Zar Saltan

Die Hummel bringt den Wandel

Gruppenbild mit Hummel Foto: Hermann Posch

Die selten gespielte Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ von Nikolai Rimsky-Korsakow am Münchner Gärtnerplatztheater

(München, 20. Dezember 2008) Endlich sieht man zum berühmten Hummelflug von Nikolai Rimsky-Korsakow tatsächlich einmal eine Hummel fliegen. Etwa zwei Meter ist sie groß und fast genauso breit, eine riesige pelzige gelb-grüne Kugel – aus der zwei kurzen Beinchen ragen. Auf diesen hüpft das Tierchen wie wild über die Bühne des Münchner Gärtnerplatztheaters.
Es gibt sie also wirklich die Hummel zum Hummelflug. In Rimsky-Korsakows Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ spielt sie sogar eine nicht unwesentliche Rolle. Immerhin führt sie die Wende in der Handlung herbei, indem sie die Entourage des grausamen Zaren Saltan gehörig sticht, und der Zar nach weiteren Rückschlägen sein Leben bereut und die von ihm verstoßene Zarin nebst Zarensohn wieder reumütig in seine Arme schließt. Obendrein bekommt der Zarensohn auch noch die Prinzessin Schwan zur Frau.

1899 hat Rimsky-Korsakow das „Märchen vom Zaren Saltan“ nach einem von Puschkin bearbeiteten alten russischen Sagenstoff komponiert. Vieles in der Musik erinnert an Wagner, vor allem die flirrenden Klänge des „Rheingold“ werden zur Illustration von Wasser bemüht, daneben gibt es viel Volkslied- oder Kinderliedhaftes. Regisseurin Beverly Blankenship, Bühnenbildnerin Marianne Hollenstein und Kostümbildnerin Susanne Hubrich gelingt es in ihrer phantasievollen Inszenierung, optisch überaus ansprechende und originelle Ideen zu entwickeln, bishin zu den Wasserspielen in einem riesigen, sich über die gesamte Bühnenbreite ziehenden Wassergraben – am Ende fragt man sich aber dennoch, ob der Ertrag den Aufwand wirklich lohnt. Denn das Stück ist kein wirklich großer Wurf, was sowohl an dem selbst für ein Märchen arg verqueren Text als auch an der heterogenen, gewissermaßen immer wieder neu ansetzenden Musik liegt.
Das Sängerensemble, allen voran Sandra Moon als Zarin, Gregor Dalal als Zar und Tilmann Unger als Prinz agiert jedenfalls auf hohem musikalischen Niveau. Und vor allem David Stahl am Pult des Gärtnerplatztheater Orchesters widmet sich mit Feuereifer den klanglichen Eigenheiten und auch Schönheiten von Rimsky-Korsakows Partitur – ebenso wie der in diesem Stück viel beschäftigte Chor. Ein Weihnachtsmärchen der etwas anderen Art also an Münchens zweiten Opernhaus, das sich unter seinem Intendanten Ulrich Peters nach der Uraufführung von E.T.A. Hoffmanns „Liebe und Eifersucht“ und jetzt diesem abgelegenen Werk ganz offensichtlich als Bühne für Unbekanntes und Vergessenes profilieren will.
Robert Jungwirth

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