Trio Zimmermann

Konzertkritik: Trio Zimmermann

Verzückt und entrückt

Frank Peter Zimmermann Foto: Harald Hoffmann│hänssler CLASSIC

Das Trio Zimmermann mit Werken von Mozart, Schubert und Hindemith in München
Von Robert Jungwirth
(München, 20. November 2015) Er war noch keine zehn Jahre alt, als er seine Umgebung mit der Aussage verblüfft hat, er möchte einmal ein Weltgeiger werden. Gesagt, getan, nach weiteren zehn Jahren hat Frank Peter Zimmermann dieses Ziel erreicht. Und seitdem hält er sich auch konsequent an der Weltspitze mit seiner klaren und stringenten Spielweise und einer fließenden Tongebung. Irgendwann hat Zimmermann dann auch noch beschlossen, ein Weltklasse-Kammermusiker zu werden und zu diesem Zweck das Trio Zimmermann mit zwei weiteren Weltklasse-Musikern, dem Bratscher Antoine Tamestit und dem Cellisten Christian Poltera gegründet. Intensiv haben die drei sich in der Vergangenheit etwa mit den Trios von Ludwig van Beethoven auseinandergesetzt, jetzt waren sie mit einem interessanten Programm von Mozart über Schubert bis Hindemith im dafür wunderbar geeigneten Münchner Prinzregententheater zu hören. (In diesem Theater hat Hindemith übrigens als Dirigent selbst seine Oper „Die Harmonie der Welt“ uraufgeführt.)
In Schuberts Trio Nr. 2 in B-Dur schien es noch als seien Tamestit und Poltera ein wenig wacher als Zimmermann, die Geige klang zunächst wenig konturiert, und Zimmermann saß sehr bequem nach hinten gelehnt, ohne große äußere Beteiligung – leider klang es auch so. Erst im Schlussrondo kamen alle drei der Schubertschen Licht-und-Schattenwelt näher. Ganz anders der Eindruck bei Hindemiths erstem Trio op. 34 aus dem Jahr 1924. In diesem überaus heiklen und extrem schwer zu spielenden frühen Selbstbehauptungswerk tobt sich der junge Komponist so richtig aus und fordert von den Musikern alles, was man sich als junger kühner Tonsetzer so ausdenken kann: verrückte rhythmische Wendungen, rasende Läufe im Unisono, sperrige Fugati. Das ist sicher nicht alles auf gleichem künstlerischem Niveau – etwa der Pizzicato-Satz ist doch recht belanglos – aber gerade im ersten und zweiten Satz zeigt sich schon Hindemiths Tonsprache der späteren Jahre und seine auf die Musikgeschichte rekurrierende Expressivität. Sagenhaft, wie die drei Musiker das mit bestechender Klarheit darzustellen vermochten. Und natürlich auch schön, dass auch ein solches Werk von so bedeutenden Musikern aufgeführt wird. (Zimmermann hat sich in letzter Zeit ja verstärkt mit den Werken Hindemiths, etwa seinen Sonaten beschäftigt.)
Die ganze zweite Hälfte des Abends war einem Werk gewidmet, dem etwas länglichen Divertimento Es-Dur KV 563 von Mozart. Ein Werk, das ebenfalls in den ersten beiden Sätzen Erstaunliches zu bieten hat, dann aber – der Konvention der Gattung folgend – ein wenig abfällt in der seriellen Folge von Menuett, Andante, Menuett, Allegro…Dabei ist dieser Mozart enorm diffizil zu spielen, erfordert höchste Konzentration und außerordentliche instrumentale Fähigkeiten. Unnötig zu erwähnen, dass die drei Musiker das alles im Übermaß besitzen und dazu noch eine wissende und atmende Agogik, die jede Phrase – selbst die länglichen – zu einer wahren Klangfreude werden lassen. Irgendwann hat man Zeit und Raum vergessen und bewegt sich nur mehr durch Mozarts’sche Klangströme in einem ewigen Gesang…Das Publikum war völlig verzückt und entrückt.

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