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    Die Jazz-Bassistin Kinga Głyk in München

    Opern- und Konzertkritiken

    Sirene am Bass

    Die Bassistin Kinga Głyk mit ihrem Quintett zu Gast in München

    Von Robert Jungwirth

    (München, 18. Juli 2025) Schock, schwere Not – meditative Synthieklänge wabern minutenlang aus den Keyboards. Sollte die funky Bassistin Kinga Głyk sich neuerdings auf psychedelische Eso-Musik verlegt haben? Es war aber glücklicherweise nur das Intro, das dann irgendwann einfach aufhörte und mit neuem Einsatz einem donnernden Funkbeat Platz machte, der einem die Glieder lockerte. Jazz-Rock-Funk, das ist die Klang-Welt der verblüffenden, jungen polnischen E-Bassistin mit dem unaussprechlichen Namen. Ein großes musikalisches Talent, das in ihren jungen Jahren schon viel internationale Aufmerksamkeit genießt. Der große Konzertsaal im Münchner Bergson jedenfalls war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eigentlich ein bisschen schade, dass das Konzert nicht in der großen Industriehalle stattfand, wo sich das Publikum frei bewegen und ein wenig tanzen hätte können. So fetzte einem Głyks energetischer Funkbass um die Ohren, während man seine Beine still halten musste, um den Nachbarn nicht allzu sehr zu inkommodieren.

    Głyk kann es aber nicht nur fetzen lassen, sondern auf ihrem langhalsigen E-Bass auch wunderbar singen. Eine Sirene am E-Bass, so könnte man dieses Fräuleinwunder des Jazz-Rock auch bezeichnen. Und so wird sie auch bestaunt und geliebt von ihren Fans. Der Sound ihres Quintetts mit den beiden Keyboardern Jan Uvira und Arek Grygo Key, dem Saxophonisten Itai Weissman und dem Schlagzeuger Yoann Schmidt wirkt ein bisschen wie ein akustisches Deja vu aus den 80ern. Manchmal kommen durch die Keyboards ein wenig experimentelle Klänge dazu, aber im Grunde bleibt es bei diesem Klangbild aus der Vergangenheit. Was ein bisschen schade ist, denn bei aller groovenden Lässigkeit wäre es nicht verkehrt, wenn die Musikerin ihren Stil auch ein wenig mit aktuellen Strömungen und Ideen aus Jazz und Rock und womöglich sogar Klassik anreichern, weiterentwickeln würde.

    Vielleicht einfach nur den mitunter etwas penetranten Sopransaxophon-Sound nicht so viel Raum einnehmen lassen und ihn auch mal durch ein anderes Instrument ersetzen. Wie überhaupt die Bandzusammenstellung womöglich noch nicht den Gipfel von Głyks musikalischen Möglichkeiten darstellt. Wie wäre es mit E-Gitarre statt Sopransaxophon, einem Flügel statt dem zweiten Keyboard? Das soll nicht heißen, dass Głyks Kollegen nicht hervorragende Musiker wären. Vor allem Yoann Schmidt am Schlagzeug begeisterte mit seinen klaren, präzisen Beats und viel kreativer Energie. Das Fräuleinwunder aber kann sich stilistisch sicher noch weiter entwickeln, das ist deutlich zu spüren. Wir sind gespannt…

     

     

    19. Juli 2025/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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