Aufsatzreihe: Zukunft des Musikjournalismus

KlassikInfo thematisiert im Rahmen einer Essayreihe die Zukunft des in die Krise geratenen Musikjournalismus

Wird er noch geschätzt, der öffentliche und kritische Diskurs über Musik, für den es in den Feuilletons immer weniger Raum gibt? Gibt es in Zeiten von Fake-News und Filter-Bubbles noch einen Bedarf für unabhängige und kritische Berichterstattung über Musikereignisse? Welche Bedeutung hat die Vermittlungs-, Navigatoren und Bewertungsfunktion von Musikjournalismus angesichts globaler und digitaler Medien mit ihren Such-, Präsentations- und Kommunikationsmöglichkeiten? Brauchen Konzerte, Opernpremieren, Uraufführungen oder CD-Veröffentlichungen noch eine Vermittlung außerhalb von PR-Journalismus und multimedialem Marketing? Hat Musikjournalismus noch eine Zukunft trotz Etat- und Personalkürzungen in den Redaktionen?

Zu solchen und ähnlichen Fragen haben die Musikjournalisten Robert Jungwirth (KlassikInfo.de) und Dr. Michael Schmidt (Bayerischer Rundfunk) Journalisten und Akteure des Musiklebens wie Intendanten, Dramaturgen, Regisseure, Pressestellenleiter oder Musikwissenschaftler um Texte über Themen rund um die „Zukunft des Musikjournalismus“ gebeten, die im Rahmen einer Essayreihe für das Online-Magazin KlassikInfo.de ab Juli 2018 14-tägig erscheinen werden. Eine zusätzliche Buchausgabe ist angedacht.

Musikjournalismus in der Mehrfach-Krise

Von Robert Jungwirth

Man kann man es schier nicht mehr hören, das Gerede von der Krise. Was steckt nicht alles in der Krise? Die EU, die Parteien, das Vertrauen in die Politik(er), die Gerechtigkeit, der Weltfriede usw., usf. Fast schon verdächtig, wenn etwas nicht in der Krise ist. Was in der Krise steckt, erhält zumindest öffentliche Aufmerksamkeit, darüber wird debattiert, Krisenmanager tun sich hervor, Kümmerer. Die Lage ist dann ernst, aber nicht hoffnungslos.

Doch es gibt auch stille Krisen, um die nicht viel Aufhebens gemacht wird. Das Verschwinden des Musikjournalismus ist eine solche Krise. Auf leisen Sohlen stiehlt er sich sukzessive aus den Feuilletons hinfort. Artikel und Beiträge werden weniger und kürzer, Honorare gekürzt, Journalisten entlassen. Bemerkt das eigentlich jemand außerhalb der Medien? Ist es überhaupt ein Verlust, wenn weniger oder gar nicht mehr über Konzerte und Opernpremieren geschrieben wird?

Über Sinn und Unsinn von Musikjournalismus lässt sich fraglos trefflich streiten. Für die einen sind Musikkritiken Lockendrehen auf Glatzen, für andere bereichernde Information und Orientierungshilfe. Streitbar ist diese Form des Journalismus schon ihrem Wesen nach. Pointierte Meinung und auch subjektive Urteile sind Teil jeder guten Kritik. Die Basis dafür freilich ist musikjournalistische Kompetenz und Unabhängigkeit. Das Gegenteil gibt davon es allerdings auch: wachsweiche Beschreibungen, die Richtung Werbetext tendieren. Manche Verleger mögen das, weil man damit niemandem auf die Füße tritt. Deshalb gibt es auch immer mehr „Porträts“ statt Rezensionen in den Zeitungen und immer mehr „Starpianisten“, „Stardirigenten“ und „Stargeiger“. Doch das ist schon wieder eine andere Krise: die der Mutation von kritischen Journalisten zu Werbetextern. Wunderbar lässt sich das anhand von Beilagen großer Zeitungen studieren. Beliebt sind sie vor allem bei den Verlegern, die mit dieser Form getarnter Werbung gutes Geld verdienen. Und die Journalisten liefern. Was bleibt ihnen auch anderes übrig in diesen Zeiten. Einen kritischen Diskurs über Kunst und Kultur befördern solche Texte kaum.

