Turangalila

Im gleißenden Licht der Sterne

Jun Märkl dirigierte bei den Münchner Philharmonikern Messiaens „Turangalila“-Symphonie
(München, 3. Dezember 2008) Transzendenz ist das Leitthema des Messiaen-Zyklus der Münchner Philharmoniker. Natur, Mensch und Gott – diesen Dreisprung der Transzendenz veranschaulichen die Werke, die in ihm zu hören sind: „Des Canyons aux étoiles“, die „Turangalila“-Symphonie und „Et expecto resurrectionem“. Transzendenz ist freilich auch eines der Leitthemen für Messiaens Leben gewesen. Der tiefreligiöse Komponist empfand nicht nur in der Musik die Möglichkeit zur spirituellen Überhöhung, sondern auch in der Natur und – natürlich – in der menschlichen Liebe.
Thematisierte er in „Des Canyons aux étoiles“ Die Natur und ihre gewissermaßen kosmische Verbundenheit im dem Göttlichen, so tritt in seiner rund 30 Jahre davor entstandenen „Turangalila“-Symphonie die Liebesthematik in den Vordergrund. Der Titel ist den indischen Wörtern „Turaga“ für Zeit, Bewegung, Rhythmus und „Lila“ für das kosmische Spiel vom Werden und Vergehen und der Liebe entliehen und soll in in der Kombination einen „Liebesgesang“ und eine „Freudenhymne“ bedeuten.
Die zehnsätzige Riesensymphonie – wahrlich ein Poème de l’extase“ – für großes Orchester, Klavier und das elektronische Instrument Onde Martenot, entstand in den Jahren 1946-48 als Auftragswerk für das Boston Symphony Orchestra und wurde 1949 von dem 31 Jahre jungen Leonard Bernstein in Boston uraufgeführt.
Trotz der intensiven Arbeit mit den von ihm entwickelten Modi als gewissermaßen vor-serielle Kompositionsmethode und einer an der indischen Musik orientierten ausgefeilten Rhythmik ist die Symphonie auch sehr stark auf die Musiktradition bezogen. Immer wieder fühlt man sich an die stampfenden Rhythmen und motivischen Überlagerungen in Strawinskys „Sacre“ erinnert, oder aber an die Liebestodmotivik aus Wagners „Tristan“. Zusammen mit einem Zyklus von Klavierliedern und den „Cinq Rechants“ für Solostimmen fasste Messiaen seine „Turangalila“-Symphonie denn auch sogar unter dem Titel „Tristan-Trilogie“ zusammen, was allerdings weniger als direkter Bezug zu Wagners Oper als vielmehr zu dem Thema einer übermächtigen Liebe verstanden werden sollte.
Die Musiksprache in „Turangalila“ ist von der der „Canyons“ indes noch weit entfernt. Der Orchesterklang ist kompakter und weitaus weniger aufgefächert. Und es fehlen die später so wichtigen Vogelstimmen.
Jun Märkl am Pult der mit zahlreichen Aushilfen verstärkten Münchner Philharmoniker bemühte sich fast zu sehr, die klangliche Wucht der Partitur hörbar werden zu lassen. Auch wenn er die Rhythmik und Polyrhythmik immer wieder bewundernswert markant herausstellte (wunderbar klar und präzise auch der Pianist Seven Osborne), manches (vor allem im ersten Drittel) geriet denn doch arg füllig und wenig klangsinnlich. So hätte der vierte Satz „Chant d’amour“ wohl doch schwärmerischer, sehrender klingen können. Auch in der Dynamik blieb Märkl eher statisch.
Phantastisch in seiner überbordenden Freude und quirligen Lebendigkeit klang der fünfte Satz „Freude des Sternenbluts“ mit seinem in gleißender Helle gleichsam verglühenden Schluss, elegisch der „Garten des Liebesschlummers“.
Zum Abschluß des dreiteiligen Messiaen-Zyklus dirigiert am 11., 12. Und 13. Dezember Zubin Meta „Et exspecto resurrectionem“ und Bernsteins dritte Symphonie.
Robert Jungwirth

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.