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    Das Buch „Das große Salzburger Affentheater. Vom Ende der Ära Markus Hinterhäuser“ rechnet mit den Salzburger Politikern ab

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    Salzburger Affentheater

    In seinem Buch „Das große Salzburger Affentheater. Vom Ende der Ära Markus Hinterhäuser“ rechnet Sven Hartberger mit den Salzburger Politikern ab, die den unwürdigen Rauswurf Markus Hinterhäusers als Intendant der Salzburger Festspiele zu verantworten haben

    Von Robert Jungwirth

    Auch rund fünf Monate nach dem Ende Markus Hinterhäusers als Intendant der Salzburger Festspiele ist kein bisschen Gras über die Sache gewachsen. Im Gegenteil. Je länger der Vorgang zurückliegt, desto abstruser, fragwürdiger und skandalöser erscheint er. Erstmals war bei den Salzburger Festspielen einem Intendanten während seines laufenden Vertrags gekündigt worden und nicht etwa wegen schlechter Leistungen – künstlerisch und finanziell stehen die Salzburger Festspiele unter Hinterhäuser hervorragend da -, sondern wegen „mangelndem Wohlverhalten“ gegenüber einem Aufsichtsgremium namens Kuratorium, das die Aufsicht über die Finanzen des Festivals übt und in dem nicht etwa Fachleute, sondern fachfremde Politiker das Sagen haben. Es ist quasi der Aufsichtsrat der Salzburger Festspiele.

    Dass dieses Kuratorium seinerseits wenig Wohlverhalten zeigte, als es sich ohne dafür eine Legitimation zu besitzen in die künstlerischen Belange Hinterhäusers einmischte (bei der Besetzung der Leitung der Schauspielsparte), ficht das Gremium resp. deren Mitglieder nicht an. Aber dass sich Hinterhäuser gegen diese Einmischungen wehrte, das rechtfertigt wohl seinen Rausschmiss. Das ist haltlos und respektlos gegenüber Hinterhäuser und gegenüber den Festspielen. Dazu kamen dann noch anonyme Vorwürfe einer Mitarbeiterin über angebliche Wutausbrüche Hinterhäusers, die in einer deutschen Zeitung breit ausgewalzt wurden, letztlich aber nicht greifbar und belastbar waren. Dagegen unterstützte eine lange Liste von Künstlern in einem offenen Brief Hinterhäuser gegenüber der Vorgehensweise des Kuratoriums.

    Sven Hartberger, selbst als Kulturmanager u.a. beim Klangforum Wien tätig, schildert in seinem Buch minutiös die einzelnen Schritte, Verlautbarungen, Medienberichte usw., die zum Ende der Intendanz Hinterhäusers geführt haben. Er tut dies, weil er von der Fragwürdigkeit und Unrechtmäßigkeit der Vorgänge zutiefst überzeugt ist und bringt dafür auch jede Menge Belege. Und er tut es auch, um einen der erfolgreichsten Intendanten in der Geschichte der Salzburger Festspiele zu rehabilitieren. Man muss nicht alle 90 Seiten dieser zwischen Polemik und juristischem Gutachten changierenden Abhandlung lesen, um zu der Einsicht zu gelangen, dass der langjährige Intendant der Salzburger Festspiele letztlich einem üblen und kleinkarierten Machtkampf zum Opfer gefallen ist. Und zwar deshalb, weil er bestimmten Leuten im Kuratorium und deren Selbstdarstellungsbedürfnis zu widerständig und eigenständig war.

    „Es gibt also kaum einen Weg, der an der Einsicht vorbeiführt, dass sich die Dinge ganz genau so verhalten, wie es der Bürgermeister der Stadt Salzburg freimütig einbekannt hat. Für die kostspielige Auflösung des Intendantenvertrags gibt es keinen anderen Grund als die höchstpersönliche Verärgerung der Kuratoriumsmitglieder: ‚Das lassen wir sich nicht gefallen‘. Es sind die gekränkten Eitelkeiten nicht eben übermäßig bedeutender Funktionäre, für die die Festspiele bluten müssen. Mediokre Amtsträger treffen auf Grund vollkommen sachfremder Motive weitreichende Entscheidungen zum Schaden der Festspiele. Eine Güterabwägung zwischen dem Nutzen, der den Festspielen aus dem vom Kuratorium gewünschten abrupten Ende der Ära Hinterhäuser entstehen sollte, und dem vielfältigen Schaden, der den Festspielen daraus nachweislich erwachsen ist, hat offenbar nie stattgefunden.“

