Klaviertrio mit Vilde Frang zu Gast in Grünwald
Labyrinth widerstreitender Gefühle
Vilde Frang, Maximilian Hornung und Denis Kazhukhin spielen in Grünwald Schumanns Klaviertrios
Von Robert Jungwirth
(München, 8. Oktober 2025) Vilde Frang kommt in Socken auf die Bühne. Das ist neu. Vielleicht um sich bei Kammermusik besser zu „erden“. Doch Cellist Maximilian Hornung klärt auf. Auf dem Flug nach München sei ihr Koffer hängen geblieben. Deshalb also auch die schlichte schwarze Jeans. Und bevor Frau Frang in wer weiß welchen Straßenschuhen oder Sneakers aufs Podium geht, kommt sie lieber ohne Schuhe in schwarzen Socken. Der wunderbare Kammermusiksaal in Grünwald – nach August Everding benannt – bietet ohnehin eine so cosy atmosphere mit seinen warmen Holztönen, dass das häusliche outfit geradezu passend erscheint.
Aber die drei Musiker*innen halten sich nicht weiter auf mit Geplänkel, sondern wühlen sich sogleich hinein in die Schumann’schen Ausdruckswelten. Und die haben es in sich. Gerade das erste seiner drei Klaviertrios von 1847 ist ein Ausbund an grüblerischen Seelenzuständen, tiefgründig, ja abgründig zuweilen. Es gibt permanente Wechsel in Gestus, Dynamik und Ausdruck. Und das auch noch in jeder Stimme individuell. Für Interpreten ist dieses, ja alle drei Trios Schumanns eine Art Labyrinth widerstreitender Gefühle und Gesten, das höchste Ansprüche stellt – instrumental wie interpretatorisch. Entsprechend selten sind diese Stücke auch im Konzert zu hören.
Wenn sich Spitzenmusiker wie Vilde Frang, Maximilian Hornung und Denis Kozhukhin ihnen widmen, darf man gespannt sein und sich freuen auf die geballte künstlerische Kompetenz. Tatsächlich müssen die drei hier mitunter eher gegeneinander als miteinander agieren, es gibt Einwürfe, Kommentare, Widersprüche. Kein liebliches Begleiten und Führen – außer vielleicht in den langsamen Sätzen. Auch das Klavier tritt immer wieder mit eigenen Akzenten hervor. Sehr geschmackvoll und sorgsam austariert von Kozhukhin, der es dabei noch schafft, sich dem Gesang der Streichinstrumente anzupassen und gleichsam selbst auf dem Flügel zu singen.
So ist diese Musik eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle – dabei natürlich hochvirtuos. So sprechend und rhetorisch versiert wie die drei Musiker das vorführen, so akzentreich und spannend, das ließ die Zuhörer in Grünwald an den Satzenden förmlich die Luft anhalten – grandios.
Die beiden folgenden Trios klingen dann im Vergleich ein wenig zahmer – vor allem das dritte, das schon ganz nach Johannes Brahms klingt. Noch immer voller Leidenschaft, aber in deutlich klarere Formen gegossen, nicht mehr so sprunghaft. Dadurch dass die drei Stücke tatsächlich jeweils sehr eigen und eigenwillig sind, war dieses monothematische Konzert keine Sekunde langweilig, was ja bei solchen Konzerten durchaus eine gewisse Gefahr darstellt. Oft sind die Musiker selbst von solchen „Werkschauen“ begeisterter als ihr Publikum. Hier war das nicht so. Die Begeisterung der drei schwappte unmittelbar auf die Zuhörer über.



Lieber Herr Jungwirth,
herzlichen Dank für Ihren Besuch und Ihre spannende Rezension unseres Konzertes.
Für alle, die neugierig geworden sind:
Einen Einblick in unser aktuelles Programm sowie die gesamte Konzertreihe finden interessierte Leser*innen unter folgendem Link:
http://www.gemeinde-gruenwald.de/kultur/gruenwalder-konzerte