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    Die Sopranistin Elena Sverdiolaite im Münchner Orff-Zentrum

    Opern- und Konzertkritiken

    Neugier und Emphase

    Ein sehr besonderer Liederabend der jungen Sopranistin Elena Sverdiolaite im Münchner Orff-Zentrum

    Von Robert Jungwirth

    (München, 5. Juni 2024) Man musste sich schon ins Münchner Orff-Zentrum zu einem Konzert mit einer Nachwuchssängerin aufmachen, um in München einmal wieder erleben zu können, wie kreativ und phantasievoll man einen Liederabend gestalten kann. Vor einem Jahr beeindruckte die aus Vilnius stammende Sopranistin Elena Sverdiolaite an eben diesem Ort die Jury des erstmals ausgetragenen Carl-Orff-Wettbewerbs und bekam zwei Sonderpreise zugesprochen. Der Gewinn beinhaltete auch einen Auftritt im Orff-Zentrum in seinem schönen Konzertsaal.

    Zusammen mit ihrem Klavierpartner Gustas Raudonius verblüffte Elena Sverdiolaite jetzt das Publikum mit einem Programm mit nicht weniger als 11 verschiedenen Komponisten und 18 Liedern, schwerpunktmäßig aus der Zeit kurz vor bis etwa zwei Jahrzehnte nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Ausgehend von fünf frühen Liedern Orffs, die zwischen Strauss, Debussy und sogar Schönberg hin und herpendeln und spannend die musikalische Frühzeit des Komponisten beleuchten, spannte die Sängerin den Bogen weiter über Strauss und Debussy bis zu Ullmann, Messiaen, Strawinsky, Szymanowski, Korngold, Schönberg und Duparc.

    Was für eine faszinierende Vielfalt an Stilen und musikalischen Handschriften – und was für eine ganz natürlich wirkende Begabung demonstrierte Elena Sverdiolaite bei der Interpretation dieser überaus schweren und anspruchsvollen Lieder. Dabei steht der Sopranistin die große Opernemphase wie in Strauss Cäcilie oder Duparcs La Vague et la cloche ebenso zur Verfügung wie der französische Lyrismus bei Debussy oder in dem frühen Messiaen-Lied Action de graces bis hin zum zeitgenössischen Parfum de L’instant der großartigen finnischen Komponistin Kaija Saariaho, die im vergangenen Jahr gestorben ist. Da kann sich Elena Sverdiolaite durchaus noch mehr auf ihre ebenfalls schöne Piano-Kultur verlassen.

    Witzig gestaltete sie die Pastorale von Strawinsky von 1907, ein heiteres Stückchen nur mit Vokalen. Auch das vermittelte die Sängerin wunderbar mit dem nötigen Quantum an Humor und Charme – stimmig und kundig stets begleitet von Gustas Raudonius. Eine wirklich großartige Leistung, zumal sie alle 18 Lieder nebst einer Korngold-Zugabe auswendig gesungen hat! Für ihren Mut und ihre Entdeckerfreude, ein solche außergewöhnliches Programm auszuwählen, gebührt ihr hohe Anerkennung. Ein beeindruckendes Talent, dem wir an dieser Stelle nur alles Gute wünschen können – und viele Veranstalter, die ihrem kreativen Elan ihre Podien öffnen – auch wenn es nicht Schubert ist oder Verdi, den sie hören werden. Mehr Mut auch auf dieser Seite wäre sehr wünschenswert.

    7. Juni 2024/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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