Wagner und Strauss

CDs kaufen

Mal wieder Wagner und Strauss

Christian Thielemann Foto: Münchner Philharmoniker

(München, 2. Juni 2007) Wagner ist sein ureigenes Metier, kein Zweifel. Christian Thielemann gewährt dem Opern-Heros immer wieder auch in seinen Symphonie-Konzerten mit den Münchner Philharmonikern gern Raum. Für das Abo-Konzert am vergangenen Samstag im Gasteig koppelte er „Siegfried-Idyll“ und Vorspiel sowie Isoldes Liebestod aus „Tristan und Isolde“ mit Richard Strauss` Tondichtung „Don Juan“ und dessen „Vier letzten Liedern“. Dabei rückte der Gesang eindeutig auf Platz zwei, eroberte der in jeder Phase klug gestaltete Instrumentalklang die Spitzenposition.
Zunächst stürmte ein fast lärmender „Don Juan“, der durchaus Strauss’sches Hauruck im Blut hatte, das Podium. Doch Thielemann unterwanderte das Dahinstürmende mit dem Raffinement des Klangs, mit wunderbar sanft geblasenem Horn und elegischer Solo-Oboe. Er fing die kraftvollen Wogen elegant ab, ließ sie erneut hochschäumen und kam so dem Überschwang des 24jährigen Strauss nah.
Im wehmütigen Abgesang des 84jährigen Komponisten, den „Vier letzten Liedern“, bereiteten Dirigent und Orchester ein zart-melancholisches, changierendes Klangbett, das die Sopranistin Deborah Voigt leider nicht mehr richtig nutzen konnte. Unschöne Registerbrüche und unruhige Stimmführung beeinträchtigen den organischen Fluss und die weiten Aufschwünge in Höhenregionen, die immerhin noch erreicht werden.
All das störte bei Wagners Isolde weniger, zumal hier Thielemann mit den Philharmonikern aus dem Vollen schöpfte und Isoldes „…ertrinken – versinken…“ zuweilen wörtlich nahm. Er entwickelte die Tristan-Musik zu Beginn in quälender Langsamkeit, dehnte sie im Dynamischen wie im Klangspektrum so, dass sie, sich stetig hinaufschraubend, im enormen Paukenschlag gipfelte, bevor sie ins Pianissimo versank, aus dem Isoldes Liebestod emporstieg. Thielemann inszenierte Theatermusik voll vibrierender Energie, spannte den großen Bogen und kitzelte doch unzählige instrumentale Details aus dem Gesamtklang heraus.
Die Philharmoniker, die zuvor schon das streicherintensive Siegfried-Idyll fein gesponnen und mit weichem Holz durchwebt hatten, wahrten auch in der Tristan-Emphase höchste Transparenz. Großer Jubel.
Gabriele Luster

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.