Verbier Festival in Elmau

Ohne Erdenschwere

Das Verbier Festival Chamber Orchestra mit Festival-Leiter Engstroem Foto: Verbier Festival

Eindrücke vom Gastspiel des Verbier Festivals auf Schloss Elmau

(Elmau, 1.-3. Dezember 2009) Im Schweizer Bergort Verbier gibt es seit 15 Jahren ein kleines feines Festival, das nicht nur große Musiker-Namen aufzubieten hat, sondern darüber hinaus auch eine Talentschmiede für junge, hoffnungsvolle Nachwuchsmusiker ist. Denn für diese interessiert sich Festivalleiter Martin T:son Engstroem ganz besonders. Mit einer Auswahl der in der Schweiz präsentierten Musiker war das Verbier-Festival jetzt eine Woche lang zu Gast auf Schloß Elmau, das sich für diese Zeit das Verbier-Festival gewissermaßen ausgeliehen hat. Keine schlechte Idee für beide, denn das Kulturhotel Elmau profitiert vom Know-how des Festivals und das Verbier-Festival bekommt weitere Bekanntheit.

Zu erleben waren in dieser Woche tatsächlich eine ganze Reihe interessanter junger Musikerinnen und Musiker, daneben auch das Verbier Festival Chamber Orchestra. Denn das Festival bietet jeden Sommer ein eigenes Festivalorchester in Symphonieorchesterstärke auf. Das Kammerorchester ist die Kleinversion davon. Auch hier wirken vor allem junge Musikerinnen und Musiker mit, die von dem motivierten und motivierenden Orchestererzieher Gabor Takács-Nagy zu hervorragenden Leistungen animiert werden. So z.B. in Griegs Peer-Gynt-Suite zu duftig-leichtem und farbenreichem Spiel. Auf dem Programm stand u.a. auch die effektvoll-unterhaltsame Carmen-Suite für Streichorchester und Percussion von Rodion Shchedrin. Hier bewährten sich die jungen Musiker als nicht minder versiert.

Unter den solistischen Auftritten fielen in den vom Rezensenten besuchten Konzerten (1.-3. Dezember) besonders jene von Khatia Buniatishvili und David Aaron Carpenter auf. Die 22-jährige Georgierin Khatia Buniatishvili , die Martha Argerich als großes Vorbild hat, ist in der Tat eine spannende Musikerin, die mehr durch Eigenwilligkeit als durch Stromlinienförmigkeit auf sich aufmerksam machen möchte. Schon im Alter von sechs Jahren ist sie zusammen mit Orchester aufgetreten. Nach ihrem Studium in Tiflis wurde sie Meisterschülerin von Oleg Maisenberg in Wien. Auch Gidon Kremer wurde schon auf die Musikerin aufmerksam und lud sie nach Lockenhaus und zu einem gemeinsamen Auftritt in Wien ein.
Was bei Khatia Buniatishvili beeindruckt ist ihr enormes Temperament und ihr kraftvolles Spiel, unter Verzicht auf oberflächlichen Glanz. Das ist bei Schumann oder Chopin vielleicht noch nicht in aller Konsequenz ausgereift, aber wer Prokofievs schwierige siebte Sonate mit einem derartigen Furor darzubieten versteht, der hat eine zweifellos hervorragende Visitenkarte bei Talent-Scouts.

Ohne jeden Zweifel ein herausragendes Talent ist auch der aus New York stammende und an der Juilliard School ausgebildete Bratscher David Aaron Carpenter. Mit Werken von Hindemith, Prokofiev und Piazzolla verdeutlichte er neben seinem ungeheuren Virtuosenpotential zugleich eine große stilistische Bandbreite, die auch nicht vor Paganini-Capricen halt macht. Sein klangvoller, wunderbar schlanker und agiler Ton enthebt die Viola gleichermaßen ihrer Erdenschwere und gibt ihr die Leichtigkeit einer Violine. Ein außergewöhnliches Talent, von dem man in den nächsten Jahren sicher noch viel hören wird.
Robert Jungwirth

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