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    Renaud Capucon, Julia Hagen und Igor Levit mit Brahms-Trios in Salzburg

    Opern- und Konzertkritiken

    Shades of grey

    Renaud Capucon, Julia Hagen und Igor Levit mit den drei Brahms-Klaviertrios bei den Salzburger Festspielen

    Von Robert Jungwirth

    (Salzburg, 30. Juli 2024) Rund 35 Jahre nach der seiner Entstehung meinte Johannes Brahms, sein Klaviertrio H-Dur noch einmal überarbeiten zu müssen. Der jugendliche Duktus des 21-Jährigen schien dem mittlerweile 57-jährigen Komponisten nicht mehr genehm und ein paar Längen wollte er auch tilgen. Den jugendlichen Charme hat Brahms dem Werk schon im ersten Satz gründlich ausgetrieben, mit tief schürfender Ernsthaftigkeit. Die Binnensätze atmen aber noch den Geist einer von Schumann beeinflussten spielerischen Leichtigkeit. Dem großen Vorbild und Freund Robert Schumann widmete Brahms ja auch noch in seinem dritten und letzten Trio von 1885 eine deutlich hörbare Referenz.

    Renaud Capucon, Julia Hagen und Igor Levit stellten die drei Trios von Brahms jetzt an einem Abend bei den Salzburger Festspielen vor und begeisterten mit der musikalischen Schwerstarbeit das Publikum. Wenngleich derartige monothematische Programme ja oft die Musiker spannender finden als die Zuhörer. Gerne hätte man von den drei Spitzenmusikern auch andere Klangsprachen an diesem Abend gehört als nur die Brahm’schen verschatteten Leidenschaften.

    Tatsächlich wurden die Farben im Lauf des Abends bis zum dritten Trio immer düsterer. Kein Wunder, steht das letzte Werk doch in c-Moll. Aber auch das mittlere C-Dur-Trio ist keineswegs heiter zu nennen. Schon bald legen sich Schatten über den Allegro-Animato-Beginn und der Tonfall wird rauer, ja unwirsch. Und was Brahms im letzten Satz als giocoso bezeichnet, ist eher geisterhaft. Ein großer Humorist war Brahms wohl kaum.

    Den drei Musikern gelang es gleichwohl beeindrucken, die ungefähr 50 shades of grey in den drei Stücken zu stimmigen Klangbildern zu gestalten und dabei doch immer auch die Strukturen der Musik transparent zu halten. Herrlich grundierte Levit im Bass den Beginn des ersten Trios für die Cantilene des Cello. Fantastisch die dynamischen Differenzierungen, die zärtlichen Gedanken im zweiten Satz des C-Dur-Trios, das unvermittelte energico mit punktgenauen Akzenten ebenfalls im zweiten Trio und schließlich das schnelle Wechselspiel von Cello und Violine im dritten Trio. Stets spürte man die Unbedingtheit des Willens zum Ausdruck ohne Übertreibung und Manierismen; vorherrschend waren ein nobler Ton und strukturelle Feinzeichnung. Die junge, phänomenal talentierte Julia Hager bildete mit ihrem sonoren, dabei nie orgelnden, sondern immer prägnanten und fokussierten Ton sogar manchmal das Zentrum dieser Weltklasse-Formation.

    1. August 2024/0 Kommentare/von Robert Jungwirth
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