Zauberflöte

Papageno auf dem zweiten Bildungsweg

Schreiten, stehen, gehen – edle Einfalt dominiert diese „Zauberflöte“ Foto: W. Hösl

August Everdings uralt-Inszenierung der "Zauberflöte" feiert in einer ansprechenden Besetzung mit Daniel Behle, Erika Mikosa, Christian Gerhaher und Georg Zeppenfeld an der Bayerischen Staatsoper Auferstehung

(München, 28. Dezember 2011) Neben der Verpflichtung Neues aufzuführen und Klassiker zeitgemäß und spannend zu interpretieren gibt es für subventionierte Theater offensichtlich auch so etwas wie eine Verpflichtung, bestimmte Werke zu bestimmten Zeiten im Jahr zu präsentieren. Die "Fledermaus" zu Sylvester ist so ein Fall, "Hänsel und Gretel" rund um Weihnachten oder auch die "Zauberflöte", ebenfalls gerne zur Weihnachtszeit, obwohl Mozarts Oper natürlich übers ganze Jahr hinweg "Konjunktur" hat. Die Bayerische Staatsoper hat die "Zauberflöte" in einer neuen Besetzung in der (ur-)alten Inszenierung von August Everding jetzt zwischen Weihnachten und Neujahr aufs Programm gesetzt. Sehr zur Freude der Familien, die scharenweise in die Aufführungen strömen. Und das, obwohl Mozarts Oper wie viele (andere) Märchen auch nicht wirklich ein "Kinderstück" ist. Aus der Wiener Volkstheatertradition stammend, bietet die Handlung ein eher schwer zu durchdringendes Konglomerat aus Märchen, Mythen, Freimaurer- und Aufklärungsideen. Wer oder was böse oder gut ist, ist nicht ohne weiteres zu beantworten – es bleiben mehr Fragen offen als Antworten gegeben werden. Aber immerhin ist das Happy End gesichert. Und das bugsiert jede Aufführung in den sicheren Hafen allseitigen Publikumsjubels – und natürlich auch die herzerwärmende, anrührende Musik, die mit oder ohne Worte für das Gute im Menschen wirbt…

Ein wunderbarer Anwalt dieser Humanität in Mozarts Musik ist der Tenor Daniel Behle, der den Tamino bereits in der Gesamtaufnahme von Rene Jacobs gesungen und dafür viel Lob erhalten hat. Behles klangschöner, präzise geführter, leicht abgedunkelter Tenor zeichnet sich durch Wärme und Strahlkraft aus, Diktion und Phrasierung sind geradezu beispielhaft. Selbst ein Christian Gerhaher, der in München als Papageno zu erleben ist, kann mit dieser Mozartperfektion nicht ganz mithalten. Bei Gerhaher merkt man manchmal, dass er mit der Lieddiktion Oper singen will – und das funktioniert nicht wirklich. Da geht doch leider manches etwas unter. Zu subtil sollte ein Papageno ohnehin nicht daherkommen, sonst wirkt er, als er sei schon auf dem zweiten Bildungsweg. Dabei ist er in der "Zauberflöte" doch erstmal auf dem ersten unterwegs.

Während die Pamina von Julia Kleiter etwas zu viele Höhen in der Stimme hat, um rundweg zu überzeugen und die Partie auch emotional in der "Tiefe" auszuloten, bleibt Georg Zeppenfeld als kernig-balsamischer Sarastro ohne Fehl und Tadel. Eine sehr ansprechende Leistung bietet auch Erika Miklosa als Königin der Nacht – sie lässt sich erst gar nicht auf das gemäßigte Tempo des Dirigenten ein, sondern prescht auch in der Rachearie mutig und sicher vorwärts: überzeugend in der Höhe und präzise. Asher Fisch am Pult bemüht sich zwar um Konturen, bleibt aber insgesamt doch zu pauschal und unflexibel. Vor allem agogisch könnte und müsste er viel mehr aus der Partitur herausholen, damit sein Dirigat mehr als nur respektabel genannt werden könnte.
Aber eigentlich müsste eine solche Serie – zumal zu einer so prominenten Zeit – natürlich ohnehin der heimische GMD als Pflichtveranstaltung dirigieren. Doch die Zeiten scheinen vorbei zu sein, da sich GMDs in München zu so etwas verpflichtet fühlten…

Robert Jungwirth

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