Der Klang der Stradivari im Kino
Der Mythos klingt nur gemeinsam
Der Film „Der Klang der Stradivari“ ab heute im Kino
Von Robert Jungwirth
(6. August 2026) Der Name Stradivari ist eine Chiffre für Vollkommenheit, für handwerkliche Perfektion und unerreichten Klang. Grégory Magnes Film „Der Klang der Stradivari“ zelebriert diese Aura, aber im Kern geht es um vier Musiker*innen, die in einem Streichquartett vier Stradivaris in einem Konzert erklingen lassen sollen und daran (zunächst) scheitern. Vier Solisten, jeder von internationalem Rang, sind eben nicht automatisch ein gutes Quartett. Und dann sollen sie auch noch eine Uraufführung spielen, mit der sie ebenfalls nicht so recht klarkommen.
Die Idee zu dem Konzert stammt von der reichen Industriellenerbin Astrid (Valérie Donzelli), deren verstorbener Vater den Wunsch zu einem solchen Konzert hatte und dem zu Ehren dieses Projekt nun verwirklicht werden soll.
Was als Feier musikalischer Exzellenz geplant ist, entwickelt sich rasch zu einer Studie verletzter Eitelkeiten. Und auch der eilig herbeigerufene Komponist ist erstmal keine große Hilfe, weil er sich von seinem vor vielen Jahren geschriebenen Stück mittlerweile innerlich distanziert hat. Frédéric Pierrot spielt den leicht verschrobenen Komponisten mit leisem Witz und diskretem Charme und macht ihn zum Gamechanger für die vier Musiker*innen und ihre gemeinsame Arbeit an seinem Stück.
Magne inszeniert diese Konstellation mit leichter Hand. Sein Film bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und seriösem Kammerspiel, ohne sich in den allzu vertrauten Klischees des Musikerfilms einzurichten. Natürlich gibt es die exzentrischen Proben, die gekränkten Künstlerseelen und den unausweichlichen Moment, in dem die Frage gestellt wird, ob technische Perfektion schon Kunst sei. Bemerkenswert ist dabei die Zurückhaltung der Inszenierung. Wo andere Filme klassische Musik mit opulenten Kamerafahrten und sentimentaler Überhöhung illustrieren, lässt Der Klang der Stradivari der Musik ihren eigenen Raum. Die Kamera beobachtet mehr, beinahe diskret. Gerade dadurch gewinnen die musikalischen Passagen eine besondere Qualität. Und natürlich auch deshalb, weil die vier Schauspieler*innen Mathieu Spinosi, Emma Ravier, Daniel Galitzsky und Marie Vialle auch kundige Musiker sind, also nicht mit der Kamera getrickst werden muss, wenn sie ihre Instrumente spielen. Auch deshalb wirkt der Film erfreulich authentisch.
So erzählt „Der Klang der Stradivari“ nicht so sehr von kostbaren Instrumenten und dem Mythos ihres Erbauers. Er erzählt vielmehr von einer Kulturtechnik des Zuhörens. Das ist nicht spektakulär, gelegentlich auch etwas didaktisch. Aber der Film besitzt eine stille Überzeugungskraft. Die kostbarste Eigenschaft einer Stradivari ist hier nicht ihr Marktwert. Es ist ihre Fähigkeit, Menschen dazu zu bringen, einander zuzuhören.




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