Meldungen

Auftakt zum 63. Internationalen Musikwettbewerb der ARD

Am Montag, 1. September 2014 beginnt mit dem ersten Durchgang in der Kategorie Schlagzeug in München der 63. Internationale Musikwettbewerb der ARD. Beworben hatten sich in diesem Jahr 519 Musikerinnen und Musiker sowie Ensembles aus 50 Ländern und fünf Kontinenten, so viele wie noch nie in der...

Bregenzer Festspiele enden mit Besucherrekord

Trotz eines mäßigen Sommers können die Bregenzer Festspiele auf die erfolgreichste Saison ihrer Geschichte zurückblicken. Die "Zauberflöten"-Inszenierung des scheidenden Intendanten David Poutney zählte 406.000 Besucher und überflügelte den bisherigen Rekordhalter "West Side...

Neues Mitglied bei den Berliner Philharmonikern ist erst 18 Jahre alt

18 Jahre jung ist der Neuzugang bei den Berliner Philharmonikern, der Trompeter Florian Pichler. Davor war der Österreicher bereits Solo-Trompeter des ORF Radio-Symphonie Orchesters. Florian Pichlers musikalischer Werdegang wurzelt in der österreichischen Blasmusiktradition. Weil der Vater...

Nikolaus Harnoncourt übernimmt Konzert für Lorin Maazel in Salzburg

Als Ersatz für den kürzlich verstorbenen Lorin Maazel wird Nikolaus Harnoncourt das Konzert am 24. Januar im Rahmen der Mozartwoche 2015 mit den Wiener Philharmonikern im Großen Festspielhaus dirigieren. "Es ist ein Glücksfall, dass Nikolaus Harnoncourt, Träger der Goldenen Mozart Medaille,...

Flötist und Dirigent Frans Brüggen gestorben

Im Alter von 79 Jahren ist der weltweit renommierte niederländische Dirigent und Blockflötist Frans Brüggen in Amsterdam gestorben. Der aus Amsterdam stammende Brüggen gehörte zu den wichtigsten Vertretern der Alte-Musik-Bewegung und setzte sowohl als Dirigent wie als Flötist Mastäbe in der...

Boulez kann nicht zur Lucerne Festival Academy kommen

Von einer kürzlichen Schulteroperation noch zu sehr geschwächt, muss Pierre Boulez, der Künstlerische Leiter der Lucerne Festival Academy, zu seinem grossen Bedauern vorerst auf seine Reise nach Luzern verzichten. Das teilt das Luzern Festival mit. Boulez hoffe, möglicherweise zum Ende des...

Die Ersatz-Spielzeit 2014/15 der Münchner Philharmoniker nach dem Tod von Lorin Maazel

Der 85. Geburtstag von Lorin Maazel im März 2015 war Ausgangspunkt für die Programmplanungen der Münchner Philharmoniker in der Spielzeit 2014/15 gewesen – eine Saison zu Ehren des Chefdirigenten des Orchesters mit Werken, die Maazel besonders am Herzen lagen. Sein Tod vor knapp vier Wochen...

Michael Haefliger verlängert Vertrag beim Luzern Festival

Michael Haefliger, Intendant des Luzern Festivals, verlängert seinen Vertrag bis Ende des Jahres 2020. Haefliger leitet das Festival in dieser Funktion seit 1999 und hat seitdem unter anderem durch die Gründung des Luzern Festival Orchestras mit Claudio Abbado 2003 und der Luzern Festival Academy...

Tenor Carlo Bergonzi gestorben

Der große italienische Tenor Carlo Bergonzi ist am Samstag im Alter von 90 Jahren in Mailand  gestorben. Vor allem als Verdi-Tenor setzte der bei Busseto (Verdis Geburtsort) geborene Sänger Maßstäbe, war an der Mailänder Scala ebenso zu Hause wie an der New Yorker Met. Sein Sängerdebüt hatte...

Oper Rom von Schließung bedroht

Nach Streiks der Gewerkschaften ist die Oper in Rom akut von der Schließung bedroht. Das berichten italienische Zeitungen. In einer Krisensitzung am morgigen Dienstag (29. Juli) soll über die Zukunft des Hauses entschieden werden. Beobachter erwarten von dem Krisentreffen allerdings kaum eine...

Nacht über Richard Wagner?

"Nacht über Richard Wagner?" ist der Text einer Anzeige in der FAZ vom 25. Juli, dem Tag der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Weiße Schrift in einem schwarzen Quadrat, darunter nur eine Mail-Adresse: eva.und.du@googlemail. Was will uns das sagen? Nun, "Nacht über Bayreuth"...

Arvo Pärt erhält Praemium Imperiale

Der estnische Komponist Arvo Pärt erhält in diesem Jahr den mit 110.000 Euro dotierten Praemium Imperiale Musikpreis. Der Preis wurde 1989 vom japanischen Kaiserhaus gestiftet und gilt als einer der höchstdotierten Musikpreise weltweit. Er nicht nur in der Kategorie Musik vergeben wird, sondern...

Rettungsplan für SWR Sinfonieorchester gescheitert

Das Stiftungsmodell zur Rettung des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg (SO) ausserhalb des SWR ist gescheitert. Es stehen keine ausreichenden Stifter zur Verfügung, um das Orchester zu finanzieren, das nach dem Willen des SWR 2016 mit dem Radiosymphonieorchster Stuttgart fusionieren...

Münchner Philharmoniker und Symphonieorchester des BR geben gemeinsames Gedenkkonzert für Lorin Maazel

Zum Gedenken und zu Ehren des am 13. Juli verstorbenen Maestro Lorin Maazel geben die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 21. Juli ein gemeinsames Konzert. Beiden Orchestern war Lorin Maazel durch sein Amt als Chefdirigent eng verbunden. Bei...

