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    Aufführungen zu Ehren Hans Werner Henzes in Rom

    Opern- und Konzertkritiken

    Henze in Rom

    Zum 100. Geburtstag werden in Rom „La piccola cubana“ und „El Cimarrón“ aufgeführt.

    Von Thomas Migge

    (Rom, 15. und 17. Mai) Hans Werner Henze und Italien. Eine lange und komplexe Geschichte. Der vor 100 Jahren, am 1. Juli 1026 in Gütersloh geborene Komponist lebte seit 1953 dauerhaft in Italien. Er verbrachte dort fast 60 Jahre seines Lebens, bis zu seinem Tod im Jahr 2012. Nach Italien trieb ihn nicht nur eine romantische Sehnsucht, sondern eine Mischung aus künstlerischer Isolation und gesellschaftlicher Intoleranz, unter der Henze im Nachkriegsdeutschland litt. Ganz abgesehen davon, dass der Künstler als Homosexueller massiv unter der juristischer Verfolgung litt.

    Seit 1966 lebte Henze in der Villa „La Leprara“ in Marino, in den Bergen Castelli Romani, östlich von Rom. Das Anwesen erwarb er mithilfe des Honorars, das er für seine erfolgreiche Oper „Die Bassariden“ bei den Salzburger Festspielen erhalten hatte.

    Henze zählt auch in Italien zu den bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass sein 100. Geburtstag mit zahlreichen musikalischen Veranstaltungen begangen wird. Das Festival Chigiana in Siena organisiert in diesem Sommer ganze 41 Veranstaltungen mit Musik von Henze. Auch das von Henze 1976 im toskanischen Montepulciano gegründete Festival Cantiere Internazionale d’Arte steht im Zeichen der Werke des Deutsch-Italieners.

    Und auch die Oper Rom gedenkt Henze. Mit gleich zwei Veranstaltungen. Die Aufführungen anlässlich des 100. Geburtstags im Teatro Nazionale, der zweiten Bühne des Opernhauses, zeigen ein eindrucksvolles, politisch tiefgründiges Doppelprogramm.

    Die beiden aufgeführten Werke, die italienische Erstaufführung von La piccola cubana und das Recital El Cimarrón, basieren beide auf Texten des kubanischen Autors Miguel Barnet. Sie spiegeln Henzes tiefe Verbindung mit Kuba wider sowie seinen kompromisslosen Fokus auf gesellschaftlichen und politischen sowie sozialen Protest. Die Entscheidung von Opernintendant Francesco Giambrone für gleich zwei Theaterabende mit dem Schaffen von Henze wird von Kritikern und dem Publikum als künstlerischer Volltreffer der Saison gewürdigt.

    Obwohl beide Stücke in der literarischen Welt Kubas wurzeln, stehen sie in scharfem, theatralischem Kontrast zueinander. La piccola cubana entstand zwischen 1973 und 1974 für das Fernsehen. Zur Kammerversion für das Theater wurde dieses Werk erst 2019 durch Henzes ehemaligen Mitarbeiter Jobst Liebrecht. Ein bitterböses, farbenfrohes Vaudeville, das die Dekadenz und den moralischen Verfall des vorrevolutionären Havanna seziert. El Cimarrón hingegen aus den Jahren 1969 und 1970 mit einem Libretto von Hans Magnus Enzensberger bildet das radikale Gegengewicht: ein puristisches, hochexpressives Recital über die Lebensgeschichte von Esteban Montejo, eines geflohenen Sklaven im kubanischen Unabhängigkeitskampf.

    Unter der musikalischen Leitung von Rolands Böer und in der Regie und dem Bühnenbild von Michael Kerstan, Direktor der Henze-Stiftung, entfalten die beiden Aufführungen Henzes kompositorisches Spektrum. Virtuos wird eine Brücke zwischen europäischer Avantgarde-Kultur und afro-karibischen Rhythmen geschlagen.

    Der Schweizer Bariton Robert Koller, der die extreme Herausforderung meistert, in beiden Produktionen auf der Bühne zu stehen, begeistert, ergreift und fasziniert für seine stimmliche Präsenz und emotionale Dichte. In La piccola cubana überzeugen zudem Jeannine Hirse und Johannes Dähler durch präzises komödiantisches Timing und vokale Agilität.

    Das El-Cimarrón-Ensemble, ein Zusammenspiel aus Bariton, Querflöte, Gitarre und einer Vielzahl an Schlaginstrumenten, erzeugt im intimeren Rahmen des Teatro Nazionale eine fast physisch greifbare Spannung. Die Inszenierung verzichtet auf folkloristischen Kitsch und setzt stattdessen auf die rohe, repetitive Energie von Henzes Partitur.

    Interessant: Henzes politisches Musiktheater der 1960er und 70er hat nichts von seiner Sprengkraft verloren. Die beiden Aufführungen in Rom zeigen Henze als visionären Geschichtenerzähler. Ein emotionaler Höhepunkt der Abende war die Anwesenheit des inzwischen hochbetagten Autors Miguel Barnet, was vom römischen Publikum mit stehenden Ovationen bedacht wurde.

    29. Mai 2026/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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