Zum Tod von Pierre Boulez

Pierre Boulez gestorben

Pierre Boulez Foto: DG

Pierre Boulez war als Komponist, Dirigent und Initiator zahlloser Musikprojekte eine Jahrhundertfigur. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren an seinem Wohnort in Baden-Baden gestorben

(6. Januar 2016) Wer Pierre Boulez noch vor wenigen Jahren als Dirigent erlebt hat, etwa in Wien, in Luzern, in Berlin oder in den USA, konnte kaum glauben, dass dieser voller Spannung und Vitalität steckende Musiker weit über 80 Jahre alt war. Trotz seines stolzen Alters war Pierre Boulez bis vor wenigen Jahren noch immer weltweit als Konzertdirigent im Einsatz und er produzierte auch noch fleißig CD-Aufnahmen. Auf sein enormes Arbeitspensum angesprochen, sagte Boulez in einem Interview: „Je mehr ich arbeite, desto wacher und interessierter bin ich. Ich kann mir nicht vorstellen, nicht neugierig zu sein, keine neuen Erfahrungen zu machen. Ich liebe die Frische des Neuen – auch an mir selber.“
Den wachen und neugierigen Geist hat sich Pierre Boulez bis zuletzt bewahrt. Dennoch waren die Feierlichkeiten zu seinem 90. Geburtstag im vergangenen Sommer in Salzburg oder Luzern ohne ihn abgelaufen. Er konnte nicht mehr zu den Festivals reisen, bei denen er über Jahrzehnte als Komponist und Dirigent präsent war.
Pierre Boulez war zweifellos einer der wichtigsten Dirigenten unserer Zeit. Einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts war er ohnehin. Der so genannte Serialimus der 50er und 60er Jahre wurde maßgeblich durch ihn mitgeprägt. Auch wenn sein OEuvre als Komponist überschaubar blieb – eine geplante Oper kam nie zustande – sind seine Werke Grundpfeiler der Musik des 20. Jahrhunderts, etwa die Orchesterwerke Repons, Polyphonie X, Notations, Éclat oder einige seiner Klavierkompositionen. Zu einem Dogmatiker des Serialismus‘ wurde Boulez dennoch nicht: „Wir waren zunächst fasziniert von dieser Askese, von diesen ganz neuen Gedanken, aber hinterher sind wir weiter gegangen, weil man in diesem Engpass nicht leben konnte. Das wäre tödlich gewesen.“
Pierre Boulez wurde am 26. März 1925 in Montbrison, einem kleinen Ort an der Loire geboren. Er studierte zunächst Mathematik in Lyon, von dort wechselte er zum Musikstudium ans Pariser Conservatoire. Von seinem Lehrer Olivier Messiaen erhielt er entscheidende Anregungen, aber auch von dem Anton-Webern-Schüler Rene Leibowitz, der Boulez in die Zwölftonlehre Arnold Schönbergs einwies. Das Werk und die Kompositionsverfahren Schönbergs wurden für Boulez neben der Musik Messiaens zur zweiten prägenden Erfahrung für seine eigene kompositorische Arbeit.
1946 nahm Boulez für zehn Jahre eine Kapellmeisterstelle am Theatre Marigny in Paris an. Hier legte er den Grundstein für seine Karriere als Dirigent, die neben seiner kompositorischen Arbeit bis heute das zweite Standbein für Boulez bildet.
Anfang der 50er Jahre gründete er in Paris die Konzertreihe für neue Musik “domaine musicale”, die er bis in die späten 60er Jahre leitete. 1966 dirigierte er erstmals bei den Bayreuther Festspielen, und zwar den “Parsifal“. 1971 wurde Boulez Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. 1976 dirigierte er in Bayreuth den Ring des Nibelungen in der Inszenierung seines Landsmannes Patrice Chéreau, den so genannten “Jahrhundertring”, weil die Produktion exakt 100 Jahre nach der Uraufführung stattfand. Nach anfänglichem heftigen Protest seitens des konservativen Teils des Publikums gegen die antimythische Sichtweise Chéreaus, begann sich die Inszenierung jedoch mehr und mehr durchzusetzen, nicht zuletzt auch dank der klarsichtigen und pointierten musikalischen Interpretation durch Pierre Boulez.