Ulf Schirmer verlängert an der Oper Leipzig bis 2020

Der Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig Ulf Schirmer ist heute in der Ratsversammlung der Stadt Leipzig für eine weitere Amtszeit bestätigt worden. Damit verlängert sich sein Vertrag bis zum Sommer 2020. Ulf Schirmer ist seit der Spielzeit 2009/10 Generalmusikdirektor und wurde im...

Junge Union Bayern: Verlegung von BR-Klassik widerspricht Kultur- und Grundversorgung

Die Junge Union Bayern (Jugendorganisation der CSU) hat auf ihrer Landesversammlung am vergangenen Sonntag nahezu einstimmig den Verbleib von "BR-Klassik" auf der UKW-Frequenz gefordert. "Insbesondere dem öffentlichen Rundfunk obliegt die Aufgabe der Kultur- und Grundversorgung aller...

Katharina Wagner geht in Bayreuth in die Verlängerung

Der Vertrag der Leiterin der Bayreuther Festspiele Katharina Wagner ist um fünf Jahre verlängert worden. Ihr bisheriger Vertrag endet nach der Saison 2015, der Anschlussvertrag läuft demnach bis 2020. Darauf hätten sich die Gesellschafter Bund, Land, Stadt Bayreuth und Gesellschaft der Freunde...

Gert Voss gestorben

Der große deutsche Theaterschauspieler Gert Voss ist gestern (13. Juli 2014) im Alter von 72 Jahren in Wien nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Knapp drei Jahrzehnte war Voss am Wiener Burgtheater zu erleben gewesen, wo er auch seine größten Erfolge als Schauspieler feierte. Unvergessen etwa...

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Armut ist erblich

Die Wozzeck-Welt, wie Anna Viebrock sie in Paris sieht. Bild: Ruth Walz/Opéra Nationale de Paris

Christoph Marthaler inszeniert Alban Bergs "Wozzeck" als Sozialstudie in Paris, Sylvain Cambreling dirigiert

(Paris, 29. März 2008) Es ist eine Welt ohne Hoffnung, in der der gute Mensch Wozzeck - umstellt von allerhand zwielichtigen Gestalten - ums Überleben kämpft. Vom Hauptmann wird er drangsaliert, vom Doktor als Versuchskaninchen missbraucht. Schließlich betrügt ihn seine Frau Marie mit einem Offizier.
Noch seine Verzweiflung, den schleichenden Wahnsinn, der sich seiner bemächtigt, macht sich der Doktor nutzbar und freut sich über das gelungene Exmperiment: "Er hat eine schöne fixe Idee, eine köstliche Aberratio mentalis partialis."
Dieser Wozzeck ist ganz unten angelangt, ohne Mindestlohn und ohne Hartz IV. Christoph Marthaler lässt ihn in seiner Pariser Inszenierung in einem billigen Vergnügungszelt arbeiten, mit Plastikplanen als Wände und lustigen Papierlampions, die von der Decke hängen. Er serviert und räumt die Tische ab, rasiert den Hauptmann. Die gesamte Handlung spielt an diesem Ort. Die Bühne hat wie immer Anna Viebrock entworfen. Im Hintergrund spielen Kinder in einer Hüpfburg - auch Wozzecks Kind ist darunter. Am Ende des Stücks wird es ohne Eltern sein. Da hilft auch keine Hüpfburg mehr.  

Simon Keenlyside und Angela Denoke Foto: R. Walz/ Opéra national de Paris

Simon Keenlyside singt und spielt die Demütigungen und Erniedrigungen, die diesem Wozzeck widerfahren, mit geradezu erschütternder Eindringlichkeit. Je auswegloser seine Lage wird, desto hektischer räumt er die Tische ab, desto verschwitzter ist sein Hemd, desto jämmerlicher seine Erscheinung. Marthalers Psychorealismus macht ihn zu einem Mahnmal der geknechteten menschlichen Kreatur. Die Aktualität der Kostüme lässt keinen Zweifel daran, dass Marthaler und Viebrock sich diesen Wozzeck als gegenwärtige Figur vorstellen. Im Lauf der Handlung fällt Wozzeck mehr und mehr in sich zusammen - bis er am Ende an einer Wand kauert und nur mehr Mord und Selbstmord seine Gedanken beherrschen. Ganz zum Schluß wird auch sein Kind genau an dieser Stelle stehen.
Musikalisch ist die Aufführung von ebensolcher Intensität. Wobei Sylvain Cambreling am Pult des Opernorchesters die Partitur immer wieder mit der großen Opern-Geste des 19. Jahrhunderts auflädt. Angela Denoke gibt stimmlich souverän die Marie geradezu als Verismo-Heroine, während Roland Bracht als Doktor und Gerhard Siegel als Hauptmann beissende Karrikaturen veranschaulichen - gesanglich und deklamatorisch überragend. Jon Villars als brutal-viriler Tambourmajor ist ein Testosteron-Vulkan, der nicht lange fackelt und die Hose öffnet, wo sich eine Gelegenheit dazu bietet. Marie wird nicht verführt, sie wird einfach niedergeworfen.
"Moral ist, wenn man moralisch ist", weiß der Hauptman. "Ja, wenn ich ein Herr wär', und hätt' einen Hut und eine Uhr und ein Augenglas und könnt' vornehm reden, ich wollte schon tugendhaft sein!", antwortet ihm Wozzeck.
Robert Jungwirth

Weitere Aufführungen: 1., 7., 10., 13., 16. und 19. April
www.operadeparis.fr