Mercedes Spannagels Roman Crashtest Dummies
Das gewöhnliche Grauen
Mercedes Spannagel ist mit „Crashtest Dummies“ ein erstaunliches Buch über eine Frau gelungen, die sich in der Welt der Autoingenieure behauptet – mit eigenwilligen Methoden
Von Robert Jungwirth
Auf den ersten 100 Seiten geht es der Autorin allem Anschein nach vor allem darum, Angestelltenödnis zu verbreiten. Eigentlich wird nur immer wieder geschildert, wie ein kleines Team von Ingenieuren in der Autoindustrie, die irgendwie an der E-Mobilität arbeiten, sich in den Kaffee- und Rauchpausen sowie beim Mittagessen in der Kantine treffen und über Banalitäten austauschen. Da gibt es die Ehrgeizigen und Streber, den Mittläufer und den Abgehängten, der noch nicht entlassen wurde. Mercedes Spannagel hat selbst Maschinenbau studiert und in der Autoindustrie gearbeitet. Außerdem hat sie für ihren Roman viele Gespräche geführt und viel recherchiert. All das fließt ein in ihr Buch, das mit jeder Menge ungewöhnlichen Beschreibungen des gewöhnlichen und alltäglichen Grauens in so einem Firmenleben aufwartet.
Die Icherzählerin Cleo arbeitet ebenfalls als eine von wenigen Frauen in diesem klassischen Männerberuf, sie weiß sich aber durch ziemlich viel Coolness und Intelligenz gegen alle Arten von dümmlichen Sprüchen und Verhaltensweisen von Männern zu behaupten. Aber wie gesagt, so richtig in Fahrt kommt der Roman komischerweise erst nach etwa 100 Seiten, dann schaltet die Autorin auf den Turbo um, sozusagen. Bis stottert er eher dahin um im Bild zu bleiben. Da hätte das Lektorat durchaus eingreifen können und müssen.
Dafür regnet es später Sätze wie diese: „Der morgendliche Zug – ein Bällebad für Erwachsene. Jemand tritt mir auf die Füße und ich ertrage es mit geschlossenen Augen. Bald wird es schneien und niemand kann etwas dagegen tun.“ Oder: „Ich frage mich, ob er sich für meine Gedanken zu China interessiert oder ob ich für ihn bloß ein Teil des Buffets bin.“
Das sind ebenso lapidare wie treffende Beschreibungen des alltäglichen Wahnsinns des Arbeitslebens, das die meisten von uns so oder ähnlich kennen. Die Icherzählerin ist Teil einer Maschinerie, aber sie will sich dem herrschenden Männlichkeitsprinzip im Aufstiegskampf innerhalb eines Konzern entgegen stellen. Dass das auch auf Kosten der Fairness geschieht, scheint nur folgerichtig zu sein, wenn frau nicht untergehen will. Schön ist das nicht. Eher das Gegenteil davon. Aber es spricht für die Qualität des Buchs, dass es eben keine billigen SW-Muster anbietet.



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