Den Ausdruck Jahrhundertring bezog man bald weniger auf das 100jährige Jubliäum als vielmehr darauf, dass hier eine für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Maßstab setzende Aufführung gelungen ist.
Bis heute hat diese Interpretation nichts von ihrer Faszinationskraft und Gültigkeit verloren. Auf DVD kann man sie sich ansehen und anhören.
2004 kehrte der knapp 80jährige Boulez erneut nach Bayreuth zurück und dirigierte dort wieder den Parsifal, in der wieder sehr umstrittenen Inszenierung von Christoph Schlingensief.
Es waren auch seine Erfolge als Dirigent, die Boulez in Frankreich zu einer der zentralen Personen des Musiklebens machten und ihm die Möglichkeit gaben, Projekte wie die Errichtung eines Forschungs- und Weiterbildungszentrums für Neue Musik, das Ircam, oder den Bau der Cité de la musique nicht nur anregen, sondern auch durchsetzen zu können. Auch für den Bau der Bastille-Oper hatte sich Boulez stark gemacht. Schließlich ist Boulez auch Gründer des weltweit renommierten Orchesters für Neue Musik, des Ensemble intercontemporain.
Die Ausbildung und Förderung des musikalischen Nachwuchses vor allem im Bereich der zeitgenössischen Musik lag Boulez besonders am Herzen, weshalb er sich viele Jahre jeden Sommer drei Wochen lang den Strapazen einer Orchesterakademie in Luzern aussetzte und mit über 100 Musikern aus bis zu 30 verschiedenen Ländern zusammen Musik des 20. und 21. Jh. erarbeitete.
Wie engagiert Boulez mit den jungen Musikern, Dirigenten und Komponisten probte, wie intensiv er sich ihnen widmete und ihnen auf bescheidene Weise sein enormes Wissen und seine Erfahrung vermittelte ohne dabei dogmatisch oder abgeklärt zu wirken, davon kann man sich in dem auch auf DVD erschienenen Dokumentarfilm “Die Zukunft als Vermächtnis – Pierre Boulez und die Lucerne Festival Academy” überzeugen.
Die Autoren Günter Atteln und Angelika Stiehler haben drei Sommer lang die Arbeit von Boulez in Luzern mit der Kamera begleitet und aus einer schier unendlichen Materialfülle ein ca. einstündiges faszinierendes und zum Teil auch anrührendes Porträt von Pierre Boulez als unermüdlichem Lehrer und Vermittler von Neuer Musik destilliert. Die DVD ist bei Euroarts erschienen und sei hier nochmal wärmstens empfohlen.
Die Diskographie von Pierre Boulez ist schier unüberschaubar, es gibt Zyklen mit Werken Strawinskys, Ravels, Bartoks, Schönbergs, Bergs, und Weberns, zahlreiche Aufnahmen mit Werken von Debussy und immer wieder Mahler.
Daneben freilich auch jede Menge Aufnahmen mit Neuer Musik einschließlich der, die Boulez selbst komponiert hat.
Sein Engagement, sein Brennen für die Sache der zeitgenössischen Musik, sein im besten Sinn Sendungsbewußtsein, seine Kraft, Menschen für diese Musik zu begeistern, seine überragende Autorität in Verbindung mit einer wunderbaren Menschenfreundlichkeit werden fehlen. Eine Jahrhundertfigur ist nicht mehr.

