Thielemann mit Strauss

Strauss, Strauss und Strauss

Man spürt es in beinahe jedem Takt dieses „Don Juan“, wie es den jungen Richard Strauss zur Oper drängte. Die Musik, dieses 1888 entstandenen Werks birst geradezu vor dramatischer Spannung und gestischem Reichtum. Der Wiener Kritiker-Papst Eduard Hanslick, der Wagner und Bruckner-Verächter, schlug gar vor, man solle dieses Werk pantomimisch aufführen. Zunächst hatte Strauss tatsächlich den Plan, aus dem Don Juan-Stoff eine Oper zu machen. Dann wurde es aber doch der „Guntram“. Christian Thielemann setzte „Don Juan“ an den Beginn eines reinen Strauss-Programms, mit dem er die Saison – reichlich spät – bei „seinem“ Orchester eröffnete (kurz bevor er und das Orchester zu einer ausgedehnten Süd-Ost-Asien-Tournee aufbrechen).
Faszinierend, wie klanglich ausbalanciert und gleichzeitig dramatisch aufgeladen das Orchester unter Thielemann die Partitur bildhaft zum Leben erweckt. Auffahrend, mit geradezu fordernder Attitüde das erste Thema, glühend inniglich das Liebesthema. Thielemann und seinen Musikern gelingt es, die Musik punktgenau zu akzentuieren. Die Präszision, mit der ein Fortissimi blitzschnell in ein Piano umschlägt, ist dabei nie bloß vordergründig polierte Oberfläche, sondern immer angefüllt mit inhaltlicher Intentionalität.
All die frühen Tondichtungen von Richard Strauss sind Zeugnisse der kompositorischen Selbstvergewisserung dieses ungeheuren Talents, höchst autobiographisch, dabei gleichzeitig in hohem Maß auch Ausdruck ihrer Zeit, oder besser ihres geistesgeschichtlichen Umfelds. In „Tod und Verklärung“ (1888-89) geht es letztlich um die Transzendenz des Künstlerischen, das sich im „richtigen Leben“ nur unzureichend entfalten und Anerkennung finden kann. Das war jedenfalls die Meinung des jungen, um öffentliche Anerkennung ringenden Strauss.
Ironischerweise trug gerade dieses Werk noch vor dem „Don Juan“ zu Strauss‘ Reputation erheblich bei. Heute steht es eher selten auf den Konzertprogrammen. Dabei greift der alte Strauss in seinen vier letzten Lieder sogar noch einmal auf ein Thema dieser Tondichtung zurück. Die Philharmoniker demonstrierten präzise Klanglichkeit und kontrollierte Emphase, die in zauberhaften ätherisch transzendenten Schlußgesang mündet. Spätestens mit diesem Werk hat Strauss den Grundstein gelegt für seine späteren unvergleichlichen apotheotischen Opernschlüsse.
Im zweiten Teil dann der „Zarathustra“ (1895-96), den Thielemann ebenso wie den „Don Juan“ seinem Münchner Publikum bereits in der vergangenen Saison präsentierte. Aber weil die Stücke nunmal auf dem Tourneeprogramm stehen – mit Strauss und Wagner geben Orchester und Chefdirigent auch gewiß eine hervorragende Visitenkarte ab – kamen auch die Münchner nochmal in den Genuß dieser Werke. Und die Philharmonie war keineswegs licht besetzt. Man weiß, was es bedeutet, wenn Thielemann Strauss dirigiert: Es gibt schlichtweg derzeit kaum einen anderen Dirigenten, der diesem Komponisten zu einer solchen eminenten Strahlkraft und gehaltvollen Intensität verhilft. Die Philharmoniker fühlen sich unter Thielemann wie seinerzeit bei Celi zu Höherem berufen, und so klingt es auch (vgl. die Kritik vom März 2007 auf KlassikInfo.de)
Als Zuckerl gab’s noch die „Meistersinger“-Ouvertüre, die man als Zugabenstück mit nach Asien nimmt, und die Thielemann den Münchnern netterweise auch noch kredenzte.
Wir wünschen gute Reise und erfolgreiche Konzerte! Und freuen uns bei der Wiederkehr auch mal wieder etwas anders als Strauss zu hören. Wie wäre es eigentlich mal mit Mahler?
Robert Jungwirth

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