Villa Cäcilia

Ein Haus voll mit Musik

Die neue App "Villa Cäcilia" bringt Kindern bei, wie Instrumente, ein Orchester oder ein Chor funktionieren – mit großem Aufwand, Kreativität und Humor

Wenn sich der Trompeter, in dessen Übungszimmer jede Menge Kostüme herumstehen, ein rosa Abendkleid anzieht, das prompt aus allen Nähten platzt, dann ist dem kleinen App-Nutzer der Mann sofort sympathisch. Klar, dass man ihm noch zig Mal das Rüschenkleid mit dem Zeigefinger überstreift, schon allein, weil es so schön ratscht, sobald es über der behaarten Trompeterbrust zerreißt. Wahlweise kann man ihm aber auch eine gelb-blaue Uniform verpassen und schon erzählt der Musiker, welche bedeutende Rolle die Trompeter einstmals im Stadtleben hatten. Verschiedene historische Signale spielt er astrein vor und erläutert sie obendrein. Mit nur wenigen Tönen macht er auf diese Weise (Musik-)Geschichte lebendig.

Was beim Trompeter im Übungszimmer der "Villa Cäcilia" passiert, erlebt man in jedem Zimmer dieses Hauses, sobald man mit dem Finger eine der Türen öffnet: Musiker begrüßen den Besucher und stellen ihre Instrumente vor. Und zwar nicht bierernst, sondern durchaus mit Witz und mitunter auch mit Ironie, eine absolute Rarität bei pädagogischen Spielen, was, nebenbei bemerkt, auch Erwachsenen gefällt. Der Schlagzeuger zum Beispiel, ein Typ mit Pferdeschwanz und amerikanischem Akzent, verwandelt erst einmal das Inventar seines Schreibtisches zu Instrumenten: Mit der Kaffeetasse und einem Löffel erzeugt er klingende Rhythmen, mit dem Klebeband schnarrt es, der Papierkorb rattert…dann erst setzt er sich ans "echte" Schlagzeug.

Besonders sympathisch ist einem die Dame im Archiv. Mit leicht sächselndem Akzent holt sie ihre Lieblingsaufnahmen aus dem Regal, darunter das Forellenquintett von Schubert. Und dabei spielen die Musiker total falsch. Nun sind die Ohren der "Villa-Cäcilia"-Besucher gefordert, die müssen nämlich hören (oder raten), welcher der 5 Mitspieler die Aufnahme vergeigt hat. Keine Frage, dass allein der Gerechtigkeit, aber auch der Gehörschulung wegen, jeder mal daneben spielt! So lernt man ganz einfach ganz genau hinzuhören.
Eingebettet ist der Rundgang im Haus der Musik in eine kleine Geschichte: Die Kinder Katja und Alex besuchen an einem Sonntagnachmittag die Villa und öffnen mit dem App-Nutzer Tür und Tor zu ca. 90 Minuten Musik und vielen Erläuterungen.

Möglich machen die ganzen Klangspiele das wunderbare Engagement der Musiker des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters. Überhaupt sind an der App über 250 MusikerInnen und KünstlerInnen beteiligt. Denn neben den Instrumenten eines Orchesters lernt man auch noch die Arbeit eines Chores kennen. Dafür hat der Berliner Staats- und Domchor Berlin vielseitige Klangbeispiele aufgenommen.
Am besten, man besucht selbst mit aufmerksamen Ohren und einem flinken Zeigefinger die "Villa Cäcilia". Und wer alle Metronome und Mikrofone richtig eingestellt und alle Räume erforscht hat, wer das Abschlusskonzert gehört hat, der kann das Ganze auch noch auf Englisch oder Russisch wiederholen!

Sylvia Schreiber
Weitere Informationen unter www.ridili.de. Erhältlich ist die App für 5,49 Euro im iTunes Store
[zur nächsten CD-Rezension]



Münchner Philharmoniker


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