Toshio Hosokawa

Ins Fremde

Toshio Hosokawa Foto: Schott Verlag/Christopher Peter

Die Münchner Reihe „Nachtmusik der Moderne“ widmete ein Konzert dem japanischen Komponisten Toshio Hosokawa
(München, 29. November 2008) 1998 erlebte seine feinsinnige Oper „Visions of Lear“ nach Shakespeare ihre Uraufführung bei der Münchner Biennale, drei Jahre später bei der musica viva die Neufassung seines „Hiroshima Requiems“, jetzt widmete das Münchener Kammerorchester dem 53-jährigen Japaner Toshio Hosokawa ein Komponistenporträt. Es wurde eine faszinierende Reise in die Stille, Fremdheit und Tiefe fernöstlichen Denkens und Musizierens.
Wie ein Engel stieg die zierliche Mayumi Miyata im weich fließenden weißen Kleid die große Treppe in der Pinakothek der Moderne hinunter und zauberte auf der wie eine kleine schwarze Kathedrale aussehenden Mundorgel Sho überirdisch schöne Klänge – wie nicht von dieser Welt. „Sakura“ hieß das in diesem Jahr für Otto Tomek zum 80. Geburtstag komponierte Stück, später kam noch das nicht minder berückende „Wie ein Atem im Licht“ von 2002 hinzu.
Am Ende war Mayumi Miyata die Solistin in „Landscape V“ (1993): mit dem vornehmlich solistisch, nur in den seltenen Forte-Ausbrüchen chorisch spielenden Münchener Kammerorchester unter Alexander Liebreich vermochte sie Töne und eine Aura zu erzeugen, die schwer in Worte zu fassen ist. Spannungsvoll in jedem Takt, erlebte man diese Musik ebenso als Meditation wie die einzelnen Teile von „Ceremonial Dance“ aus dem Jahr 2000 oder das zwei Jahre später entstandene „Voyage VI“. Der Bratscher Kelvin Hawthorne ließ mit den großartig differenziert spielenden Streichern des Kammerorchesters hier eine ebenso filigrane wie zart vibrierende Welt erstehen, die den Zuhörer auf eine beglückende Reise ins Unbekannte mitnahm.
Klaus Kalchschmid

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