Vertavo Quartet

Sinnhaft sinnlich

Vertavo Quartett: Berit Cardas, Henninge Landaas, Bjorg Vaernes, Oyvor Volle

Das norwegische Vertavo Quartett und Sabine Meyer zu Gast in Schloß Schleißheim
(Schloß Schleißheim, 10. Juni 2007) Man mag es kaum glauben, wenn man diesem Damenstreichquartett in den 30ern beim Spielen zusieht, dass es bereits über 20 Jahre existiert. Hören kann man es freilich schon. Die vier noch immer jung wirkenden Damen aus Norwegen müssen also schon während der Schulzeit zusammen Quartett geübt haben, während ihre Freundinnen auf Karaokeparties herumhingen. Der frühe Beginn jedenfalls hat sich gelohnt, das Vertavo-Quartett gehört heute zu den interessantesten Ensembles unter den Streichquartetten, mit wunderbarer Feinabstimmung und flexibler, dabei stets homogener Tongebung in den einzelnen Stimmen und mit viel Entdeckerfreude für ungewöhnliches Repertoire. Mozarts „Jagd-Quartett“ zu Beginn passte nicht schlecht in den großen Barocksaal von Schloß Schleißheim mit all seinen Schlachtengemälden, wenngleich es in dem Stück alles andere als martialisch zugeht. Die Jagdmotivik ließen die Musikerinnen mit frisch zupackendem Gestus erklingen, entwickelten daraus ein ausdifferenziertes dialogisches Miteinander voll musikalischer Empfindung und sinnhafter Sinnlichkeit.
Verblüffend, wie unmittelbar sie von diesem galant-spielerischen Tonfall in in die märchenhaft-naturhafte Klangatmosphäre von Antonin Dvoraks wunderbaren Miniaturen „Zypressen“ aus dem Jahr 1887 hinüberwechselten. Den Komposition für Streichquartett liegen Lieder zugrunde, die Dvorak bereits 1865, also mit 24 komponiert hat. Die feingesponnene Melodielinie der ersten Geige im ersten Stück „Ich weiß, daß meiner Lieb zu Dir…“ wehte gleichsam wie ein sanfter Abendwind zu den Fenstern herein. Das fantastische Ambiente des großen Barocksaals mit seinen opulenten Stuckaturen und dem großen farbigen Deckengemälde unterstützte die poetische Klangfarbenmalerei noch zusätzlich. Diese kaum bekannten Stücke Dvoraks sind wirkliche Kleinode von außergewönlichem musikalischem Zauber, und das Vertavo-Quartett brachte sie geradezu idealtypisch zur Geltung.
Eine fantastische Leistung, die vom Auftritt Sabine Meyers in Mozarts Klarinettenquintett A-Dur wunderbar ergänzt wurde. Die Feinheit in der Tongebung, die Ausdrucksintensität gerade im Piano oder Mezzopiano, das sind auch die Stärken dieser Ausnahmemusikerin. Wie oft mag sie dieses Juwel ihres Repertoires wohl schon gespielt haben? Und doch klingt bei Sabine Meyer alles mit einer unverbrauchten Beseeltheit und Frische als entdecke sie das Stück gerade neu. Auch wenn die Vertavo-Damen bei diesem Mozart vielleicht nicht ganz so ausdifferenziert zu Werke gingen wie in dem einleitenden Werk, die Chemie zwischen ihnen und der fünften im Bunde schien zu stimmen. Große Begeisterung im ausverkauften Schloß.
Robert Jungwirth

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