Meldungen

Eröffnung der Opéra des Nations in Genf mit Händels Alcina

Zur Eröffnung der Opéra des Nations, die dem Grand Théâtre de Genève während der zweieinhalbjährigen Renovierungsarbeiten im angestammten Haus an der Place de Neuve als  Ausweichspielstätte dient, präsentiert das Genfer Opernhaus am 15. Februar eine Neuproduktion von Georg Friedrich Händels...

Polar-Musikpreis 2016 für Cecilia Bartoli

Die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli erhält in diesem Jahr den schwedischen Polar-Musikpreis. Die Jury würdigt damit den Einsatz der Sängerin für unbekannte Musik aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Der Polar Music Prize ist vom früheren Abba-Manager Stig Anderson ins Leben gegründet worden, er ist...

Die 29-jährige Mirga Gražinytė-Tyla wird Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra

Die litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla wird im September das City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren als 12. als Music Director leiten und damit die die Nachfolge von Andris Nelsons an, der das Orchester von 2008 bis 2015...

Gedenkkonzert für Pierre Boulez beim Lucerne Festival

In Erinnerung an Pierre Boulez, der am 5. Januar verstorben ist, veranstaltet das Lucerne  Festival am 20. März um 14.00 Uhr ein Gedenkkonzert. Das Konzert findet im Rahmen des Oster-Festivals statt (12. bis 20. März), das Programm gestaltet ein Alumni-Orchester der Lucerne Festival Academy:...

Zahl der deutschen Orchester sinkt

Die Zahl von derzeit 131 deutschen Kulturorchestern wird im Jahr 2016 weiter sinken. So lautet die pessimistische Prognose der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) . Bei der ersten gesamtdeutschen Erfassung 1992 wurden noch 168 öffentlich finanzierte, regelmäßig spielende Berufsorchester gezählt....

Per Nørgård erhält Siemens Musikpreis 2016

Der dänische Komponist Per Nørgård wird mit dem Ernst von Siemens Musikpreis 2016 ausgezeichnet. Das gab die Stiftung heute bekannt. Nørgård, der in seiner Heimatstadt Kopenhagen und bei Nadja Boulanger in Paris Komposition studierte, gilt als der bedeutendste dänische zeitgenössische Komponist. Zu...

Jaap van Zweden wird neuer Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker

Wie die New Yorker Philharmoniker melden, wird der Holländer Jaap van Zweden neuer Chefdirigent des Orchesters. Er wird sein Amt zur Saison 2018 antreten und damit Alan Gilbert nachfolgen, der nach fast zehn Jahren an der Spitze des Ensembles seinen Rückzug zum Ende der Saison 2016-17 angekündigt...

Verfälschtes Gutachten für Münchner Konzertsaal brachte Marstall zu Unrecht in Verruf

Das vom Bayerischen Kultusministerium 2010 bei dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota in Auftrag gegebene Gutachten für den Marstallplatz als möglichen Standort für einen neuen Münchner Konzertsaal war vom damaligen Kunstminister Wolfgang Heubisch falsch widergegeben worden. In der Folge wurde...

Thomas Oberender bleibt Intendant der Berliner Festspiele bis 2021

Der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender hat seinen Vertrag um weitere fünf Jahre bis zum 31. Dezember 2021 verlängert.
Der Autor und Dramaturg Oberender ist seit 2012 Intendant der Berliner Festspiele. Zuvor war er von 2006 bis 2011 Schauspieldirektor bei den Salzburger...

Frank Peter Zimmermann erhält Stradivari von chinesisch-deutschem Unternehmer

Die renommierte „Général Dupont, Grumiaux“ Stradivari (1727) wird an Frank Peter Zimmermann verliehen. Der Geiger spielt mit dem Instrument erstmals öffentlich die deutsche Erstaufführung des 2. Violinkonzerts von Magnus Lindberg, das für ihn geschrieben wurde, am 21./22./23. Januar 2016 mit den...

Artemis Quartett ist wieder komplett

Nach einem halben Jahr der Trauer um Friedemann Weigle, in dem der Entschluss reifte, das Ensemble fortzuführen, gibt das Artemis Quartett sein neues Mitglied bekannt: Die amerikanische Geigerin Anthea Kreston wird ab sofort die Position der 2. Geige übernehmen. Gregor Sigl schließt in einer...

Ausstellung 150 Jahre Münchner Gärtnerplatztheater

Anlässlich des 150. Geburtstages zeigt das Deutsche Theatermuseum München vom 16. Januar – 10. April 2016 eine Ausstellung, kuratiert von Stefan Frey. "Dem Volk zur Lust und zum Gedeihen" lautete 1865 der Zimmermannspruch zum Richtfest des Münchner Gärtnerplatztheaters. Und dem Volk blieb...

In einem Jahr eröffnet die Elbphilharmonie - mit zum Teil kostenlosen Karten

Am 11. und 12. Januar 2017 wird das NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Hengelbrock das Eröffnungskonzert im Großen Saal der Elbphilharmonie geben. Sowohl für den Bau selbst als auch für die Planungen des Konzertbetriebs sind nun die letzten Phasen angebrochen. Für das...

Spaenle: Musik ist ein Kulturgut von unschätzbarem Wert

Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle und sein Vorgänger im Amt, der Präsident des Bayerischen Musikrats Thomas Goppel, haben heute in München eine Vereinbarung zur vertieften Zusammenarbeit von Bildungsministerium und Musikrat unterzeichnet.
Musik sei ein Kulturgut von unschätzbarem Wert,...

