Dieter Reiter hat München verkommen lassen
Dieter Reiter hat München verkommen lassen – es braucht einen neuen Bürgermeister, der das wieder in Ordnung bringt
(München, 2. Oktober 2025) Erinnert sich noch jemand an den Gasteig? Das war einst Europas größtes Kulturzentrum. Ein lebendiger Ort der Begegnung für Kulturinteressierte aller Arten und Sparten. Es gab eine riesige Bibliothek, eine Musikbibliothek, ein Konservatorium, Konzertsäle, Säle für Filmvorführungen, Lesungen, eine jährliche Bücherschau der Münchner Verlage und und und. Und es gab die Philharmonie mit ihrer zwar suboptimalen Architektur und Akustik, aber es gab sie. Hier veranstalteten Celibidache, Thielemann, Maazel und Jansons legendäre Konzerte mit den Münchner Philharmonikern und dem Symphonieorchester des BR – von den zahllosen Gastmusikern und -Orchestern und Festivals ganz abgesehen.
Und jetzt ist das einstmals blühende Zentrum der Kultur eine seit Jahren vor sich hin gammelnde Ruine. Es soll renoviert werden. Von außen sieht es noch immer aus wie neu, aber wer will beurteilen, was renoviert werden muss, wenn er kein hochbezahlter Gutachter ist? (Längst gibt es offensichtlich ein florierendes Gewerbe, das bei jedem kleinen Riss im Gemäuer alternativlos eine Generalsanierung verordnet…und daran verdienen sich dann wiederum andere eine goldene Nase. Wo sind eigentlich die Fachleute in der Stadtverwaltung, die diesen Leuten genauer auf die Finger schauen?)
Wann die Generalsanierung nun endlich beginnt und vor allem, wann der Gasteig dann wieder öffnet, das weiß in der Stadtverwaltung niemand – und München Bürgermeister Dieter Reiter schon gar nicht.
Mit der größten Wurschtigkeit hat Reiter dieses ehemalige kulturelle Aushängeschild der Stadt und kulturelle Zentrum für täglich abertausende von Menschen zugesperrt – ohne dass ein halbwegs gesicherter Sanierungs- und Finanzierungsplan existiert hätte! Vollkommen verantwortungslos ist so etwas und von einer haarsträubenden Inkompetenz obendrein. Man sperrte zu und dann passierte Jahre lang gar nichts. Ist das zu fassen? Was für eine Peinlichkeit und was für eine Bankrotterklärung der gesamten Stadtpolitik mit Dieter Reiter an der Spitze! Doch Reiter ficht so etwas nicht an. Kein Wort des Bedauerns und gehandelt wird immer noch nicht wirklich.
Ja, dieser Bürgermeister trägt die Verantwortung für den Niedergang dieses einmaligen Kulturzentrums – auch wenn es im Süden München mit dem sogenannten HP8 einen Ersatz gibt – der leider nur schlecht erreichbar und eben kein wirklicher Ersatz ist. Statt der größten Stadtbibliothek Deutschlands findet man dort jetzt eben nur eine Stadtteilbibliothek..
Wenn es nur der Gasteig wäre. Es wäre schon schlimm genug. Aber Reiter hat während seiner Amtszeit leider noch vieles andere in München verkommen lassen in seiner Mischung aus Wurschtigkeit und Inkompetenz. Vom Stachus bis zum Hauptbahnhof erstreckt sich eine Meile des Grauens mit den zerfallenden Ruinen des Mega-Pleitiers Rene Benko – für die auch die Stadt eine Verantwortung trägt, die sie aber nicht wahrzunehmen scheint. Es sieht aus wie nach dem Krieg. Vom weggebaggerten Hauptbahnhof gar nicht zu reden. Wer hier als Tourist mit dem Zug ankommt, denkt vielleicht, er ist an der falschen Station ausgestiegen oder hat den falschen Zug genommen. Es sieht aus, dass es der sprichwörtlichen Sau graust. Überall Dreck, Lärm, Chaos, Enge, Baustellen, Absperrungen, Umleitungen usw. usf. Die Passanten müssen sich ihre Wege durch dieses dreckige Chaos selbst suchen. Wegweiser Fehlanzeige. Auch dieses Beispiel zeigt, wie unzureichend Reiters Politik auf die Bedürfnisse der Menschen in dieser Stadt reagiert. Nämlich gar nicht. Es scheint Reiter und seinen Stadträten einfach egal zu sein, welche Strapazen es kostet, sich hier seinen Weg zu bahnen und welche Unzumutbarkeiten hier den Leuten abverlangt werden. (Das katastrophale Baustellen-Management der Stadt ist ebenfalls ein unendliches Ärgernis.)
Reiter ist gut im Ozapfen, er kann gut in Kameras lächeln und an Regenbogen-Paraden teilnehmen. Das kostet ihn nichts, bringt ihm aber hübsche Bilder in Zeitungen. Das scheint ihm zu reichen als Legitimation für sein Amt. Für die Bürger hat dieser „Bürgermeister“ dagegen kaum etwas getan. Ihn interessiert nicht der Leerstand in dieser sündteuren Stadt mit ihren haarsträubenden Mieten und einer skandalösen Gentrifizierung, die jeden und jede in die Flucht schlägt, der oder die nicht mindesten 4000 Euro netto im Monat auf dem Konto hat. Lieber holt Reiter die Automobilausstellung in die Stadt, die sog. Sicherheitskonferenz, jetzt will er auch noch Olympia. Es scheint bei allem nur um die Wirtschaft zu gehen, die ordentlich verdienen soll. Für die Bewohner bedeutet jedes dieser Ereignisse weitere Zumutungen und Einschränkungen – sie haben nichts davon. Auch das Oktoberfest ist für viele Münchner ja vor allem eine Zeit großer Zumutungen, im ÖPNV und in der ganzen Gegend rund um die Wies’n. Warum wird hier die Stadtbevölkerung eigentlich nicht mal entschädigt mit einer paar Gratisaktionen von dem vielen Geld, das durch das Fest in die Stadt fließt. Warum gibt es nicht längst einen kostenlosen ÖPNV zum Beispiel?
Reiter hat es verbockt und hat es nicht verdient, noch einmal als Bürgermeister im Amt bestätigt zu werden. Es muss dringend einen Wechsel geben – zurücktreten wird er freiwillig wohl kaum – selbst nicht nach dem unglaublichen Versagen bei der überfüllten Wies’n vor ein paar Tagen, als sich zeigte, dass die Stadt kein oder zumindest kein brauchbares Sicherheitskonzept für das größte Volksfest der Welt hat! Was für ein Skandal! Da ist München knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt – und Reiter ging erst mal auf Tauchstation. München hat besseres verdient und auch nötig will es nicht weiter verkommen.
Robert Jungwirth




Lieber Herr Jungwirth,
herzlichen Dank für diesen offenen und mutigen Artikel.
Endlich spricht mal jemand die unwürdigen Zustände in der Stadt München an.
München ist schon lange nicht mehr das was es einmal war.
Anstatt Weltstadt mit Herz ist München zur Stadt der Baustellen und zahlloser nicht zu Ende gebrachter Projekte geworden.
Hauptsache es gibt genügend Radwege…
Sie haben alles auf den Punkt gebracht, vielen Dank!