen und allen Leids, das die Menschen sich gegenseitig antun; der Umbruch von einer alten zu einer neuen Weltordnung, ausgelöst durch eine menschliche Tat (Antigonae: »Zum Hasse nicht, zur Liebe bin ich«); im Zusammenhang damit die Wandlung von einem strafenden Gott zu einem Gott, der zuletzt alles von ihm Geschaffene wieder in sich auf- und zurücknimmt; und schließlich die Lösung aller Fragen am Ende der Zeiten.

    Das Orff-Zentrum präsentiert die vier Werke als Filmvorführungen (mit Untertiteln) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Damit soll es dem Publikum ermöglicht werden, die gedanklichen und musikalischen Zusammenhänge direkt zu erleben und nachzuvollziehen. Der Eindruck eines in sich abgerundeten Zyklus kann sich allerdings nur nach dem Besuch der Veranstaltungen an beiden Tagen einstellen — alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen (Kombiticket für zwei Tage: 13 Euro statt 20 Euro)!

    In kurzen Einführungen werden die Zusammenhänge näher erläutert. Drei der vier Werke wurden zudem vom gleichen Regisseur (John Dew) am gleichen Haus (Staatstheater Darmstadt) inszeniert, so dass sich durchaus der Eindruck einer gewissen stilistischen Einheitlichkeit einstellt (Oedipus und Antigonae 2006, De temporum fine comoedia 2010). Im Fall des Prometheus bot sich allein die Inszenierung des Münchner Marionettentheaters an, die noch von Carl Orff selbst ausdrücklich gelobt wurde (1981). Der interne Mitschnitt des Marionettentheaters aus dem Jahr 2000 wurde im Auftrag des Orff-Zentrums in Bild und Ton restauriert und mit Untertiteln versehen; der Mitschnitt von De temporum fine comoedia wird hiermit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In den Pausen und im Anschluss bieten wir Kleinigkeiten zum Essen und Trinken an (griechischen Wein, Oliven, Schafskäse, Pita-Brot u. a.).

    Freitag, 25. Juli 2025, 17 Uhr
    Filmvorführung
    Carl Orffs »Griechische Tetralogie« — Ein Experiment (Teil I)

    17:00 Einführung Dr. Thomas Rösch
    17:30 Carl Orff (1895–1982): PROMETHEUS (1968) I Tragödie des Aischylos in der altgriechischen Originalsprache (mit Untertiteln)

    Inszenierung des Münchner Marionettentheaters (1981/2000)
    Regie: Franz Leonhard Schadt I Dramaturgische Bearbeitung: Elga Blumhoff-Schadt I Bühnenbild: Elmar Albrecht I Ensemble des Münchner Marionettentheaters

    Unter Verwendung der folgenden Einspielung (1972) von Orffs Prometheus: Musikalische Leitung: Ferdinand Leitner I Prometheus: Roland Hermann I Kratos: Josef Greindl I Hephaistos: Heinz Cramer I Okeanos: Kieth Engen I Io Inachis: Colette Lorand I Hermes: Fritz Uhl I Chorführerinnen: Edda Moser, Sophia van Sante, Raili Kostia I Chor der Okeaniden: Frauenchor des Westdeutschen Rundfunks I Chordirektor: Herbert Schernus

    Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

    Bild- und Tonrestauration sowie Untertitel: B.O.A. VIDEOFILMKUNST München Produktion, Leitung: Peider A. Defilla (2025)

    19:15 Pause
    19:45 Carl Orff: OEDIPUS DER TYRANN (1959) I Tragödie des Sophokles in der Übertragung von Friedrich Hölderlin (1804)

    Musikalische Leitung: Stefan Blunier I Inszenierung: John Dew I Bühnenbild: Heinz Balthes I Kostüme: José Manuel Vázquez I Choreinstudierung: André Weiss