Robert Jungwirth
KlassikInfo-Interview mit Pierre Boulez:
„Ich könnte ohne Disziplin nicht leben“
Ein Interview mit Pierre Boulez zu seinem 85. Geburtstag
Michael Haefliger, Intendant des Luzern Festivals, zum Tod von Pierre Boulez:
Abschied von Pierre Boulez (26. März 1925 – 05. Januar 2016)
«Ich bin ein französischer Komponist, Dirigent und Schriftsteller.» So hätte Pierre Boulez sehr wahrscheinlich die Frage nach seinem künstlerischen Tun und Wirken beantwortet – genau auf den Punkt gebracht, ohne Schnörkel und ohne jegliche Form der inszenierten Selbstdarstellung. So haben die meisten von uns «Jüngern» ihn erlebt, gefühlt und gesehen. So wurde er für uns zum großen Vorbild, ja beinahe schon zum «Halbgott». Wir bewunderten sein Tun, seine Ziele, für die er unbeirrbar einstand, egal ob es sich um kleinere oder größere Revolutionen handelte. In der vergangenen Nacht hat er uns verlassen. Wir trauern um einen großen Menschen und Künstler, der dieses Festival unendlich bereichert und geprägt hat.
Mein allererster Eindruck von Pierre Boulez waren seine höchst innovativen Programm- und Konzertformate, als er in den Jahren 1971 bis 1977 das New York Philharmonic leitete. Da standen Bach, Schubert, Liszt, Webern, Berg, Strawinsky und eigene Kompositionen neben- und miteinander in Konzertprogrammen, als wäre dies eine Selbstverständlichkeit. Die scheinbare Buntheit deckte Bezüge auf und motivierte zu neuen Hörerfahrungen, beispielsweise im Format eines «Rug Concert», das heute noch seinesgleichen sucht und den Blick weit in die Zukunft der modernen Konzertvermittlung richtete.
Ja, Pierre Boulez war ein Revolutionär und unerbittlicher Kämpfer, wenn es um seine Ideale und um die Zukunft der Institution «Kunst und Kultur» ging. Sein Text Schoenberg est mort über den Begründer der Zwölftonmusik ist scharfsinnig wie auch erbarmungslos. Dem Opernbetrieb unterstellte er Erstarrung, betrachtete die Führung der Opernhäuser als antiquiert und hätte diese am liebsten in Schutt und Asche gelegt. Dann realisierte er 1976 in Bayreuth mit Patrice Chéreau die wohl legendärste aller Ring-Inszenierungen. Wieder gemeinsam mit ihm entwarf er 1989 ein erstes Konzept für eine «Salle Modulable» für die Opéra Bastille in Paris: einen innovativen, zukunftsweisenden Raum für das Musiktheater, der den Zuschauer- und den Bühnenbereich über frei konfigurierbare Formen miteinander verbinden sollte. Die Realisierung kam damals aus finanziellen Gründen nicht zustande.
In bleibender Erinnerung ist mir der Moment, als mir Pierre Boulez im Januar 2006 in seinem Haus in Baden-Baden die mehrseitige Studie der «Salle Modulable» übergab und mich motivierte, dieses Projekt in Luzern umzusetzen. Diese Motivation hält bis heute an!
Sein Geburtsland Frankreich und vor allem das Zentrum Paris sollten aber zu Pierre Boulez’ wohl bedeutendster Wirkungsstätte werden. Staatspräsident Georges Pompidou höchstpersönlich lud ihn 1969 ein, das IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) zu gründen, das zusammen mit dem Ensemble intercontemporain und der Cité de la musique zum eigentlichen Zentrum seines Wirkens wurde. Im kleinen, spartanisch eingerichteten Büro des IRCAM fand im Dezember 2000 mein erstes Gespräch mit Pierre Boulez zur Gründung der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY statt. Seine Reaktion auf mein Ansinnen war klar und einfach wie immer: «So etwas habe ich mir schon immer gewünscht, kommen Sie im Januar nach Baden-Baden». Und die Pläne entwickelten sich in Windeseile: Schon 2003 fand im Sommer eine sogenannte «Preview» statt; ein Jahr später stand die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY mit 120 Studenten aus der ganzen Welt auf festen Beinen.
