Meldungen

Michel van der Aa erhält Johannes Vermeer Preis 2015

Michel van der Aa (geb. 1970) erhält den niederländischen Staatspreis für die Schönen Künste 2015, den Johannes Vermeer Award. Die Auszeichnung ist mit 100.000 EUR dotiert und wird seit 2009 jährlich an herausragende, in den Niederlanden tätige Künstler aller Sparten verliehen. Zu den bisherigen...

Ivor Bolton wird neuer Chefdirigent des Orchesters Basel

Das Sinfonieorchester Basel hat Ivor Bolton zu seinem neuen Musikdirektor und Chefdirigenten gewählt. Von Beginn der Konzertsaison 2016/17 wird der britische Dirigent an der Spitze des Orchesters stehen. Bolton erhält einen Vierjahresvertrag, der bis Ende der Spielzeit 2019/2020 dauert. Der...

Na also: Thielemann bekommt doch noch einen neuen Chefposten

Nachdem er bei den Berliner Philharmonikern in der vergangenen Woche leer ausging, hat der Dirigent Christian Thielemann nun doch noch einen schönen neuen Chefposten erhalten: Er wurde jetzt zum Musikdirektor der Bayreuther Festspiele ernannt. Einen Musikdirektor gab es in Bayreuth noch nie,...

Bayreuth in Turbulenzen: Anja Kampe sagt Isolde ab

Nach der Umbesetzung der Partie des Siegfried im "Ring" und einem angeblichen "Hausverbot" für die Noch-Mitintendantin Eva Wagner-Pasquier während der Proben zum "Tristan" folgt jetzt ein weiterer Paukenschlag bei den Bayreuther Festspielen: Knapp vier Wochen vor der...

Lang Lang unterrichtet Nachwuchspianisten beim Allianz Junior Music Camp 2015

Vom 18. bis 24. November 2015 lädt die Lang Lang International Music Foundation (LLIMF) zum dritten Allianz Junior Music Camp in den Musikverein nach Wien ein. Dieses einwöchige, von der LLIMF entwickelte Förderprogramm richtet sich an Nachwuchspianisten, die die Möglichkeit bekommen, mit dem...

Macbeth in Heidenheim

Höhepunkt der Opernfestpiele Heidenheim in diesem Jahr ist die Open-Air-Opernproduktion von  Verdis Oper "Macbeth" vor der eindrucksvollen Kulisse der Burgruine Schloss Hellenstein, passend zum Festivalmotto MACHTSPIELE . "Das Streben nach Macht liegt in der Natur des Menschen...

Dmitri Hvorostovsky sagt alle Auftritte ab

Der russische Bariton Dmitri Hvorostovsky hat alle weiteren Auftritte abgesagt, nachdem bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert wurde. Das melden russische Medien. Der Sänger habe heute aus diesem Grund alle für diesen Sommer geplanten Auftritte abgesagt, darunter auch das für diesen Samstag in...

Bayerns Kunstminister Spaenle bietet Petrenko eine Vertragsverlängerung an der Staatsoper in München über das Jahr 2018 hinaus an

Nach dem Ruf aus Berlin von den Philharmonikern melden sich nun auch die Bayern zu Wort mit einer Offerte, die den scheidenden GMD der Bayerischen Staatsoper Kirill Petrenko doch noch in München halten soll. So hat Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle Petrenko eine Vertragsverlängerung über das...

Kirill Petrenko wird neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker

Kirill Petrenko wurde gestern im Rahmen einer Orchesterversammlung mit großer Mehrheit von den Mitgliedern der Berliner Philharmoniker zum designierten neuen Chefdirigenten des Orchesters und Künstlerischen Leiter der Stiftung Berliner  Philharmoniker gewählt. Er folgt damit auf Sir Simon...

Die Gewinner des ersten Fellowship Noted Innovation stehen fest

Der Jugendworkshop "Young Music Lab" und der Künstlermanager Johanes Weidner sind die ersten Preiseträger des neu gegründeten Noted Innovation Fellowship. Das in Berlin ansässige "Young Music Lab" ist ein Jugendworkshop für Schüler zwischen 12 und 17 Jahren mit...

Internationale Orgelwoche Nürnberg startet am 19. Juni mit Bachs Johannes-Passion

Am Freitag, 19. Juni, beginnt die ION – Internationale Orgelwoche Nürnberg mit der Johannes-Passion von J.S. Bach mit dem „Orchestra in Residence“ Concerto Köln und dem Chor des Bayerischen Rundfunks. Am Samstag, 20. Juni, erklingen Anton Bruckners 9. Sinfonie und sein Te Deum. Am Pult der...

Der amerikanische Pianist Andrew Tyson ist Gewinner des Concours Géza Anda 2015

Der 1. Preis des Concours Géza Anda 2015 wurde nach dem Schlusskonzert gestern Abend in Zürich mit dem renommierten Tonhalle-Orchester unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens dem gebürtigen Amerikaner Andrew Tyson (geb. 1986, USA) verliehen. Er konnte sich an diesem Abend über insgesamt drei...

Matthias Schulz wird 2018 Jürgen Flimm als Intendant der Berliner Staatsoper beerben

Matthias Schulz wird 2018 Nachfolger von Jürgen Flimm als Intendant der Berliner Staatsoper. Der aus Bayern stammende Schulz, der Klavier und Volkswirtschaft in München und Salzburg studierte, leitet seit 2012 die Salzburger Stiftung Mozarteum mit ihrem sehr engagierten Konzertprogramm, davor war...

