Wagner, Liszt und Mendelssohn auf Schloss Herrenchiemsee

Ein Festival mit Perspektiven für die Zukunft

Die Herrenchiemsee Festspiele haben noch Entwicklungspotential – Konzert mit dem Münchner Rundfunkorchester

Von Robert Jungwirth

(Herrenchiemsee, 25. Juli 2019) Bekanntlich weilte König Ludwig II. nur ein paar Tage auf Schloss Herrenchiemsee. Ab 1881 ist er zwar jeweils im Herbst für ein paar Tage hierher gekommen – aber nur, um den Fortgang der Bauarbeiten zu begutachten. Übernachtet hat der König dann meist im benachbarten Gutshof bzw. alten Schloss. Bewohnbare Räume gab es in seinem neuen Schloss erst 1884, darunter das Prunkschlafzimmer. Noch vor der Fertigstellung des Schlosses wurde der König 1886 entmachtet und einen Tag später hat er bekanntlich sein tragisches und mysteriöses Ende in den Fluten des Starnberger Sees gefunden.

Ob Ludwig II. im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee, der denjenigen von Versailles noch um ein paar Meter in der Länge übertrifft, jemals Musik gehört hat, ist ungewiss. Wohl eher nicht. Als Musikschloss plante Ludwig eher Neuschwanstein mit dem Sängersaal. Aber auch dort erklang zu Ludwigs Lebzeiten keine Musik. Dennoch ist es richtig und sinnvoll, diese Schlösser auch für die Aufführung von Musik zu nutzen. Auch wenn das natürlich stets in Abstimmung mit dem Denkmalschutz geschehen muss und nur für eine bestimmte Anzahl von Konzerten möglich ist.

Die von Enoch zu Guttenberg im Jahr 2001 gegründeten Festspiele auf Schloss Herrenchiemsee waren und sind auch nach dem Tod des Dirigenten im vergangenen Jahr ein Juwel im Festivalreigen Bayerns und weit darüber hinaus. Das Land Bayern, das das Festival bislang – auch und vor allem durch die guten Kontakte zu Guttenbergs – großzügig unterstützt hat, tut auch nach der Ägide Guttenbergs gut daran, für den Fortbestand dieser Konzertreihe im Sommer zu sorgen.

In diesem Jahr hat der Geschäftsführende Programmdirektor Josef Kröner unter der Überschrift „Ein Königreich der Künste“ ein sehr ansprechendes und kluges Programm konzipiert, das sinnreich sowohl den Bezug zur Musik Wagners als auch zum französischen Barock in den Fokus nimmt. Mit dabei waren bzw. sind vom 16. bis zum 28. Juli so herausragende Orchester wie Concerto Köln, die Academy of St. Martin in the Fields, das Münchner Kammerorchester, die Münchner Hofkapelle oder das Quatuor Mosaiques.

Beim Gedenkkonzert für Enoch zu Guttenberg mit dem Münchner Rundfunkorchester stand die frühere Ehefrau des Dirigenten Ljubka Biagioni am Pult und dirigierte ein Programm von Mendelssohn über Liszt zu Wagner – allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Die Bezüge der Werke untereinander sind beinahe ebenso spannend wie die Werke selbst. So klingt in Mendelssohns Schottischer Symphonie deutlich Wagners Holländer an, während Liszts so arg missbrauchte „Les Préludes“ in ihrer zwischen Lyrismus und Monumentalität pendelnden Suggestivität ebenfalls für Wagner interessant gewesen sein dürften. Wichtig war Liszt in diesem Kontext aber auch und wohl noch mehr als Förderer von Wagners Werken. So dirigiert er etwa die Weimarer Uraufführung des „Lohengrin“. Von Wagner selbst war die Ouvertüre zur Oper „Rienzi“ zu hören, die dritte Oper des Meisters, die noch deutliche Bezüge zur italienischen Oper etwa Bellinis aufweist. Das alles war im vom Rundfunkorchester sehr kompetent und klangschön musizierten Programm als Subtext hör- und erfahrbar. Freilich forcierte Ljubka Biagioni die „knalligen“ Stellen zu stark für den Raum, aber egal, es war ein stimmungsvolles und beziehungsreiches Konzert.

In dieser programmatisch klugen und einfallsreichen Art und Weise sollte das Festival auch fortgeführt werden. Es könnte dann zu einem wirklichen Aushängeschild in der Festspiellandschaft im magischen Dreieck zwischen Bayreuth, München und Salzburg werden.

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