Wie für seinen eigenen Lehrer Olivier Messiaen schien auch für Pierre Boulez fortan nichts wichtiger zu sein, als im Rahmen der Academy sein immenses Wissen, seine lebendige Erfahrung, seine großen Ideale an junge, aufstrebende Menschen weiterzugeben. So pilgerten die interessierten Studenten in Scharen nach Luzern und sogen den Boulez-Geist begeistert auf.
Das bis dahin mehrheitlich auf das Veranstalten von herausragenden Konzerterlebnissen fokussierte LUCERNE FESTIVAL erhielt so eine großartige Institution für Orchestererziehung, Kammermusik, Dirigierunterricht und Komponieren mit dem Schwerpunkt auf der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.
Unvergessen bleiben zahlreiche Proben und Konzerte mit dem LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra und den Academy-Kammerensembles, Unterrichtsstunden mit jungen, vielversprechenden Dirigenten und Komponisten. Einzigartige Programme mit Pierre Boulez’ eigenen Werken – von Répons über Le Marteau sans maître, Éclat/Multiples und die Notations – bis hin zu Gruppen von Karlheinz Stockhausen und zahlreichen Uraufführungen kommen mir in den Sinn. Unvergesslich die exemplarischen Aufführungen von Gustav Mahlers Sechster Sinfonie, Alban Bergs Drei Orchesterstücken, Béla Bartóks Der wunderbare Mandarin und Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps.
Eine besondere Sternstunde mit Pierre Boulez erlebte ich am 2. Oktober 2011 in der Londoner Royal Festival Hall mit der Aufführung seines legendären Mallarmé-Zyklus Pli selon pli mit Barbara Hannigan als Solistin und einem Ensemble aus Mitgliedern des Ensemble intercontemporain Paris und der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY: Eindrücklich kam hier die Personalunion des großen Komponisten und Dirigenten zur Geltung.
Bemerkenswert war die freundschaftliche Verbundenheit und Loyalität, die Pierre Boulez mit zahlreichen Institutionen verband. Und auch hier kannte er keine Kompromisse, opportunes Verhalten war ihm fremd. Er stand fest zu Wolfgang Wagner in Bayreuth, als dieser von den Medien und der Politik bereits fallengelassen wurde. Er vermittelte im Sommer 2004 aufopfernd zwischen den Parteien im kontroversen Parsifal von Christoph Schlingensief und ermöglichte somit eine der interessantesten Bayreuther Inszenierungen der letzten Jahre. Als Claudio Abbado 2007 seine Konzerte mit dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA in der New Yorker Carnegie Hall aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, sprang Pierre Boulez innerhalb von vier Tagen ein und begeisterte mit einer umwerfenden Interpretation von Mahlers Dritter Sinfonie. All das spricht für einen der großartigsten Künstler und Menschen unserer Zeit, der seine eigene Persönlichkeit immer in den Dienst des Höheren stellte – für den das, was er tat, stets selbstverständlich war.
Historisch betrachtet, verdankt Luzern die Bekanntschaft mit Pierre Boulez seinem größten Freund und Förderer Paul Sacher. Als Mitglied der damaligen Programmkommission empfahl Sacher bereits in den 1960er Jahren Boulez als Dirigenten. In einem Gesprächskonzert stellte er den Komponisten 1983 dem Luzerner Publikum vor, nachdem Boulez erstmals 1975 mit dem New York Philharmonic in zwei Konzerten hier gastiert hatte.
Lucerne Festival dankt Pierre Boulez für seinen unschätzbaren Beitrag zur Weiterentwicklung eines Festivals, in dessen Herzen das Engagement für die Musikergeneration von morgen und die Musik unserer Zeit eine bestimmende Rolle spielt und spielen wird.
