Violons du Roy

Konzertkritik: Violons du Roy

Hoffmannesk

Jonathan Cohen dirigiert die Violons du Roy bei ihrem Gastspiel in Köln, als Solist dabei Alexandre Tharaud
Von Christoph Zimmermann
(Köln, 22. Oktober 2014) Es kam anders als geplant. Da der Leiter von Les Violons du Roy, Bernard Labadie, erkrankt war, gab das aus Quebec stammende Kammerorchester sein Debüt in der Kölner Philharmonie unter der Stabführung von Jonathan Cohen, ebenfalls Neuling vor Ort. Aber er wird schon bald wieder an gleicher Stelle zu hören sein, dann mit seinem eigenen Ensemble Arcangelo. Der Solist des jetzigen Abends, der französische Pianist Alexandre Tharaud, spielte das angekündigte Mozart-Klavierkonzert KV 271, fügte aber noch das Rondo KV 386 hinzu. Auch der Rest des Programms war neu konzipiert.

Bedauerlich war der Fortfall von Henri-Joseph Rigel, dessen Sinfonien wenigstens dank Concerto Köln mittlerweile etwas stärker beachtet werden. Dennoch bleibt der Komponist weiterhin Repertoire-Außenseiter. Der Programmheft-Autor machte aus der Not eine Tugend und fand werbende Worte für die neue, unorthodoxe Werkabfolge. Sie blieb eine Visitenkarte für die Violons du Roy, da sich auch diese Stücke im Bereich des 18. Jahrhunderts bewegten, dem bevorzugten Zeitalter des Ensembles.

Der Brite Jonathan Cohen (Cembalist und Cellist) wirkte als Dirigent – gelinde formuliert – sehr eigentümlich. Seine Gestik (ohne Stab) besitzt geradezu hoffmanneske Züge und nähert sich dabei mitunter dem Grotesken. Aber was soll’s? Solche Individualität ist zu schätzen, wenn sie lebendige Musik gebiert. Und das war bei Cohen weiß Gott der Fall.

Mit dem heiter grundierten Mozart-Klavierkonzert kontrastierte der Trauergestus von Joseph Haydns Sinfonie „La Passione“, welchem Cohen ebenfalls Raum gab, ohne deswegen von seinem expressiven Interpretationsstil Abstand zu nehmen, der im Tempesta-Wirbel des Finalsatzes ja auch nochmal so richtig aufschäumen konnte. Bei beiden Werken erwies sich das kanadische Orchester als exquisiter, stilversierter, zupackender Klangkörper. Das zeigte sich auch bei Johann Sebastian Bachs populärem dritten „Brandenburgischen“, solistisch ausgeführt und mit Jonathan Cohen am Cembalo. Der Konzertmeisterin gelang die kurze Adagio-Überleitung zwar nicht ganz einwandfrei, aber ihr vitales Spiel glich das an anderer Stelle bald wieder aus.

Alexandre Tharaud war in der Philharmonie zuletzt 2008 zu erleben, damals gerade vierzig. Immer noch wirkt der superschlanke Pianist knabenhaft. Er bot perlendes Klavierspiel bei KV 271 und auch dem Rondo, wobei sich Virtuosität mit sublimem Anschlag paarte. Nur ungern erfolgt der Hinweis, dass der sympathische Künstler nicht ganz an Jan Lisiecki heranreichte, der vor ein paar Tagen bei KV 467 eine Anschlagstechnik mit noch mehr Clarté offerierte.

Aber die Zugabe (der koboldhafte Finalsatz aus Haydns Klavierkonzert Hob I:18,2) hatte es dann wirklich in sich: brillantes pianistisches Feuerwerk, mitgeschürt von dem hervorragenden Orchester.

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