    Die Festspiele tragen durch den zweifelhaften Rauswurf Hinterhäusers also nicht nur einen gehörigen Imageschaden davon (welcher Intendant wird sich in eine solche Schlangengrube setzen?), sondern auch einen enormen finanziellen Schaden in geschätzter sechsstelliger Höhe. Geld, das man jedenfalls sinnvoller fürs Programm statt für doppelt bezahlte Intendantenposten ausgeben hätte sollen. Hartberger stellt die Gründe für die Vertragsauflösung mit Hinterhäuser entschieden in Frage und fordert eine Überprüfung der Haftungspflicht für den entstandenen Schaden:

    „Wäre ein rechtlich haltbarer Grund für eine sofortige Beurlaubung bzw. für die Auflösung des neuen Intendantenvertrags vorgelegen, hätte es keine Berechtigung des Kuratoriums gegeben, die Beurlaubung bei vollen Bezügen zu gewähren bzw. für die Auflösung des zuvor in der Öffentlichkeit offenbar fälschlich als hinfällig bezeichneten Vertrags 2027 – 2031 eine ohne Zweifel sehr bedeutende Abfindung an den Vertragspartner zu bezahlen. Es besteht darüber hinaus die Sorge, das wesentliche Projekte des von Markus Hinterhäuser für die Spielzeit 2027 geplanten und ordnungsgemäß budgetierten Programms gestrichen werden müssen, weil das dafür vorgesehene Geld für die Bedeckung des entstandenen Schadens benötigt wird.“

    Sven Hartberger stellt in seiner Untersuchung zurecht auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Verfassung des Kuratoriums, das eigentlich jedem Intendanten oder Intendantin die volle Unterstützung und vor allem Unabhängigkeit sichern sollte. Stattdessen mussten sich die künstlerischen Leiter oft genug mit den Mitgliedern des Gremiums in künstlerisch-personellen Fragen herumschlagen. Und das auch deshalb, weil im Kuratorium Politiker*innen sitzen, die kaum einen oder gar keinen Bezug zur Kultur haben, Kultur vielmehr offenbar für ihre eigenen politischen Zwecke instrumentalisieren. Das geht natürlich völlig am Geist und am Auftrag der Festspiele vorbei. Daher tue eine Reform dringend Not, so Hartberger. Aber natürlich ist eine solche Reform von den Verursachern der aktuellen Misere nicht zu erwarten. Die müssen erstmal abgewählt werden und dann braucht es weitsichtige Nachfolger, die die Zustände ändern.

    „Vor diesem Hintergrund wäre es vielleicht einmal eine gute Idee, sich bei der Suche nach der Ursache der seit den 1990er-Jahren herrschenden Dauerquerelen zwischen dem Kuratorium und den Intendanten der Salzburger Festspiele nicht bei dem bekannten Volksmärchen von den ach so schwierigen Künstlern zu beruhigen. Offen ausgetragene Meinungsverschiedenheiten, Misstrauensbekundungen, vorzeitige Abgänge und nur knapp vermieden Hinauswürfe sind in Salzburg längst nicht mehr der Ausnahmefall, sie sind zur Regel geworden. Es gibt kein anderes Festival, kein Theater und kein Opernhaus, das eine vergleichbar desaströse Bilanz von Konflikten seiner künstlerischen Leitung mit dem Aufsichtsorgan zu ziehen hätte. Gewiss, Gerard Mortier, Jürgen Flimm, Alexander Pereira und zuletzt auch Markus Hinterhäuser haben, jeder auf seine Art, nicht eben viel zur Konfliktvermeidung beigetragen. Aber die Inferiorität, mit der das politische Personal die Differenzen nicht eingefangen hat, nicht hinter den Kulissen als stabileisrender Faktor und zum Schutz der Interessen der Festspiele tätig geworden ist, kann nicht übersehen werden. “

    Die von Hartberger geforderte Offenlegung der Zahlungen wird dem Vernehmen nach wohl erfolgen. Man wird sehen, ob und welche Konsequenzen sich daraus noch ergeben werden.
    Markus Hinterhäuser freilich wird all dies nichts mehr nützen. Er hat sein Amt verloren und ist in seinem Ansehen schwer beschädigt worden, nachdem er einen Großteil seines Lebens und seiner künstlerischen Energie in verschiedenen Funktionen mit sehr großem Erfolg für dieses Festival eingesetzt hat. Aber es geht nun auch darum, wie man in Zukunft auf ihn als Intendant blicken wird und wie Intendanten dort zukünftig vor Übergriffen aus dem Kuratorium besser geschützt werden können.

    Thomas Bernhard hätte angesichts des hier aufgeführten „Affentheaters“ sicher mit allen sprachlichen Mitteln um sich geschlagen und Österreich im Allgemeinen und Salzburg im Besonderen in Grund und Boden beschimpft. Wir dachten, die Zeiten seien vorbei, da es Ursachen für derartige Wutausbrüche gibt. So kann man sich täuschen.

    19. August 2026/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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