Meldungen

Bayerische Staatsoper ist der große Gewinner der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt

Die Bayerische Staatsoper ist der große Gewinner der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" unter fünfzig unabhängigen Musikkritikern in Europa und den USA. Das Theater wurde zum Opernhaus des Jahres 2014 gewählt, ihr GMD Kirill Petrenko zum Dirigenten des Jahres, das...

Milica Djordjević erhält Belmont-Preis

Die Komponistin serbische Milica Djordjević erhält den mit 20.000 € dotierten Belmont-Preis 2015 für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung. Mit ihr wird eine junge Komponistin ausgezeichnet, deren künstlerische Entwicklung und Karriere die Stiftung seit nunmehr drei Jahren...

Künstler und Kunstermöglicher: Markus Hinterhäuser erhält Musikpreis des Heidelberger Frühling

Der österreichische Pianist und Kulturmanager Markus Hinterhäuser erhält den mit 10.000 Euro dotierten Musikpreis des Heidelberger Frühling 2015. Das gleichnamige Musikfestival vergibt die Auszeichnung jährlich im Wechsel an einen Kulturschaffenden oder einen Kulturjournalisten, der sich...

Christopher Hogwood gestorben

Als Gründer und Leiter der Academy of Ancient Music war der Dirigent Christopher Hogwood einer der wichtigsten Vertreter der historische Aufführungspraxis. Jetzt ist Hogwood im Alter von 73 Jahren in Cambridge gestorben.
Hogwoods Aufnahmen gehören zum Besten, was diese Richtung der...

Die Carl Bechstein Stiftung stiftet Klaviere für Schulen

In Berlins Schulen wird verstärkt Klavier gespielt, nachdem die Carl Bechstein Stiftung im vergangenen Jahr allein 40 Klaviere in Schulen der Hauptstadt aufgestellt hat – in diesen Tagen werden weitere ausgeliefert. Die Förderung des Klavierspiels ist Zweck der noch jungen Stiftung, die ihr...

Muti verlässt die Oper Rom

Riccardo Muti gibt sein Amt als Erster Dirigent der römischen Oper auf. Der 73-jährige italienische Dirigent hatte den Posten sechs Jahr inne und während dieser Zeit versucht, dem finanziell angeschlagenen Haus wieder ein künstlerisches Profil zu geben. Muti zieht sich Presseberichten zufolge auch...

Deutscher Musikrat: Freihandelsabkommen bedroht deutsche Kulturförderung

Neben den internationalen TTIP und CETA stellt vor allem das „Trade in Services Agreement“ (Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen; kurz TISA) eine Bedrohung für das Kulturleben in Deutschland dar. Ziel des Abkommens ist der Abbau von Handelshemmnissen im Dienstleistungssektor. Der...

Gefahr für die Freiheit der Kunst: Deutscher Bühnenverein protestiert gegen Berufung von Tibor Navracsics zum EU-Kommissar für Kultur

Den Vorschlag von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, den jetzigen ungarischen Außenminister Tibor Navracsics zum EU-Kommissar für Bildung, Jugend, Kultur und Bürgergesellschaft zu berufen, stößt beim Deutschen Bühnenverein auf scharfe Ablehnung. „Es kann nicht sein, dass ein Politiker wie...

Krise an der Wiener Staatsoper weitet sich aus: Auch de Billy zieht sich als Dirigent zurück

Nach der Kündigung von Franz Welser-Möst als Musikdirektor der Wiener Staatsoper in der vergangenen Woche hat nun auch der Dirigent Betrand de Billy bekanntgegeben, an dem Haus künftig nicht mehr arbeiten zu wollen. Als Grund nannte de Billy den Direktor Dominique Meyer, dem er "Unehrlichkeit...

Appell von Gidon Kremer zur Ukraine-Krise: Menschliche Werte stehen auf dem Spiel

Im Vorfeld seines Dresdner Konzerts unter dem Titel "Mein Russland" veröffentlichte der Geiger Gidon Kremer einen Appell, mit dem er auf die Gefahren von Ignoranz und Tatenlosigkeit im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise aufmerksam machen möchte. Loyalität dem eigenen Land gegenüber könne...

Beim 17. Beijing Music Festival steht Richard Strauss im Zentrum

Das Beijing Music Festival steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des 150. Geburtstags von Richard Strauss. Von 9. bis zum 31. Oktober präsentiert das Festival unter anderem die Münchner Philharmoniker unter Andris Poga (am 9.10. mit Eine Alpensinfonie op. 64 und am 10.10. Don Juan op. 20, Till...

Zwei erste Preise beim ARD-Musikwettbewerb 2014

Die Preisträger des 63. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD stehen fest. Insgesamt wurden zwei erste, vier zweite sowie sechs dritte Preise vergeben.
Einen ersten Preis gab es im Fach Cello. Der Ungar István Várdai überzeugte die Jury mit seiner Interpretation von Antonín Dvořáks...

Hengelbrock verlängert beim NDR Sinfonieorchester

Thomas Hengelbrock bleibt Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters. Er hat seinen bis 2016 laufenden Vertrag um weitere drei Jahre bis 2019 verlängert.
Hengelbrock und NDR Intendant Lutz Marmor unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung am 11. September, einen Tag vor der Saisoneröffnung...

Die Berliner Philharmoniker live im Unterricht

Einmal ein Konzert der Berliner Philharmoniker live erleben – für viele Tausend Schüler und Studenten geht dieser Wunsch seit 2012 in Erfüllung. Im Rahmen der Initiative EXPLORE CLASSICAL MUSIC! vergibt die Deutsche Bank pro Jahr 500 kostenfreie Jahreslizenzen für die Digital Concert Hall an...