Die Bedrohungen des Musikjournalismus und der Musikjournalisten sind also vielfältig. Zum einen werden Artikel und Personal dezimiert, zum anderen wird qualitativ abgebaut. Und dann gibt es noch die Konkurrenz von Internetportalen, auf denen Opernfans und Kulturbeflissene so tun, als würden sie Musikjournalismus machen, während sie oberflächliche Elogen und Erbauungsaufsätze abliefern, weil sie gerne mit Pressekarten umsonst in die Oper und ins Konzert gehen. Auch das ist ein Problem für den seriösen Kulturjournalismus, wenn Pressestellen von Theatern und Orchestern kaum mehr unterscheiden zwischen Fanpostillen und anspruchsvollen Medien.

Der amerikanische Musikschriftsteller Alex Ross hat den Niedergang des Musikjournalismus in den USA in einem Artikel für den „New Yorker“ vor einiger Zeit sehr detailliert beschrieben. Elf festangestellte Musikredakteure zählte er noch in den ganzen USA. Auch die bedeutende französische Tageszeitung „Le Monde“ aus Paris hat dem Vernehmen nach keinen Redakteur für Musik mehr. Ist die Zukunft des Musikjournalismus, dass es ihn bald nicht mehr gibt? Es sieht fast so aus.
Auf der anderen Seite existieren heutzutage einige universitäre Einrichtungen, die Musikjournalisten ausbilden – engagiert und mit Niveau.  Wozu werden diese Journalisten ausgebildet, wenn es kaum mehr Stellen gibt und man als freiberuflicher Musikjournalist kaum über den Hartz-IV-Satz hinauskommt?

Der Musikjournalismus steckt in der Krise, respektive in den Krisen. Die Frage ist, ob und wenn ja, wie man sie überwinden kann. Ohne Hilfe von außen wird es kaum gehen. Soviel ist sicher. Zeitungen, Zeitschriften, aber auch Rundfunksender sind immer weniger dazu bereit oder dazu in der Lage, diesen wichtigen Bereich des Journalismus umfassend und auf hohem Niveau anzubieten. Deshalb braucht es dringend Fördermaßnahmen und Fördereinrichtungen, die hochwertigen Musikjournalismus unterstützen!

Aber auch Kultureinrichtungen, wie Opernhäuser, Orchester und Festivals, die kompetenten Journalismus möchten und brauchen, weil er die Öffentlichkeit über ihre Leistungen informiert, sie neugierig macht und eine qualitativ hochstehende kritische Reflexion auch für die Künstler bietet, seien hiermit herzlich dazu eingeladen, Musikjournalismus in welcher Weise auch immer zu unterstützen!
Längst vorbei sind die Zeiten, da „Kritikerpäpste“ wie etwa Joachim Kaiser auf Redaktionskosten durch ganz Europa düsen konnten, um sich wichtige Premieren oder Konzerte anzusehen und anzuhören. Heute gibt es kaum noch Reiseetats in den Redaktionen. Wenn Journalisten in entfernte Städte zu wichtigen Premieren fahren möchten, müssen sie das oft selber finanzieren. Das bedeutet, dass vom Honorar kaum mehr etwas oder gar nichts übrig bleibt. Das aber kann kein Dauerzustand sein und wird es auch nicht, weil kaum jemand einen Beruf ergreifen wird, von dem er nicht leben kann.

Manche Festivals laden Journalisten ein, sind behilflich bei Übernachtungen und Reisekosten. Das ist gut und richtig, allen Unkenrufen, das schade der Unabhängigkeit, zum Trotz. Ein Journalist, der sich durch eine Hotelübernachtung korrumpieren lässt, ist nicht vertrauenswürdig und hat seinen Beruf verfehlt. Wer Maßstäbe zur Bewertung von Kunst hat, wird diese auch behalten, wenn ein Festival ihm eine Übernachtung spendiert. Und wer keine Maßstäbe hat, der wird damit bald unangenehm auffallen.
Kultureinrichtungen sollten aber auch noch auf andere Weise anspruchsvollen Kultur- und Musikjournalismus unterstützen: Sie sollten Klassik-Magazine durch Werbeschaltungen fördern. Das hat gleich mehrere positive Effekte: Theater, Orchester und Festivals bekommen Aufmerksamkeit durch die Werbung, die sie schalten, und sie fördern gleichzeitig jenen Qualitätsjournalismus, den sie sich wünschen und der ihnen öffentliche Aufmerksamkeit sichert. Zeitungen haben sich immer über Werbung finanziert, Internetmagazine kommen ohne Werbung noch weniger aus, weil das Lesen von Artikeln meistens kostenlos ist.

