Biennale Musica in Venedig
Raumklänge
In diesem Jahr feiert die Musik-Biennale von Venedig ihr 70-jähriges Bestehen, Kuratorin ist in diesem Jahr die italienische Komponistin Caterina Barbieri
Von Robert Jungwirth
(Venedig, im Oktober 2026) Der Klang wird zum Raum und der Raum zum Klang, wenn die Tallis Scholars in der Basilika von San Marco geistliche Musik des lettischen Komponisten Arvo Pärt singen. Klangskulpturen von magischer Reinheit schweben durch die Kirche und Jahrhunderte der Musikgeschichte verschränken sich.
Pärts Triodion und seine Magnificat-Antiphonen wirken hier genauso stark wie Musik von Monteverdi oder Gabrieli. Sie entfalten in diesem einzigartigen Kirchenraum ihre ganze Wirkung. Wohl auch deshalb, weil Pärts Kompositionen eng mit der Musik der Renaissance verbunden sind. Deshalb passe Pärts Musik auch so gut zum Repertoire der Tallis Scholars, wie der Gründer und Leiter der Tallis Scholars Peter Phillips im Gespräch erzählt. Deshalb arbeiten die Tallis Scholars schon viele Jahre mit Pärt zusammen, für sie sei seine Musik eine der besten im zeitgenössischen Repertoire.
Raumklänge ganz anderer Art dekonstruierte die amerikanische Soundkünstlerin Wyldie Bracewell für ihre Klang-Installation „Two things in the world seem to be only once“ im Palazzo Giustinian mit Musiken und Stimmen aus Venedig und Vancouver. Auch das ist faszinierend in seiner vielstimmigen prismatischen Gebrochenheit.
Die aktuelle Leiterin der Musik-Biennale, die Italienerin Caterina Barbieri, kommt von der Musik-Performance und der elektronischen Musik, was sich im Programm der diesjährigen Biennale auch deutlich bemerkbar macht. Als Titel wählte sie „A Child of Sound“. Barbieri: „Der Titel nimmt Inspirationen vom Symbol des Kindlichen. Als Ausdruck eines jungfräulichen Hörens, eines puren Hörens…das uns mit einer Offenheit verbindet, mit einer Verletzlichkeit…und einer radikalen Präsenz…“
Um schrankenloses, unvoreingenommenes Hören und Musikmachen sollte es bei dieser Biennale also gehen. Manches kommt dabei aber auch reichlich schlicht daher wie die Ambient-Music des italienischen Komponisten und Pianisten Gigi Masin, der im Trio seine Produktion „Wind“ von 1986 reaktivierte und dabei ein musikalisches Sedativum präsentierte. Auch die äußerlich mit viel Selbstinszenierung versehene Performance der amerikanischen Sound-Künstlerin Alif Hilal, die im Trio afrikanische Musiktraditionen zu einer Art Club-Music verrührte, blieb im Stadium improvisatorischer Beliebigkeit stecken.
Das zum Teil junge Publikum freute sich dennoch an den Konzerten mit dieser Art Club-Musik – aber für ein Festival dieses Anspruchs war diese 70. Ausgabe der Biennale dann streckenweise doch eher eine Enttäuschung.




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