    Oedipus: Norbert Schmittberg I Ein Priester: Dimitry Ivashchenko I Kreon: Andreas Daum I Chorführer: Markus Durst, Oleksandr Prytolyuk I Tiresias: Mark Adler I Jokasta: Yamina Maamar I Ein Bote aus Korinth: Stefan Umhey I Ein Hirte des Lajos: Hans-Joachim Porcher

    Staatsorchester Darmstadt I Herrenchor des Staatstheaters Darmstadt I Statisterie des Staatstheaters Darmstadt

    Eine B.O.A. VIDEOFILMKUNST München Produktion, Regie: Peider A. Defilla (2010) I Label: WERGO

    __________________________________

    Samstag, 26. Juli 2025, 16 Uhr
    Filmvorführung
    Carl Orffs »Griechische Tetralogie« — Ein Experiment (Teil II)

    16:00 Einführung Dr. Thomas Rösch
    16:30 Carl Orff: ANTIGONAE (1949) I Tragödie des Sophokles in der Übertragung von Friedrich Hölderlin (1804)

    Musikalische Leitung: Stefan Blunier I Inszenierung: John Dew I Bühnenbild: Heinz Balthes I Kostüme: José Manuel Vázquez I Choreinstudierung: André Weiss

    Antigonae: Katrin Gerstenberger I Ismene: Anja Vincken I Chorführer: Oleksandr Prytolyuk I Kreon: Andreas Daum I Wächter: Markus Durst, Jeffrey Treganza I Hämon: Sven Ehrke I Tiresias: Mark Adler I Ein Bote: Thomas Mehnert I Eurydice: Susanne Serfling

    Staatsorchester Darmstadt I Herrenchor des Staatstheaters Darmstadt I Statisterie des Staatstheaters Darmstadt

    Eine B.O.A. VIDEOFILMKUNST München Produktion, Regie: Peider A. Defilla (2010) I Label: WERGO

    18:50 Pause
    19:20 Carl Orff: DE TEMPORUM FINE COMOEDIA (1973/81) I Das Spiel vom Ende der Zeiten — Vigilia

    Musikalische Leitung: Constantin Trinks I Inszenierung: John Dew I Bühne: Heinz Balthes I Kostüme: José Manuel Vázquez I Choreographische Mitarbeit: Mei Hong Lin I Choreinstudierung: André Weiss

    Die Sibyllen: Susanne Serfling, Katrin Gerstenberger, Anja Vincken, Aki Hashimoto, Niina Keitel, Gundula Schulte, Margaret Rose Koenn, Yun Jeong Cho, Elisabeth Hornung I Die Anachoreten: Lucian Krasznec, Sven Ehrke, Jeffrey Treganza, Oleksandr Prytolyuk, David Pichlmaier, Malte Godglück, Andreas Daum, John In Eichen, Thomas Mehnert I Die letzten Menschen I Der Chorführer: John In Eichen, Thomas Mehnert I Lucifer: Andreas Daum I Alt-Solo: Elisabeth Hornung I Tenor-Solo: Lucian Krasznec

    Chor und Extrachor des Staatstheaters Darmstadt I Chor des Musikvereins Darmstadt e. V. I Kinderchor des Staatstheaters Darmstadt I Statisterie des Staatstheaters Darmstadt I Staatsorchester Darmstadt

    Eine B.O.A. VIDEOFILMKUNST München Produktion, Regie: Peider A. Defilla (2024)

    Eintritt pro Tag: 10 Euro
    Kombiticket für Freitag und Samstag: 13 Euro
    Studentinnen und Studenten: 6 Euro
    Schülerinnen und Schüler: Eintritt frei

    Abendkasse eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung
    Um Voranmeldung wird gebeten
    Telefon (089) 28 81 05-0
    veranstaltung@orff-zentrum.de

    Orff-Zentrum München
    Kaulbachstraße 16
    D-80539 München
    Tel: +49 89 288 105 0
    kontakt@orff-zentrum.de

    24. Juli 2025/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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