Das Magazin für klassische Musik KlassikInfo.de bemüht sich seit 10 Jahren darum, anspruchsvollen Musikjournalismus anzubieten. Es finanziert sich durch Werbeschaltungen von Theatern, Orchestern, Festivals usw. – mit durchwachsenem Erfolg. Mittlerweile stehen oft Personen den Marketingabteilungen von Kultureinrichtungen vor, die nicht aus der Kultur, sondern von Marketing-Agenturen kommen, in denen es weniger um Inhalte, sondern um Klicks und Social-Media-Präsenz geht. Facebook und Google vereinnahmen 2/3 der weltweiten Ausgaben für Internetwerbung für sich, heißt es. Und das, obwohl sie die Daten ihrer Kunden ausspähen und damit Milliardengewinne machen. Soll man solchen Plattformen, die Inhalte nicht nach Wichtigkeit oder Qualität gewichten, als angesehene Kultureinrichtung überhaupt Vertrauen entgegen bringen? Sollten Kulturinstitutionen nicht besser Medien vertrauen, die vertrauenswürdig sind, weil sie kompetent und unabhängig berichten und so eine anspruchsvolle öffentliche Debatte über Kunst und Kultur überhaupt erst ermöglichen? Likes auf sozialen Medien ersetzen keine ausführliche Premieren- oder Uraufführungsbesprechung, die Werke und ihre Komponisten einordnen, erklären und verantwortungsvoll bewerten. Soziale Medien verunmöglichen eine solch differenzierte Auseiandersetzung mit komplexen Werken und sie berauben Zeitungen und Online-Journale ihrer Einnahmequellen. Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der es keinen oder nur mehr einen sehr eingeschränkten öffentlichen Diskurs über Kunst und Kultur gibt? Zu welcher Verarmung führt das beim Publikum und welche Folgen hat das für Musiker und Künstler – für unser Kulturleben? Kaum einer beschäftigt sich mit Fragen wie diesen, die aber gestellt gehören.

Anspruchsvoller Musikjournalismus vermittelt Wissen und Wertmaßstäbe über eine Kunstform, die in Europa seit Jahrhunderten zum kulturellen Selbstverständnis der Menschen gehört, über eine Kunstform, mit der sich viele Menschen identifizieren, die einen Teil unserer kulturellen Identität ausmacht. Musikjournalismus, wie er in seriösen Zeitungen, Internetmagazinen oder in öffentlich-rechtlichen Kulturprogrammen stattfindet, ist auch wertvolle Kulturvermittlung. Im Fall von KlassikInfo.de ist diese Kulturvermittlung sogar kostenlos für die Leser.

Es stellt sich die Frage, warum wird diese Art der Kulturvermittlung eigentlich nicht öffentlich gefördert? Ist Kulturjournalismus keine Kultur? Doch, er ist es. Er trägt in hohem Maße zu einem lebendigen Kulturleben bei, indem er eine öffentliche Debatte über Kunst und Kultur befördert und somit eine Teilhabe am kulturellen Leben für Leser oder Hörer ermöglicht. Warum wird das nicht anerkannt und gefördert?
Eine öffentliche Journalismusförderung – wie es sie in vielen europäischen Ländern längst gibt – ist auch in Deutschland dringend nötig. Es ist eine dringende Aufgabe von Medienpolitikern, hierzulande ein entsprechendes Fördersystem für anspruchsvollen Print- und Onlinejournalismus voranzubringen. Aber auch Stiftungen sind dazu aufgerufen, Kulturjournalismus mit Stiftungsgeldern zu fördern – und zwar nicht als Strohfeuer, sondern langfristig und nachhaltig. Es gibt schier unzählige Stiftungen für junge Musiker, was ohne Frage ein Segen ist. Warum aber gibt es keine Stiftung, die sich der Förderung des Kulturjournalismus verschreibt? Hier wäre ein wunderbares Tätigkeitsfeld für Stifter, die auf der Suche nach Fördermöglichkeiten sind…