Wenn wir es mit den Worten seines von ihm so verehrten Dichterfreundes René Char ausdrücken, dann hat uns Pierre Boulez viele Träume und viel Unausgesprochenes für die Zukunft hinterlassen – Träume, die es weiterzuträumen und zu realisieren gilt:
«Un poète doit laisser des traces de son passage, non des preuves. Seules les traces font rêver.» René Char
Salzburger Festspiele zum Tod von Pierre Boulez:
„Seit Monaten haben wir uns vor dieser Nachricht gefürchtet. Pierre Boulez ist tot. Die Musikwelt hat einen der ganz Großen verloren. Ohne ihn wäre die Geschichte der Musik seit 1945 eine andere. Und auch in Salzburg hat er als Dirigent und Komponist Festspielgeschichte geschrieben“, so Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.
1960 stand er zum ersten Mal als Dirigent und Komponist auf dem Programmzettel der Festspiele. Herbert von Karajan saß damals im Publikum, als die Kontra-Punkte von Karlheinz Stockhausen und Improvisations sur Mallarmé von Pierre Boulez erklangen. „Abfallprodukte der Musikgeschichte“ höhnte damals die Kritik. Wie aber so oft haben sich nicht die Kritiker, sondern die Komponisten durchgesetzt.
1992, zum Auftakt der Ära Mortier/Landesmann/Wiesmüller gestaltete er als Composer in residence einen Zyklus mit Klassikern des 20. Jahrhunderts: „Der Nenner wäre, wenn ich mich sehr pompös ausdrücke: Ich und die Geschichte, meine Vorgeschichte.“ So erklang im Lehrbauhof als österreichische Erstaufführung Répons. Ein Stück das die auch 2015 im Rahmen eines Boulez Schwerpunktes zum 90. Geburtstag des Komponisten zur Aufführung brachten.
Am 30. August 1992 kam es zu jener denkwürdigen Begegnung mit den Wiener Philharmonikern, die so folgenreich für die Zukunft sein sollte. Boulez leitete von dort an das Orchester regelmäßig nicht nur in Salzburg, sondern auch in Wien, auf Gastspielen und für CD-Aufnahmen. Die Chemie zwischen Boulez und den Wiener Philharmoniker stimmte ab dem ersten Takt. In nicht weniger als sechs überlangen Proben ließen sich die Philharmoniker ins Boulezsche Universum verführen, hingerissen vom Wissen und der Persönlichkeit des Maestros. Der Jubel im Großen Festspielhaus kannte keine Grenzen.
„Es war der Höhepunkt einer Programmstrategie des neuen Festspieldirektoriums, 1996 leitete er die Aufführungen von Arnold Schönbergs Moses und Aron in der Regie von Peter Stein. Seither dirigierte Pierre Boulez regelmäßig Konzerte bei den Salzburger Festspielen.
Boulez galt lange Zeit als Rebell und Enfant terrible, der mit provokanten Äußerungen nicht sparte. „Ich denke, das Neue in der Kunst provoziert immer, muss immer provozieren.“ Als Scherz mit dem ernsten Hintergrund, den Mief des routinierten Repertoiretheaters aus der Oper zu vertreiben, hatte er einst in einem SPIEGEL Interview vorgeschlagen, die „Opernhäuser in die Luft zu sprengen“, als „teuerste Lösung“, aber vielleicht auch die „eleganteste“.
Später, sagte Boulez, er sei froh, dass sie noch stehen. Den Kampf gegen die gefährliche Routine in den Opernhäusern führt er bis zuletzt. Doch längst standen ihm andere Mittel zur Verfügung den Klassikbetrieb in seinem Sinne zu verändern. „Wenn man jung ist, steht man draußen vor der Tür und bellt. Protest ist das einzige Mittel, das einem zur Verfügung steht. Doch nach einer gewissen Zeit habe ich die Möglichkeit erhalten, auch etwas zu realisieren. Das muss man dann auch tun. Ich habe versucht, die Sturheit der Institutionen zu unterwandern und an ihnen das aufzuführen, wofür ich kämpfe: die Musik des 20. Jahrhunderts.“

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