Thielemann Strauss-Henze

Zueignung an Strauss und Henze

Thielemann mit der Fortsetzung seines Strauss‘-Zyklus, plus Henze und Pfitzner
(München, 11. März 2009) Aus dem reichen Schatz der Strauss’schen Orchesterlieder schöpfen die Münchner Philharmoniker in dieser Saison und präsentieren ihrem Publikum zugleich damit Elite-Sängerinnen. Nach Renée Flemming und Karita Mattila reihte sich nun Diana Damrau ein. Als silbrig zwitschernder, kecker „Amor“ eröffnete sie eine Reihe von 14 Liedern, von denen viele nicht zum gängigen Hit-Programm gehören.
Nicht Strauss‘ rauschhafte Aufschwünge, nicht das strömende Legato schienen gefragt, sondern zarteste Skizzierung, kammermusikalische Duftigkeit und Fragilität. Die zauberte Christian Thielemann mit intensiver Hinwendung zu seiner Gesangspartnerin herbei und erntete die erlesene Piano-Kultur seiner Philharmoniker.
Auch Diana Damrau war auf Pianissimo geeicht. Doch die Gasteig-Akustik schlug zurück: Obwohl die Sopranistin die Traumgebilde der „Freundlichen Vision“ wunderbar aufscheinen ließ oder zarte Kontakte mit den sensibel agierenden Holzbläsern knüpfte, streifte sie zuweilen die Hörgrenze. Gleichzeitig litt die Phrasierung. Schade. Dennoch großer Jubel und helle Freude nach der zupackender angegangenen Zugabe: „Zueignung“.
Mit großem Orchesteraufgebot hatte der Abend begonnen: Hans Werner Henzes Adagio, Fuge und Mänadentanz aus seiner Oper „Die Bassariden“ wurde zum grandiosen, differenzierten Klangereignis. Faszinierend, wie Thielemann auch in den satten Ballungsmomenten, den aggressiven Schärfungen und der orgiastischen Aufgipfelung Kontur und Transparenz wahrte. Nach dem magisch aufgeladenen Schluss-Adagio brach der Jubel los – für die Interpreten und vor allem für den 83jährigen Henze, der aus dem Parkett dankte.
Zum Abschluss erklang die aus Hans Pfitzners Kantate „Von deutscher Seele“ gefilterte Symphonische Trilogie. Thielemann setzte auf Suggestion statt Pathos, zielte auf Feinzeichnung (herrliche Soli) und gewann.
Gabriele Luster
Wiederholung heute und morgen, jeweils 20 Uhr in der Philharmonie

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