All das gibt es bislang also nicht und all das wäre nötig, um dieser Form des Journalismus das Überleben zu sichern. Noch existieren Strukturen, noch gibt es fähige Musikjournalisten und engagierte Medien – noch. Es ist höchste Zeit, jetzt Fördermaßnahmen in die Wege zu leiten, um dieses Angebot zu erhalten. Die Lage ist ernst, hoffnungslos ist sie noch nicht.

Robert Jungwirth hat Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaften in München studiert. Er war Musikredakteur beim Münchner Merkur bevor er als Autor und Moderator zum Hörfunk des Bayerischen Rundfunks wechselte. Außerdem war und ist er für andere ARD-Hörfunksender sowie für Zeitungen und Zeitschriften tätig. 2007 gründete er das Online-Magazin für klassische Musik KlassikInfo.de.

Musikjournalismus und multimediale Musikvermittlung

Von Michael Schmidt

Musik als Klangspiel oder Klangrede, zur Unterhaltung oder in einer Funktion. Musik als Abbild kosmischer Ordnung, emotionaler oder gesellschaftlicher Zustände, als Mittel zur Beruhigung oder Berauschung. Musik kann so viele Bedeutungen haben und vieles von ihrem in Jahrhunderten gewachsenen Formenreichtum ist für uns mehr als Geschichte. Wir schätzen nach wie vor, was uns Musik an eigenen Erfahrungen, Erkenntnissen und Beglückungen beschert, die es nirgendwo anders zu haben gibt. Trotz ihres heute so oft betonten sozialen und pädagogischen Nutzens beschäftigen sich Menschen mit Musik, ohne dabei an ihre möglicherweise steigende Intelligenz oder Teamfähigkeit in Schule und Beruf zu denken. Eine ausschließliche Betonung des Musik-Erlebnisses nach dem ebenfalls trendigen Motto „gute Musik braucht keinen Diskurs und keine Vermittlung“ reduziert das Musikverstehen allerdings auf die rein sinnliche Dimension.

Frei nach Kant bleibt ein Erlebnis ohne Begriff blind und ein Begriff ohne Erfahrung leer. Ohne ein begriffliches Musikverstehen verharrt das Musikerlebnis in der Blase unbewusster Subjektivität. Es entbehrt der Dimension einer öffentlichen und kritischen Auseinandersetzung. Dafür aber braucht es heute und in Zukunft einen kompetenten, engagierten und in allen Kulturmedien präsenten Musikjournalismus. Der kanadische Medienphilosoph Marshall Mc Luhan hatte in seiner visionären Studie „Understanding Media“ schon Anfang der 1960er Jahre vorausgesagt: „Der Mensch als Nahrungssammler tritt wieder als Informationssammler auf. In dieser Rolle ist der moderne Mensch nicht weniger Nomade als seine steinzeitlichen Ahnen.“ Diese Vision ist im globalen Maßstab Wirklichkeit geworden. Der nach musikalischer Nahrung suchende Mediennomade benötigt Orientierungshilfen. Hier wächst besonders den großen Zeitungen, musikjournalistischen Onlineportalen wie KlassikInfo sowie öffentlich-rechtlichen Programmangeboten wie BR-KLASSIK eine wichtige Rolle zu. Sie übernehmen nicht nur die Funktion unabhängiger Navigatoren im uferlosen Angebotsmeer, sondern haben das Potential eines glaubwürdigen Vermittlungs- und Meinungsforums. Inhaltliche Qualität und Glaubwürdigkeit, die Fähigkeit zur fundierten Darstellung sind übrigens nicht nur für das kleiner werdende Feld des Musikjournalismus von zentraler Bedeutung, sondern auch für eine nachhaltige Akzeptanz der wachsenden Education- oder Marketing-Bereiche von Musikinstitutionen wie Orchestern.