Kein Beethoven-Festspielhaus in Bonn

Das geplante Beethoven-Festspielhaus in Bonn steht vor dem Aus. Die Deutsche Post DHL, die das Projekt finanziell unterstützen wollte, gab jetzt ihren Ausstieg bekannt. Grund sei der „fehlende Schulterschluss“ mit der Stadt Bonn. Wörtlich sagte Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post...

Diskussion über Medienförderung in der Schweiz

Als Ergebnis der Abstimmung über die Einführung einer Rundfunkabgabe in der Schweiz, die am Sonntag mit einem denkbar knappen Ergebnis pro Abgabe ausgegangen ist, wird in dem Land nun verstärkt über Aufgaben und Pflichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert. Ähnlich wie in Deutschland...

Semifinale des Geza-Anda-Wettbewerbs 2015 heute Abend in Zürich und per Live-Stream im Internet

Beim gerade in Zürich stattfindenden Klavierwettbewerb Geza Anda werden heute Abend die Semifinalisten bekannt gegeben. Ab sofort sind die letzten Runden auch über Live-Stream im Internet weltweit zu verfolgen: http://www.geza-anda.ch In der internationalen...

Daniel Harding wird Chef des Orchestre de Paris

Der britische Dirigent Daniel Harding soll ab im Herbst 2016 Musikalischer Leiter des Orchestre de Paris werden. Das meldet die Zeitung "The Times". Er folgt auf Paavo Järvi, der das Orchester seit 2010 leitet.
Daniel Harding, 1975 in Oxford geboren, hat sich nach Assistenzen bei...

Merkel gratuliert Nike Wagner zum 70. Geburtstag - eine Empfehlung für Bayreuth?

Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland nahmen den 70. Geburtstag von Nike Wagner, Intendantin des Beethovenfestes Bonn, zum Anlass, ihr Glückwünsche zu überbringen. Darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die schrieb: "Sie zählen zu den profiliertesten Persönlichkeiten des deutschen...

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Armut ist erblich

Die Wozzeck-Welt, wie Anna Viebrock sie in Paris sieht. Bild: Ruth Walz/Opéra Nationale de Paris

Christoph Marthaler inszeniert Alban Bergs "Wozzeck" als Sozialstudie in Paris, Sylvain Cambreling dirigiert

(Paris, 29. März 2008) Es ist eine Welt ohne Hoffnung, in der der gute Mensch Wozzeck - umstellt von allerhand zwielichtigen Gestalten - ums Überleben kämpft. Vom Hauptmann wird er drangsaliert, vom Doktor als Versuchskaninchen missbraucht. Schließlich betrügt ihn seine Frau Marie mit einem Offizier.
Noch seine Verzweiflung, den schleichenden Wahnsinn, der sich seiner bemächtigt, macht sich der Doktor nutzbar und freut sich über das gelungene Exmperiment: "Er hat eine schöne fixe Idee, eine köstliche Aberratio mentalis partialis."
Dieser Wozzeck ist ganz unten angelangt, ohne Mindestlohn und ohne Hartz IV. Christoph Marthaler lässt ihn in seiner Pariser Inszenierung in einem billigen Vergnügungszelt arbeiten, mit Plastikplanen als Wände und lustigen Papierlampions, die von der Decke hängen. Er serviert und räumt die Tische ab, rasiert den Hauptmann. Die gesamte Handlung spielt an diesem Ort. Die Bühne hat wie immer Anna Viebrock entworfen. Im Hintergrund spielen Kinder in einer Hüpfburg - auch Wozzecks Kind ist darunter. Am Ende des Stücks wird es ohne Eltern sein. Da hilft auch keine Hüpfburg mehr.  

Simon Keenlyside und Angela Denoke Foto: R. Walz/ Opéra national de Paris

Simon Keenlyside singt und spielt die Demütigungen und Erniedrigungen, die diesem Wozzeck widerfahren, mit geradezu erschütternder Eindringlichkeit. Je auswegloser seine Lage wird, desto hektischer räumt er die Tische ab, desto verschwitzter ist sein Hemd, desto jämmerlicher seine Erscheinung. Marthalers Psychorealismus macht ihn zu einem Mahnmal der geknechteten menschlichen Kreatur. Die Aktualität der Kostüme lässt keinen Zweifel daran, dass Marthaler und Viebrock sich diesen Wozzeck als gegenwärtige Figur vorstellen. Im Lauf der Handlung fällt Wozzeck mehr und mehr in sich zusammen - bis er am Ende an einer Wand kauert und nur mehr Mord und Selbstmord seine Gedanken beherrschen. Ganz zum Schluß wird auch sein Kind genau an dieser Stelle stehen.
Musikalisch ist die Aufführung von ebensolcher Intensität. Wobei Sylvain Cambreling am Pult des Opernorchesters die Partitur immer wieder mit der großen Opern-Geste des 19. Jahrhunderts auflädt. Angela Denoke gibt stimmlich souverän die Marie geradezu als Verismo-Heroine, während Roland Bracht als Doktor und Gerhard Siegel als Hauptmann beissende Karrikaturen veranschaulichen - gesanglich und deklamatorisch überragend. Jon Villars als brutal-viriler Tambourmajor ist ein Testosteron-Vulkan, der nicht lange fackelt und die Hose öffnet, wo sich eine Gelegenheit dazu bietet. Marie wird nicht verführt, sie wird einfach niedergeworfen.
"Moral ist, wenn man moralisch ist", weiß der Hauptman. "Ja, wenn ich ein Herr wär', und hätt' einen Hut und eine Uhr und ein Augenglas und könnt' vornehm reden, ich wollte schon tugendhaft sein!", antwortet ihm Wozzeck.
Robert Jungwirth

Weitere Aufführungen: 1., 7., 10., 13., 16. und 19. April
www.operadeparis.fr