Wagner-Festspiele mit Thielemann

Musikpoeterey

Foto: Münchner Philharmoniker

Wagner-Festspiele mit Christian Thielemann in München
(1.-3. März 2007) Natürlich ist München die Wagner-Stadt nach Bayreuth. Und sie war die Wagner-Stadt vor Bayreuth. Hier verbrachte der sächsische Gesamtkunstwerker entscheidende Jahre seines Lebens, die diesem eine grundlegende Wendung gaben. Erst durch die schier grenzenlose Begeisterung seines königlichen Freundes Ludwig II. für seine Werke war es Wagner möglich, die Ideen zu verwirklichen, von denen er geträumt hatte. Allein vier Wagner-Opern wurden in München uraufgeführt. Der Plan eines eigenen Theaters wurde hier konkret. Ursprünglich wollte Wagner das Theater in München bauen, Gottfried Semper hatte bereits die Pläne dafür ausgearbeitet. Doch es kam anders, Wagner mußte München verlassen, weil die Opposition gegen ihn im bayerischen Ministerrat zu groß wurde.

Ironischerweise hat sich München mit dem Prinzregententheater dann doch noch sein Wagner-Theater gebaut: eine Art Kopie des Bayreuther Festspielhauses, zumindest was die Innenarchitektur anbelangt; ursprünglich gab es im Prinze sogar einen Deckel über dem Orchestergraben wie in Bayreuth. Klar, dass Cosima Wagner not amused war über die Konkurrenz.
Dennoch entwickelte sich eine friedliche Koexistenz zwischen den beiden Wagner-Städten. In die reiht sich auch Christian Thielemann, der Bayreuther Haus- und Hofdirigent ein (er dirigiert in diesem Sommer erneut den gesamten „Ring“), wenn er als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker in München über drei Tage verteilte Wagner-Festspiele darbietet.

Eine gute Gelegenheit jedenfalls, auch außerhalb Bayreuths den hochgelobten Wagner-Dirigenten einmal in aller Ausführlichkeit erleben zu können. So waren denn die drei Konzerte in der Münchner Gasteig-Philharmonie auch bestens besucht, das Interesse des Münchner Publikums hellwach, die Begeisterung am Ende groß.
Dabei präsentierte Thielemann nicht einfach ein Best-of-Programm, sondern eine kleine, aber feine Auswahl aus den „Meistersingern“, der „Walküre“ und dem „Parsifal“, bei der neben ihm noch ein anderer Musiker im Blickfeld des Interesses stand: der phänomenale Baß René Pape. Von Daniel Barenboim an der Lindenoper zum Gesangsstar ausgebildet, ist er heute fraglos einer der weltweit herausragenden Sänger seines Fachs.

René Pape Foto: Staatsoper Berlin

Schon der Auftakt der kleinen Münchner Wagner-Festspiele mit dem „Flieder-Monolog“ des Hans Sachs aus den „Meistersingern“ ließ einen den Atem anhalten, angesichts einer Stimme, die lyrisch strömt und fließt und dabei doch so kraftvoll und prägnant klingen kann.
Eine schöne Idee überdies, mit dem sensiblen, von sanfter Wehmut durchzogen Stück zu beginnen und nicht mit der Ouvertüre, die erst zum Schluß des ersten Teil kam.
Das Orchester umspielte den Sänger mit jeder Menge Sentiment und Atmosphäre, gleichsam ein mildes, tröstlich-melancholisches Frühlingslüftchen umsäuselte den um seine Chancen bei Eva bangenden Sachs – Musikpoeterey der ganz besonderen Art.
Auch die markigeren Töne im Wahn-Monolog und natürlich in der Schlußansprache am Ende der Oper sind für Pape kein Problem. Ähnlich wie Thielemann erzielt Pape Wirkung nicht durch aufgeblasenes Pathos oder Kraftmeierei, sondern durch klug disponierte Steigerungen und pointierte Akzente. Beides in Verbindung mit einer den musikalisch-dramaturgischen Gehalt und Inhalt des gesungenen Worts durchdringenden Phrasierung, die auch Christian Thielemann mit den Musikern der Münchner Philharmoniker mit pointierter Klangsinnlichkeit unterstützte.

Was Wunder, dass der etwas angestrengt wirkende Tenor Robert Dean Smith mit dem Preislied und einer Szene aus dem 3. Akt „Parsifal“ damit nicht wirklich mithalten konnte. Erst in den heldischeren Gefielden der „Walküre“ („Winterstürme“; „Ein Schwert verhieß mir…“) ließ Smiths Stimme mehr Glanz und Ausdruck erkennen.
Während Pape auch noch als Gurnemanz und als Wotan (Abschied von Brünnhilde, 3. Akt „Walküre“) Eindruck machte, wenngleich er sich das Heldische in Zukunft sicher noch stärker aneignen wird. Eine phänomenale Leistung in jedem Fall, die auch bald auf CD erhältlich sein wird.
Robert Jungwirth

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