Weihnachtsoratorium Windsbacher

Wie die Engel

Windsbacher Knabenchor Foto: Mila Pavan

Der Windsbacher Knabenchor mit Bachs Weihnachtsoratorium in München
(München, 11. Dezember 2008). Selten wird Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium so berückend schön und gehaltvoll, so homogen und elastisch, so jungenhaft strahlend und hellwach in jedem Takt gesungen wie heuer vom Windsbacher Knabenchor im Herkulessaal. In jeder der 100 Minuten, in denen die Kantaten I-III (für die drei Weihnachtstage) sowie VI (Heiligdreikönig) zu erleben waren, konnte man beglückt staunen, wie diese Jungs und jungen Männer Bachs Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens von der Geburt Christi zu gestalten wussten. Ihr stets auf flüssige, federnde, geradezu leichtfüßig swingende Tempi bedachter Leiter Karl-Friedrich Behringer erzielte mit ihnen ein Ergebnis, das ebenso perfekt wie spontan, lebhaft animiert und doch souverän in sich ruhend wirkte.
Jeder einzelne Choral bot eine Welt für sich – vom ersten sanft gemessen, verhalten leise zur Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“ auf den Text „Wie soll ich dich empfangen?“ klingenden über den wunderbar gleissend strahlenden, doch fein in der Dynamik modulierten („Brich an, o schönes Morgenlicht!“) bis hin zum Pianissimo-Wunder von „Ich steh an deiner Krippen hier“. Ob geradezu rein und engelshaft klingende Knaben-Soprane und -Alte, die jugendlich weich strahlende Tenöre oder das Fundament der schlanken Bässe – jede Stimmgruppe hatten ihren eigenen, in sich vollkommen homogenen und vielfach schattierbaren, farbigen Klang, der Teil hatte an der Schönheit der einzelnen Phrasen und dem beredten Ausdruck in jedem Takt.
Die BR-Symphoniker steuerten für dieses großartige Gemälde in Tönen einen warmen, goldfarbenen Hintergrund bei, während die Solisten ihrem Namen alle Ehre machten. Neben dem etwas blass wirkenden Bariton von Alexander Marco-Buhrmester und dem hell zwitschernden Sopran von Jutta Böhnert konnte Rebecca Martin mit schlankem, subtil zurückgenommenem Mezzosopran überzeugen, vor allem aber Thomas Cooley als Evangelist. Seine Präsenz und sängerische wie gestalterische Souveränität, auch in den gestochen scharfen Koloraturen der Tenor-Arien, war ebenso aufregend wie das, was der Windsbacher Knabenchor an diesem Abend leistete.
(Wiederholung des Konzerts am Freitag, 12. Dezember (20 Uhr) im Herkulessaal der Münchner Residenz, Residenzstr. 1. Restkarten an der Abendkasse. Live-Übertragung in Bayern 4 Klassik.)
Klaus Kalchschmid

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