Tigran Mansurian

Armenisches Requiem

Tigran Mansurian

Das Münchner Kammerorchester und der Rias-Kammerchor führen Mansurians Requiem auf

(München, 24. November 2011) Gegen Mozart anzutreten – und das auch noch im gleichen Genre – das beweist Mut. Standzuhalten – das beweist Können. Tigran Mansurian, der 72jährige Armenier hat beides und dazu die starke Verwurzelung mit seiner Heimat. Sein Requiem, in Auftrag gegeben vom Münchner Kammerorchester und dem Rias Kammerchor, erklang nach der Berliner Uraufführung nun auch im Münchner Prinzregententheater. Das Werk – von Mansurian den Opfern des Armenier-Genozids in der Türkei gewidmet – wird von ihm bewusst nicht ins Dramatisch-Theatralische getrieben, sondern besinnt sich auf die Monodie armenischer Gesänge. Der Chor eröffnet das Werk a cappella und kehrt wie auch Sopran- und Bariton-Soli (vorzüglich aus dem Chor besetzt) immer wieder in diesen linearen, choralartigen Gesang zurück. Für Aufgewühltheit sorgt hingegen das Streichorchester. Alexander Liebreich koordinierte die beiden Stränge ebenso präzis wie temperamentvoll und sorgte dafür, dass MansuriansHandschrift plastisch zutage trat: Etwa im tänzerisch anmutenden Kyrie, einem sinnlichen Gotteslob, oder in den wild zerklüfteten Dies irae, einem überwältigenden Satz. Da fetzte das Kammerorchester die Tage des Zorns herbei und der Rias Chor "zerhackte" sie in gestochenem Staccato. Wie ein Tränensee breitete sich dagegen das in verschwimmenden Stimmen sehr originell umgesetzte Lacrimosa aus. Bei den Bitten um Bewahrung vor der Hölle und dem Rachen des Löwen (Domine Jesu Christe) trieb das Orchester das Grauen insistierend immer weiter, bis der Bariton besänftigte. Das Publikum ließ sich von Mansurians authentischer Musik und der fulminanten Wiedergabe mitreißen.

Mozarts unvollendete Totenmesse ist für viele die Krönung dieser lateinisch-liturgischen Musik. Liebreich war ihr ein feuriger, Dramatisches und Flehendes ausleuchtender Befürworter. In den brillanten (nach Levins Fassung noch vermehrten) Fugen blitzte alle Meisterschaft auf – auch bei Chor und Orchester. Neben Christoph Prégardien und Tareq Nazmi enttäuschten aber Sopran- und Alt-Soli. Großer Schlussjubel.

Gabriele Luster

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