Windsbacher Knabenchor

Jauchzet, frohlocket

Windsbacher Knabenchor Foto: Agentur

Das Weihnachtsoratorium mit dem Windsbacher Knabenchor auf CD und live in München

Von Klaus Kalchschmid
(München, 15. Dezember 2015) Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ist vor allem mit seinen ersten drei Kantaten enorm populär. Dass die Nummern vier bis sechs, gewidmet dem Fest der Beschneidung, dem Sonntag nach Neujahr und Epiphanias (Heilig Drei König) nicht minder schöne, farbige Musik enthalten, wissen Konzertbesucher, die in den Genuss einer – immer noch seltenen -Gesamtaufführung kommen, weil sie den Rahmen eines normalen Konzerts sprengt, oder eine der zahlreichen CD-Einspielungen im Dezember aus dem Regal holen.
Nach dem kompletten „Weihnachtsoratorium“ im Jahr 1991 hat der Windsbacher Knabenchor im Jahr 2012 erneut eine Gesamtaufnahme begonnen – mit den Kantaten I-III unter seinem langjährigen Leiter Karl-Friedrich Beringer. Soeben erschienen, im Sommer in St. Gumertus (Ansbach) entstanden, Nr. IV-VI unter seinem Nachfolger Martin Lehmann. Wieder beglückt der lockere, flüssige Ton, mit dem die Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin musizieren und die Frische, mit der die Windsbacher Jungs und (sehr) jungen Männer singen. Wohl kein anderer Knabenchor verfügt über eine solche klanglichen Präzision und schlackenlosen Reinheit.
Im Herkulessaal der Münchner Residenz waren nun live – mit denselben Solisten wie auf der CD – die Kantaten I und IV-VI zu erleben. Das ist eine sinnige Koppelung, denn nicht nur kehrt der gleißende, alles überstrahlende Trompetenglanz der ersten in der letzten Kantate wieder, auch rundet sich so die erst mit dem 6. Januar endende zweiwöchige Weihnachtszeit.
Wohl kaum einem Chor gelingt etwa der überschäumend vitale, rhythmisch prägnante Eingangschor der schlichten fünften Kantate („Ehre sei dir, Gott, gesungen“) so frisch und hell, so leuchtend leicht, ja tanzend, wie den Windsbachern. Wenn im schönsten Piano-Pianissimo „Ich steh an deiner Krippen hier“ (in Teil Sechs) fast unhörbar gehaucht wird und dabei doch jedes Wort verständlich ist, dann erweisen sich die Windsbacher wieder als einer der weltbesten Knabenchöre. Auch die übrigen Chöre und Choräle sind bis in die hintersten Winkel, was Dynamik und Artikulation angeht, ausgeleuchtet, differenziert agogisch modelliert und klingen doch immer spontan. Jede Stimmgruppe ist in sich so homogen ausbalanciert und zugleich so fein ausdrucksvoll, dass es schlichtweg begeistert.
Die Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin sind mit ihren famosen Trompetern, Solo-Geigern und Oboisten exzellente Begleiter des Chors, aber auch der ausgezeichneten Solisten Jutta Böhnert (Sopran), deren Arie „Nur ein Wink von seinen Händen“ herausstach, Rebecca Martin (Alt), Markus Schäfer (Tenor sowie in der Rolle des Erzählers) und Thomas Laske (Bariton), dessen flehentliches „Erleuchtet auch meine finstre Sinnen“ ebenfalls einer der – vielen – Höhepunkte war.
Wenn dann als Zugabe noch der zauberhafte Weihnachtshymnus „Nun sei willkommen“ in der betörenden Bearbeitung von Carl Hirsch (das titelgebende Entrée der Weihnachtlieder-CD der Windsbacher von 2011) und das wunderbare „In dulcio jubilo“ folgen, ist die feierliche Advent-Stimmung raumgreifend.     


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