Deutscher Operettenpreis für junge Dirigenten geht an Dominic Limburg

Beim Abschlusskonzert des Operettenworkshops, das am vergangenen Samstag in der ausverkauften Musikalischen Komödie Leipzig stattfand, konnte der 1990 geborene Dominic Limburg u.a. mit seiner Interpretation von Johann Strauß‘ berühmten Kaiserwalzer die Jury am meisten überzeugen. Der Preisträger...

Erben wollen Aufführung von Poulencs Dialogues des Carmélites verhindern

Im Vorfeld der Wiederaufnahme von Francis Poulencs Oper "Dialogues des Carmélites" in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov an der Bayerischen Staatsoper im Januar fordern die Erben des Komponisten und des Autors Georges Bernanos eine Abänderung der Inszenierung oder die Absage der vier...

Noch ein Film über die Königin des schlechten Gesangs – Joyce DiDonato als Florence Foster Jenkins

Florence Foster Jenkins gilt als die schlechteste Sängerin aller Zeiten. Dennoch ist sie eine Kultfigur - als selbsternannte Operndiva machte sie im New York der 1920er Jahre Karriere. Ihr legendärer Auftritt in der Carnegie Hall 1944 brach Verkaufsrekorde. Nach dem französischen Spielfilm „Madame...

Flöten für Föten

Die gynäkologische Klinik Marquès in Barcelona hat einen „Babypod“ entwickelt, mit dem Babys im Mutterleib direkt mit Musik beschallt werden können. Zwar können Babys auch so bereits im Mutterleib nach ein paar Monaten Töne aus ihrer Umwelt wahrnehmen, aber durch die Bauchwand dringen diese nur...

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Armut ist erblich

Die Wozzeck-Welt, wie Anna Viebrock sie in Paris sieht. Bild: Ruth Walz/Opéra Nationale de Paris

Christoph Marthaler inszeniert Alban Bergs "Wozzeck" als Sozialstudie in Paris, Sylvain Cambreling dirigiert

(Paris, 29. März 2008) Es ist eine Welt ohne Hoffnung, in der der gute Mensch Wozzeck - umstellt von allerhand zwielichtigen Gestalten - ums Überleben kämpft. Vom Hauptmann wird er drangsaliert, vom Doktor als Versuchskaninchen missbraucht. Schließlich betrügt ihn seine Frau Marie mit einem Offizier.
Noch seine Verzweiflung, den schleichenden Wahnsinn, der sich seiner bemächtigt, macht sich der Doktor nutzbar und freut sich über das gelungene Exmperiment: "Er hat eine schöne fixe Idee, eine köstliche Aberratio mentalis partialis."
Dieser Wozzeck ist ganz unten angelangt, ohne Mindestlohn und ohne Hartz IV. Christoph Marthaler lässt ihn in seiner Pariser Inszenierung in einem billigen Vergnügungszelt arbeiten, mit Plastikplanen als Wände und lustigen Papierlampions, die von der Decke hängen. Er serviert und räumt die Tische ab, rasiert den Hauptmann. Die gesamte Handlung spielt an diesem Ort. Die Bühne hat wie immer Anna Viebrock entworfen. Im Hintergrund spielen Kinder in einer Hüpfburg - auch Wozzecks Kind ist darunter. Am Ende des Stücks wird es ohne Eltern sein. Da hilft auch keine Hüpfburg mehr.  

Simon Keenlyside und Angela Denoke Foto: R. Walz/ Opéra national de Paris

Simon Keenlyside singt und spielt die Demütigungen und Erniedrigungen, die diesem Wozzeck widerfahren, mit geradezu erschütternder Eindringlichkeit. Je auswegloser seine Lage wird, desto hektischer räumt er die Tische ab, desto verschwitzter ist sein Hemd, desto jämmerlicher seine Erscheinung. Marthalers Psychorealismus macht ihn zu einem Mahnmal der geknechteten menschlichen Kreatur. Die Aktualität der Kostüme lässt keinen Zweifel daran, dass Marthaler und Viebrock sich diesen Wozzeck als gegenwärtige Figur vorstellen. Im Lauf der Handlung fällt Wozzeck mehr und mehr in sich zusammen - bis er am Ende an einer Wand kauert und nur mehr Mord und Selbstmord seine Gedanken beherrschen. Ganz zum Schluß wird auch sein Kind genau an dieser Stelle stehen.
Musikalisch ist die Aufführung von ebensolcher Intensität. Wobei Sylvain Cambreling am Pult des Opernorchesters die Partitur immer wieder mit der großen Opern-Geste des 19. Jahrhunderts auflädt. Angela Denoke gibt stimmlich souverän die Marie geradezu als Verismo-Heroine, während Roland Bracht als Doktor und Gerhard Siegel als Hauptmann beissende Karrikaturen veranschaulichen - gesanglich und deklamatorisch überragend. Jon Villars als brutal-viriler Tambourmajor ist ein Testosteron-Vulkan, der nicht lange fackelt und die Hose öffnet, wo sich eine Gelegenheit dazu bietet. Marie wird nicht verführt, sie wird einfach niedergeworfen.
"Moral ist, wenn man moralisch ist", weiß der Hauptman. "Ja, wenn ich ein Herr wär', und hätt' einen Hut und eine Uhr und ein Augenglas und könnt' vornehm reden, ich wollte schon tugendhaft sein!", antwortet ihm Wozzeck.
Robert Jungwirth

Weitere Aufführungen: 1., 7., 10., 13., 16. und 19. April
www.operadeparis.fr