Vorwürfe Thielemann

Christian Thielemann: Denen geht es zu gut

Christian Thielemann am Pult der Münchner Philharmoniker Foto: Münchner Philharmoniker

Christian Thielemann erhebt schwere Vorwürfe gegen die Musiker der Münchner Philharmoniker und den Intendanten Paul Müller
(München, den 12. Oktober 2009) In einem Interview mit Joachim Kaiser in der Süddeutschen Zeitung – mit allen anderen Musikjournalisten dieser Zeitung wollte Christian Thielemann dezidiert nicht sprechen – wirft der Dirigent einigen Musikern der Münchner Philharmoniker vor, ihre vertraglichen Pflichten verletzt zu haben. Immer wieder hätten Musiker gefehlt, ohne dass dafür Urlaubsscheine eingereicht worden seien. Ein Orchesterdirektor, der dem Treiben auf die Schliche kam, sei auf Betreiben der Musiker "abgesägt" worden. Thielemann wörtlich: "In diesem Orchester wird seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, gegen die Bestimmungen des Dienstvertrages verstoßen. Bei Celibidache haben die Musiker den Mund gehalten, aber so wie er ihnen den Rücken zudrehte, ging es drunter und drüber. Bei Levine dann erst recht."
Es habe auch wegen anderer Gründe gelegentlich Mißstimmungen zwischen ihm und dem Orchester gegeben, gesteht Thielemann, so zum Beispiel als er einen vom Orchester gewählten Hornisten nicht akzeptieren wollte, was sein gutes Recht als GMD sei. Der eigentliche Grund für die Schwierigkeiten, so Thielemann, sei aber die Undiszipliniertheit mancher Musiker. Vielleicht gehe es ihnen einfach zu gut, sodass sie glauben, sie könnten sich alles erlauben, mutmaßt der Dirigent. "Kulturreferent Küppers hat diesen Leuten einfach geglaubt, und mich hat man behandelt wie einen dummen Jungen", so Thielemann verärgert über die Hintergründe zu dem nicht zustande gekommenen Verlängerungsvertrag. Das Schlimmste aber sei, glaubt der Dirigent, dass Intendant Paul Müller das alles hätte aufhalten können und es nicht getan habe.

Trotz aller Querelen werde Thielemann aber seinen bis 2011 laufenden Vertrag in München erfüllen, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Wir sind doch professionell." Aktuell steht jetzt Mitte Oktober eine Serie mit Bruckners Neunter Symphonie auf dem Programm.
Die Äußerungen Thielemanns, kurz nach seiner Entscheidung 2012 zur Dresdner Staatskapelle wechseln zu wollen, werfen tatsächlich ein äußerst ungutes Licht auf die Münchner Philharmoniker und ihre gesamte Administration bishin zur Stadtverwaltung, die in letzter Instanz die Verantwortung für das Orchester und die Musiker hat. Ganz offensichtlich hat man hier über lange Zeit in einer Mischung aus Desinteresse und Ahnungslosigkeit die Dinge einfach laufen lassen. Dass das alles nun in einer derart unglücklichen Gemengelage auf den Tisch kommt und ganz nebenbei auch noch das Dienstende eines der weltbesten Dirigenten provoziert hat, ist mehr als ärgerlich – für das Orchester, für die Stadt und vor allem für das Münchner Publikum. Es zeigt, dass es bei diesem Orchester nicht damit getan sein wird, einfach nur einen neuen Chefdirigenten zu suchen – was ohnehin schon schwierig genug sein dürfte nach dieser Vorgeschichte. Die Stadt wird ihren hochbezahlten Vorzeigemusikanten vielleicht doch mal etwas genauer auf die Finger sehen müssen. Nicht, wenn sie spielen, sondern vor allem, wenn sie nicht spielen.
Robert Jungwirth

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.