Vivaldi Vier Jahreszeiten

CD der Woche

Vivaldi: Die vier Jahreszeiten, Concerto Köln (Berlin Classics 0300829)
An die 300 Aufnahmen von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ soll es geben. Sicher haben die Musiker von Concerto Köln sie nicht alle im Ohr. Der Autor dieser Zeilen erlebte das Ensemble vor kurzem hinreißend bei einer Kölner Konzertaufführung von Vivaldis Oper “Catone in Utica“. Da konnte man ein dramatisch spannungsreiches Spiel erleben, freilich ohne solche naturalistische Zuspitzungen, wie sie die aktuelle Einspielung der “Jahreszeiten“ prägen. In seiner Partitur nimmt Vivaldi immer wieder Bezug auf Sonette, welche zu musikalischer Lautmalerei animieren. So hört man im Eingangssatz von „Der Frühling“ bekanntlich die Vögel zwitschern, „tempo impetuoso“ in „Der Sommer“ beschwört ein Gewitter auf nachgerade furchterregende Weise herauf. Bei Concerto Köln verstärkt sich die körperhafte Klangwirkung dieser Naturschilderungen dadurch, dass man auf einen realistischen Naturton und nicht auf vordergründigen Schönklang setzt.
Bei allem Respekt vor dem kürzlich verstorbenen Dirigenten Neville Marriner: Seine nun fast schon 40 Jahre alte, weiterhin greifbare Einspielung der „Jahreszeiten“, die ihn und seine Academy of St. Martin-in-the-Fields quasi über Nacht populär werden ließ, wirkt ungeachtet aller Spielvirtuosität für heutige Ohren doch etwas hausbacken. Concerto Köln wagt Ausdrucksextreme, die von einer akribischen Auffassung in punkto “historische Aufführungspraxis“ herrührt. Freiheiten der Interpretation im Detail sind durch die Intentionen des Komponisten aber gedeckt. Ergänzende Werke Vivaldis werden musikdramaturgisch sinnfällig eingeflochten: Concerto RV 156 und Sinfonia Al Santo Sepolcro RV 169.
Christoph Zimmermann
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