Weinberger

CD der Woche

Jaromir Weinberger: Werke, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin: Gerd Albrecht (Capriccio 5272)

Jetzt, wo der Komponist Mieczyslaw Weinberg wieder stark „im Kommen“ ist, könnte die Ähnlichkeit des Nachnamens Gedanken u.U. auch in Richtung Jaromir Weinberger lenken. Von ihm kennt man wohl vor allem Polka und Fuge aus „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“, eine Oper, die aufführungsstatistisch einst sogar „Zauberflöte“ und „Carmen“ überflügelte. Doch dann geriet der 1896 geborene Weinberger langsam in Vergessenheit. Diese Entwicklung spürte der Komponist bereits zu Lebzeiten schmerzlich, und das USA-Exil belastete den heimatverbundenen böhmischen Juden enorm, was körperliche Beschwerden und Depressionen intensivierte. 1967 beging Weinberger Selbstmord. Fraglos ist viel an Wiedergutmachung zu leisten. Gerd Albrecht mit seinem besonderen Händchen für Musik „Aus Böhmens Hain und Flur“ (nicht von ungefähr war er als erster Deutscher zeitweilig Chef der Tschechischen Philharmonie in Prag) hat 2000 und 2002 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin Werke Weinbergers eingespielt.

Musiksprachlich sind sie kaum umstürzlerisch zu nennen, vielleicht sogar leicht anachronistisch für die Entstehungszeit (um 1930). Doch rühren sie ans Herz. Die „Ouvertüre zu einem ritterlichen Spiel“ (fraglos auf die Figur des Don Quichotte gemünzt) klingt lebendig theatralisch, geizt auch nicht mit Humor. Die „Sechs böhmischen Lieder und Tänze“ bewegen sich nicht im Fahrwasser von Dvoraks überschäumenden „Slawischen Tänzen“, geben sich eher verhalten, mitunter fast kontemplativ. In der „Passacaglia für Orgel und großes Orchester“ schlägt sich das Studium bei Max Reger nieder. Man hört Musik und Interpretation gerne sofort ein zweites Mal.

Christoph Zimmermann

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