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    Johanna Doderer präsentiert in München eine Neuversion von Mozarts Figaro

    Allgemein, Opern- und Konzertkritiken

    Figaro wird zum Killer

    Das Münchner Gärtnerplatztheater bringt mit „Der tollste Tag“ eine Neuversion des „Figaro“ auf die Bühne – komponiert von Johanna Doderer nach dem Text von Peter Turrini

    Von Robert Jungwirth

    (München, 12. Oktober 2025) Auf der Bühne türmen sich Bettgestelle und allerhand Möbel zu einem Gebirge. Hier wollen Figaro und seine Susanna künftig hausen. Während Figaro freudig das Gebirge besteigt und ausmisst, ist Susanna nicht ganz so begeistert von der Location, liegt sie doch gleich neben dem Zimmer des Grafen. Sie befürchtet nächtliche Übergriffe, wenn Figaro nicht da ist. Und da schneit auch schon der Graf herein und versucht, die bevorstehende Hochzeit von Figaro und Susanna zu hintertreiben.

    Intendant Josef E. Köpplinger lässt ihn in kurzem schwarzen Lederhöschen und mit Peitsche auftreten wie eine seltsame Karikatur von de Sade. Köpplinger war es auch, der den Anstoß zu dieser Neuauflage des „Figaro“ gab. Eigentlich war man mit Mozarts Oper über die Jahrhunderte hinweg ja ganz zufrieden. Peter Turrini hatte Anfang der 70er Jahre eine neue Version des „Tollen Tages“ von Beaumarchais geschrieben, der ja 1786 die Vorlage für da Ponte und Mozart lieferte. Die Geschichte bleibt weitgehend die gleiche, neu ist bei Turrini die Sprache und der Schluss: Figaro bringt den Grafen um, als der sich tatsächlich an Susanna ran macht (hier heißt sie unnötigerweise teutonisch Susanne).

    Macht, Missbrauch, mee too das alles war 1780 so aktuell wie heute. Insofern wäre es tatsächlich eine Chance gewesen, das Stück ein wenig in die Gegenwart zu rücken. Aber das hatte Turrini ebenso wenig gemacht wie es Johanna Doderer in ihrer Oper „Der tollste Tag“ nun tut, die Köpplinger mit der Komposition beauftragt hatte. Und auch Köpplinger bleibt in seiner Inszenierung der Entstehungszeit des Ursprungstextes weitgehend treu und bringt eine grotesk überzeichnete Barockgesellschaft auf die Bühne (Heiko Pfitzner, Kostüme: Birte Wallbaum).

    Szenisch und gesanglich ist das durchaus gelungen, die Sängerinnen und Sänger agieren auf durchweg hohem Niveau, und auch das Orchester unter der Leitung von Eduardo Browne ist ohne Fehl und Tadel. Allein die Musik von Johanna Doderer hat nicht den Esprit und die Inspiriertheit, die man sich wünschen würde.

    Zunächst einmal bleibt Doderer einer musicalhaften Tonalität verhaftet, anfangs gibt es ein wenig Barockanleihen. Anspielungen an Mozart gibt es ganz bewusst keine. Mit neuer zeitgenössischer Musik und entsprechenden Kompositionsverfahren hat ihre Oper nichts am Hut. Das irritiert dann doch ein wenig, auch wenn es manchmal vorsichtige Anleihen bei Benjamin Britten gibt (aber das ist ja auch nicht wirklich zeitgenössisch). Vieles ist bei ihr leider eher Leerlauf. Ein Ostinato oder ein liegender Klang müssen oft reichen, um die Basis für den Gesang zu liefern. Mit anspruchsvollem, zeitgemäßem Musiktheater hat das nicht viel zu tun, eher mit Filmmusik. Dem Ensemble gelingt es, dieses Manko mit viel Spielfreude und beeindruckenden stimmlichen Leistungen auszugleichen (vor allem Daniel Gutmann als Figaro, Anna-Katharina Tonauer als Susanna und Daniel Schliewa als Graf seien hier genannt), so dass letztlich auch durch den guten Text ein ganz vergnüglicher und hintersinniger Abend daraus wird.

    13. Oktober 2025/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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