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    Kammerkonzert beim Musikfest Berlin

    Opern- und Konzertkritiken

    Sterbeklänge von Metall

    Ein Kamerkonzert mit Werken Clara Iannottas und Marton Illés beim Musikfest Berlin

    Von Robert Jungwirth

    (Berlin, 18. September 2026) Die Musik der Italienerin Clara Iannotta ist geprägt von einer gesteigerten Materialität. Beinahe kein Instrument ist bei ihr in seinem traditionellen Klangspezifikum zu hören. Vielfältige Präparationen, veränderte Spieltechniken und/oder Elektronik stellen es in einen neuen akustischen Kontext. Dazu kommen auch Alltagsgegenstände, die zur Klang- und Geräuscherzeugung verwendet werden. Dabei ist die klangliche Vorstellungskraft von Clara Iannotta alles andere als beliebig. Das Spielerische, Happeningartige steht bei ihr nicht im Vordergrund. Auch die reine Materialerforschung und -befragung lässt sie weit hinter sich. Sie sucht für ihre Stücke nach exakten Klängen oder akustischen Phänomenen, die sie imaginiert hat, und schafft mit ihnen dichte und detailliert ausgehörte Partituren. Das macht Clara Iannotta zu einer sehr kreativen und interessanten Stimme in der aktuellen zeitgenössischen Musikszene. Zwei ihrer Kammermusikstücke waren jetzt beim Berliner Musikfest zu erleben.

    Mit gestrichenen Metallblechen, Schnüren im Flügel, aber auch den Klängen eines kleinen Ensembles spürt sie in „They left us grief-trees wailing at the wall“ der Thematik von Verlust und Trauer nach wie sie die Dichterin Dorothy Molloy in einem Text ausdrückte. Wie überhaupt die Irin eine zentrale Inspirationsquelle für Iannottas Werke ist. „Sterbeklänge von Metall“ könnte man in Anlehnung an Georg Trakl nennen, was hier zu hören ist. Dazu grummelt es unheilschwanger aus den 9 verstärkten Instrumenten. Es sind Klänge der Disruption, geheimnisvoll, spannungsreich, verstörend.

    Ähnliches gilt auch für ihr Stück echo from Afar für sechs Musiker*innen und Elektronik von 2022. Für das Stück inspirierend war die Erfahrung einer Strahlentherapie, die Iannotta über sich ergehen lassen musste. Auch hier finden wir uns als Hörer in einem verblüffenden Geräuschlabyrinth wieder. Die Musik sei dabei kein Abbild der Krankheit, vielmehr suchte die Komponistin nach einem Ausdruck für „diese unsichtbare Kraft, die einen von innen verändert“ – und vertraut damit auf einen Neubeginn, so heißt es dazu im Programmheft.

    Gegen die Existenzialität der Klangsprache von Clara Iannotta fiel Marton Illés „von mund zu mund“ für Stimmen, Ensemble und Live-Elektronik trotz eines enormen Aufwands mit im Raum verteilten Sängern, Sourround-Lautsprechern und Echtzeit-Elektronik doch etwas ab. Zwar ist die Idee, ein Stück über die menschliche Sprachentwicklung zu schreiben, nach den kryptisch-illustrativen Texten von Felix Reinhuber, durchaus spannend – das klangliche Ergebnis jedoch, wirkt nicht besonders konzise und zwingend. Hier scheint der betriebene Aufwand doch größer zu sein als der Ertrag.

    Das Ensemble Modern unter der Leitung von Michael Wendeberg war jedenfalls wie bei Iannotta ein hochengagierter Anwalt der komplexen Partitur und die Neuen Vokalsolisten Stuttgart setzen in Zusammenarbeit mit dem SWR Experimentalstudio die hochdifferenzierten Vorgaben faszinierend virtuos um.

    22. September 2026/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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