Trifonov, Klieser, Devieilhe und Yang sind die ECHO Nachwuchskünstler des Jahres

Der Pianist Daniil Trifonov, der Hornist Felix Klieser, die Sopranistin Sabine Devieilhe und die Violinistin Tianwa Yang sind die diesjährigen Preisträger des ECHO Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler/-in des Jahres“. Der ECHO Klassik wird von der Deutschen Phono-Akademie – das...

Kein Schmäh: Welser-Möst wirft an der Wiener Staatsoper hin

Der musikalische Direktor der Wiener Staatsoper Franz Welser-Möst hat mit sofortiger Wirkung seinen Rückzug von seinem Posten bekannt gegeben. Als Grund nannte der Dirigent unüberwindliche künstlerische Differenzen mit dem Intendanten der Staatsoper Dominique Meyer. Wohl schon länger gab es...

Nominierungen für Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2014 stehen fest

Am 08. November 2014 wird der Deutsche Theaterpreis DER FAUST zum neunten Mal verliehen. In diesem Jahr findet die Vergabe in der Hamburgischen Staatsoper statt. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeit wegweisend für das deutsche Theater ist. DER FAUST ist ein nationaler,...

Götz-Friedrich-Preis an Yuval Sharon

Der Götz-Friedrich-Preis für die beste Opernaufführung der Spielzeit 2013/14 geht an Yuval Sharon für seine Inszenierung von John Adams Oper "Doctor Atomic" am Staatstheater Karlsruhe. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Den mit 2500 Euro dotierten Studio-Preis erhält Béatrice Lachaussée...

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Armut ist erblich

Die Wozzeck-Welt, wie Anna Viebrock sie in Paris sieht. Bild: Ruth Walz/Opéra Nationale de Paris

Christoph Marthaler inszeniert Alban Bergs "Wozzeck" als Sozialstudie in Paris, Sylvain Cambreling dirigiert

(Paris, 29. März 2008) Es ist eine Welt ohne Hoffnung, in der der gute Mensch Wozzeck - umstellt von allerhand zwielichtigen Gestalten - ums Überleben kämpft. Vom Hauptmann wird er drangsaliert, vom Doktor als Versuchskaninchen missbraucht. Schließlich betrügt ihn seine Frau Marie mit einem Offizier.
Noch seine Verzweiflung, den schleichenden Wahnsinn, der sich seiner bemächtigt, macht sich der Doktor nutzbar und freut sich über das gelungene Exmperiment: "Er hat eine schöne fixe Idee, eine köstliche Aberratio mentalis partialis."
Dieser Wozzeck ist ganz unten angelangt, ohne Mindestlohn und ohne Hartz IV. Christoph Marthaler lässt ihn in seiner Pariser Inszenierung in einem billigen Vergnügungszelt arbeiten, mit Plastikplanen als Wände und lustigen Papierlampions, die von der Decke hängen. Er serviert und räumt die Tische ab, rasiert den Hauptmann. Die gesamte Handlung spielt an diesem Ort. Die Bühne hat wie immer Anna Viebrock entworfen. Im Hintergrund spielen Kinder in einer Hüpfburg - auch Wozzecks Kind ist darunter. Am Ende des Stücks wird es ohne Eltern sein. Da hilft auch keine Hüpfburg mehr.  

Simon Keenlyside und Angela Denoke Foto: R. Walz/ Opéra national de Paris

Simon Keenlyside singt und spielt die Demütigungen und Erniedrigungen, die diesem Wozzeck widerfahren, mit geradezu erschütternder Eindringlichkeit. Je auswegloser seine Lage wird, desto hektischer räumt er die Tische ab, desto verschwitzter ist sein Hemd, desto jämmerlicher seine Erscheinung. Marthalers Psychorealismus macht ihn zu einem Mahnmal der geknechteten menschlichen Kreatur. Die Aktualität der Kostüme lässt keinen Zweifel daran, dass Marthaler und Viebrock sich diesen Wozzeck als gegenwärtige Figur vorstellen. Im Lauf der Handlung fällt Wozzeck mehr und mehr in sich zusammen - bis er am Ende an einer Wand kauert und nur mehr Mord und Selbstmord seine Gedanken beherrschen. Ganz zum Schluß wird auch sein Kind genau an dieser Stelle stehen.
Musikalisch ist die Aufführung von ebensolcher Intensität. Wobei Sylvain Cambreling am Pult des Opernorchesters die Partitur immer wieder mit der großen Opern-Geste des 19. Jahrhunderts auflädt. Angela Denoke gibt stimmlich souverän die Marie geradezu als Verismo-Heroine, während Roland Bracht als Doktor und Gerhard Siegel als Hauptmann beissende Karrikaturen veranschaulichen - gesanglich und deklamatorisch überragend. Jon Villars als brutal-viriler Tambourmajor ist ein Testosteron-Vulkan, der nicht lange fackelt und die Hose öffnet, wo sich eine Gelegenheit dazu bietet. Marie wird nicht verführt, sie wird einfach niedergeworfen.
"Moral ist, wenn man moralisch ist", weiß der Hauptman. "Ja, wenn ich ein Herr wär', und hätt' einen Hut und eine Uhr und ein Augenglas und könnt' vornehm reden, ich wollte schon tugendhaft sein!", antwortet ihm Wozzeck.
Robert Jungwirth

Weitere Aufführungen: 1., 7., 10., 13., 16. und 19. April
www.operadeparis.fr