Eine qualitätsorientierte, unabhängige und kritische Darstellung sollte für Musikjournalismus in jedem Medium, sei es gedruckt oder audiovisuell, linear oder online die oberste Maxime sein. Allerdings hat jede Medienform ihre eigenen Kompositions- und Rezeptionseigenschaften, gehören das „Was“ und das „Wie“ auch bei der multimedialen Vermittlung von Musik zusammen. Dabei sollten vertiefende Darstellungen für Kenner sowie populäre für Einsteiger nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie ergänzen sich und sind aufeinander angewiesen. Denn gerade bei klassischer oder anspruchsvoller Musik führt ein Verlust an musikalischer Breitenbildung zu einem Verlust von Akzeptanz und Verständnis. Gefragt ist eine multimediale Musikvermittlung, die nicht nur für Spezialisten interessant ist. Dazu gehören beispielsweise attraktive, audiovisuell veranschaulichte Komponisten- oder Interpreten-Porträts, Berichte über das Musikleben oder Interpretationsvergleiche. Diese lassen sich über das Radio linear verbreiten oder online als Podcasts orts- und zeitunabhängig verfügbar machen. Größere Audio- oder Videoformate können durch variable Längen oder Sprungmarken stärker an die Nutzerbedürfnisse angepasst werden, damit sie online rezipierbar sind. Angesichts der immer stärker wachsenden mobilen Mediennutzung, scheinen eigens produzierte WebOnly-Audiopodcasts für musikvermittelnde und musikjournalistische Themen ebenfalls eine Zukunft zu haben. Eine unbegrenzte Verweildauer solcher Beiträge im Internet ermöglicht die Entstehung multimedialer Enzyklopädien des Musikwissens wie des Diskurses über Musik.

Als vielversprechend für das Musikverstehen wie für den Musikjournalismus erweisen sich zudem die Kommunikationsmöglichkeiten im Online-Bereich. Interaktivität war ja schon lange vor Beginn des Multimedia-Zeitalters eine wesentliche Forderung der Radiotheorie Bert Brechts gewesen. Er konzipierte das Radio nicht nur als Verbreitungs- sondern auch als Kommunikationsmedium. Die Digitaltechnik und das Internet machen Interaktivitäten in der Medienlandschaft in zuvor nie gekanntem Ausmaß möglich. Diese erschöpfen sich nicht in den immer stärker verfeinerten und individualisierten Formen des Zugriffs auf Medienangebote wie das kommerzielle Musikstreaming bei Spotify, sondern erlauben die Entwicklung von Plattformen des Austauschs und Diskurses. Eine vernetzte multimediale Musikredaktion kann im Dialog mit den Nutzern etwa über Facebook oder Twitter für jedes Musikthema – seien es aktuelle journalistische Berichte oder vertiefende Dossiers – das passende Format finden. Nicht zuletzt dank praxisorientierter Studiengänge wie dem „Lernradio“ der Karlsruher Musikhochschule oder dem Lehrangebot „Musikjournalismus im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk“ der Münchner Musikhochschule verfügen viele Multimedia-Musikvermittler heute sowohl über eine solide musikalische und journalistische Ausbildung als auch über die technischen und gestalterischen Fähigkeiten, Musikthemen multimedial aufzubereiten. Sie können je nach Themen- und Materiallage entscheiden, welche Inhalte in welcher Medienform dargestellt werden – als Text, Audio, Bild oder Video.

Gegenüber globalen Medienkonzernen wie Apple und Amazon, für die Musik primär ein Wirtschaftsgut ist und auch gegenüber der wachsenden medialen Selbstpräsentation und -vermarktung von Musikern, Opernhäusern oder Festivals, haben gerade nicht-kommerzielle und öffentlich-rechtliche Kulturmedien die Aufgabe, das kulturelle Allgemeingut Musik unabhängig und frei zugänglich zu vermitteln. Darüber hinaus sollten sie ein Gegengewicht zu dem auch im Musikbereich um sich greifenden Trend zu oberflächlich-reißerischer Boulevardisierung bilden und sich primär an inhaltlicher Qualität orientieren.

Michael Schmidt studierte Klavier, Musikwissenschaft, Philosophie und Geschichte. Er promovierte über Alexander Skrjabin und ist Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk sowie Professor für multimediale Musikvermittlung an der Hochschule für Musik und Theater in München.

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