Ballettabend Waves and Circles in München
Die neue Spitze
Der neue Ballettabend des Bayerischen Staatsballetts „Waves and Circles“ macht staunen – mal mehr, mal weniger
Von Robert Jungwirth
(München, 21. Dezember 2025) Drei Choreografien aus gut 60 Jahren vereint das neue Programm „Waves and Circles“ des Bayerischen Staatsballetts. Und es vollzieht damit einen stilistischen Spagat von einem frühen Béjart über Forsythe bis zur jungen kanadischen Choreographin Emma Portner. Die titelgebenden „Wellen“ nehmen auf einen Song des fantastischen englischen Sängers James Blake Bezug, dessen innige Soul-Rap-Nummern William Forsythe 2016 zu einer ebenso innigen Choreographie angeregt haben.

Foto: N. MacKay
Dabei entwickelt Forsythes Kombination von Tanzfiguren des klassischen Balletts mit zeitgenössischem Tanz im Kontext dieser Musik eine enorme Faszinationskraft. Die philosophischen Introspektionen von Blakes Texten und seine eindringliche Stimme animierten Forsythe in „Blake Works I“ zu einer ebenso eleganten wie suggestiven Körpersprache, die von den Tänzerinnen und Tänzern des Bayerischen Staatsballetts grandios umgesetzt wird (Einstudierung: Ayman Harper und Jill Johnson). Das ist mal im großen Ensemble zu erleben, mal in kleinen Formationen. Manchmal wirken die Bewegungen und Gesten als stammten sie aus „Schwanensee“ oder einem anderen Klassiker, dann lösen sie sich wieder auf in zeitgenössische Bewegungssprachen, aber immer fließend ohne Brüche. Dass die „Klassik“-Momente so gut zur Musik passen, ist vor allem Forsythes fantastischer Musikalität geschuldet und seinem faszinierenden Gefühl für den Raum, die gemeinsam wundersame Entsprechungen zu den Seelenräumen von Blake schaffen – das Highlight des Abends!
Dagegen fiel Emma Portners neues Ballett „Megahertz“ fast automatisch ab. Schon die in einer Endlosschleife vor sich hinwabernde Musik, die nur auf zwei Akkorden beruht (Paddy Mc Aloon), wirkt mehr sedierend als anregend. Und wenn dann auch noch Bühnennebel und ein Schmetterlingsballett (mit wehenden Stoffbahnen an Stangen wie einst bei Loïe Fuller) über die Bühne wehen, ist man auch nicht weit vom Kitsch entfernt, weil es unvermittelt kommt und aufgesetzt wirkt.
Gekoppelt ist Portners Ballett mit den auf englisch über Lautsprecher zu hörenden Lebensreflexionen einer Frau zwischen Erkenntnis und Illusion. Aber auch Portner gelingen auf der wunderbar ausgeleuchteten Bühne (Eric Chad) viele starke Momente mit suggestiver Rätselhaftigkeit – wiederum exzellent umgesetzt vom Staatsballett. Wie überhaupt der Tanz in diesem Stück durchaus überzeugt in seiner Eigenständigkeit, das Problem sind mehr die Endlosschleifen-Musik (akustische Dauer-Wellen) und der durchgängig rezitierte Text, der dann doch mehr irritiert als er sinnstiftend auf den Zuseher wirkt, weil er nicht wirklich zu verstehen ist.
Als drittes Stück wählte man Maurice Béjart Klassiker aus dem Jahr 1961(!) „Bolero“, der hier in der Einstudierung von Julien Favreau und Piotr Nardelli allerdings zu einer homoerotischen reinen Männershow reduziert wird, was die stereotype Erotik in Béjarts Choreographie noch platter wirken lässt. Da sieht man viel albernes Männlichkeitsgeprotze und denkt an Gladiatorenfilme der 60er. Auch wenn Osiel Gouneo als Solist im Zentrum des Circle die musikalische Entwicklung in Ravels Stück mit konzentrierter Körperspannung in kraftvolle Bewegung übersetzt, bleibt es insgesamt bei einer Herrenerotik, die bald langweilt (zumal das Corps de Ballett nicht viel zu tun hat). Man hätte das Stück doch besser im Fundus lassen sollen als damit einen interessanten Ballettabend zu verwässern.





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