Thielemann und die Münchner Philharmoniker

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Lichte Klanggemälde

Christian Thielemann Foto: Münchner Philharmoniker

Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker mit Strauss und Schumann
Richard Strauss‘ Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ ist eine Art musikalisches Lichtspieltheater. Nicht nur der Beginn, den Strauss nach dem „Hymnus an die Sonne“ in Nietzsches 1883-85 erschienenem Hauptwerk komponiert hat, gleicht dem Erstrahlen der Sonne am frühen Morgen. Im Verlauf des gesamten, etwa 35minütigen Werks läßt Strauss immer wieder suggestive Licht-und Schattenwirkungen durch eine überaus differenzierte Orchestrierung, aber auch durch wechselnde Tonarten-Charaktere aufscheinen.
 „Leidenschaftsthema in As-Dur (Blech, dunkelblau)“, so lautet zum Beispiel ein Vermerk in Strauss‘ Skizzenbuch zum „Zarathustra“.
Es weist Christian Thielemann als den Strauss-Dirigenten aus, den viele in ihm sehen, daß er in seiner Interpretation des Werks mit den Münchner Philharmonikern am 25. Februar genau dieses Changieren der Licht- und Farbwirkungen besonders plastisch herausarbeitet und sich nicht vornehmlich von den pathetischen Klangexstasen fortreissen läßt. Jedes Übermensch-Pathos weicht bei einer solchen Lesart wie von selbst, und an die Stelle vordergründiger Aufgeblasenheit tritt eine Art diskursiver Klangrede, wie sie sich Strauss vorgestellt haben mag.
Die Präzision und Perfektion, mit der das Orchester Thielemann dabei folgt, ist beeindruckend. Faszinierend, wie bei aller punktuellen Exaktheit immer auch eine betörende Klangsinnlichkeit hörbar wird.
Übergänge und Kontraste sind – wie im übrigen auch bei den zwei anderen Stücken des Abends – glasklar konturiert, was nur durch intensive Probenarbeit in Verbindung mit einer zielgenauen Interpretationsvorstellung sowie einer homogenen Partnerschaft zwischen Dirigent und Musikern zu erreichen ist. All das scheint bei Christian Thielemann und den Münchner Philharmonikern mittlerweile gewissermaßen zum Standart zu gehören und macht ihre gemeinsamen Konzerte zum spannendsten und inspiriertesten, was man in München derzeit hören kann.
Licht und Dunkel, das sind auch in Schumanns „Genoveva“-Ouvertüre aus dem Jahr 1847 zwei wesentliche konstituierende Elemente. Der Beginn ist dunkel-timbriert in satten Klängen der tiefen Streicher, die bei Thielemann so klingen als hätten die Musiker eine Brahms-Sinfonie auf den Pulten liegen. Der Weg von Schumann zu Brahms ist schließlich auch kein allzu weiter.
In Schumanns Cellokonzert a-moll mit dem jungen, hochtalentierten Thomas Moser als Solist, führt Thielemann das Orchester sensibel zurückgenommen als Begleitinstrument, nein als Dialog-Partner. Wobei das Wechselspiel von Orchester und Soloinstrument von einer fein-nuancierten Beredtheit getragen ist. Moser gibt sich zunächst ein wenig zurückhaltend, fast schüchtern, die große Geste ist seine Sache eher nicht. Allmählich spielt er sich mehr frei, gewinnt an Impulsivität und Ausdruck und seine Wiedergabe an Wirkung und Überzeugungskraft.

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