Thielemann dirigiert Strauss bei den Salzburger Festspielen 2011

"Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken" – unter dieser von Luigi Nono formulierten Forderung stehen die Salzburger Festspiele des kommenden Jahres. Erstmals und vorerst auch zum letzten Mal wird der bisherige Konzertchef der Festspiele, Markus Hinterhäuser, als Intendant fungieren, bevor im nächsten Jahr dann der neue Intendant Alexander Pereira die Geschicke des Festivals leiten wird.
Die Oper

Drei Neuproduktionen stehen im Zentrum des Opernprogramms 2011:
Riccardo Muti und Peter Stein nehmen sich Giuseppe Verdis Macbeth, Shakespeares Werk um Macht und Herrschaft, in der Felsenreitschule an.
Christian Thielemann und Christoph Loy zeigen ihre Interpretation von Richard Strauss‘ Frau ohne Schatten. Die Janáček-Tradition der Salzburger Festspiele fortsetzend, steht erstmals und ebenfalls im Großen Festspielhaus Leos Janáčeks Die Sache Makropulos auf dem Spielplan. In der Titelrolle des exzentrischen Bühnenwerks wird Angela Denoke unter der musikalischen Leitung von Esa-Pekka Salonen und in der Regie von Christoph Marthaler zu erleben sein. In allen drei Opern spielen die Wiener Philharmoniker.

Alle drei DaPonte-Opern W.A. Mozarts sind ebenfalls in Salzburg zu sehen – als Wiederaufnahmen. Die wesentliche Neuerung 2011 betrifft die Orchester: Neue Sängerbesetzungen werden von drei Dirigenten und Regisseur Claus Guth neu einstudiert: Das Orchestra of the Age of Enlightenment übernimmt unter dem jungen Briten Robin Ticciati Le nozze di Figaro. Les Musiciens du Louvre spielen unter ihrem Gründer Marc Minkowski Così fan tutte. Die Wiener Philharmoniker widmen sich unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin Don Giovanni.

Luxuriös besetzt als konzertante Doppelvorstellung im Großen Festspielhaus sind auch zwei lyrische Opern: Anna Netrebko singt in Tschaikowskis Iolanta die blinde Prinzessin, Piotr Beczala ist Graf Vaudémont. Im zweiten Teil dirigiert Ivor Bolton das Mozarteumorchester Salzburg in Igor Strawinskys Le Rossignol. Mit der an atemberaubenden Koloraturen reichen Titelpartie gibt die junge St. Petersburgerin Julia Novikova, Gewinnerin von Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb, ihr Festspieldebüt.

Das Konzert

Das programmatische Herzstück der Konzerte 2011 bilden die Reihen Der Fünfte Kontinent und die Mahler-Szenen. Die Kontinente stellen im fünften Jahr exemplarische Kompositionen der letzten Jahrzehnte einander gegenüber:

Erstmals seit der Salzburger Aufführung 1993 wird Nonos monumentale "Tragödie des Hörens" Prometeo wieder in der Kollegienkirche zu hören sein, wie damals unter der Leitung von Ingo Metzmacher und in der Klangregie von André Richard.
Nach dem Erfolg von Jagden und Formen 2010 sind Sasha Waltz & Guests erneut mit einem choreografischen Projekt zu Gast. Am Programm des Fünften Kontinents stehen außerdem Werke von John Cage, Morton Feldman, Karlheinz Stockhausen, Giacinto Scelsi und Georg Friedrich Haas, dessen Streichquartett Nr. 3 In iij. Noct., das in völliger Dunkelheit gespielt wird, die Reihe abschließt.
Der Fünfte Kontinent führt in Salzburg Künstler wie das Klangforum Wien, das Ensemble Modern, die basel sinfonietta, les ensembles solistes XXI und das stadler quartett sowie die Dirigenten Ingo Metzmacher, Jonathan Nott, Emilio Pomárico, Rachid Safir, Steven Sloane und die Regisseurin und Choreographin Sasha Waltz zusammen.

Der 9-teilige Zyklus der Mahler-Szenen setzt sich 2011 mit dem Jahresregenten auseinander und stellt Werke Mahlers Kompositionen gegenüber von Johann-Strauß, Franz Schubert, Alban Berg, Dmitri Schostakowitsch, Viktor Ullmann, Karl Amadeus Hartmann, Alfred Schnittke und Hans Rott.
Interpreten sind Pierre Boulez, Gustavo Dudamel, Christiane Karg, Renaud Capuçon, Antoine Tamestit, Clemens Hagen, Albrecht Mayer, Jörg Widmann, Martin Grubinger, Piotr Beczala, Christian Gerhaher, András Schiff, Matthias Goerne, Cornelius Meister, Leif Ove Andsnes, Christopher Maltman, Bruno Ganz.

Die Wiener Philharmoniker gestalten im Sommer fünf Programme, worin sich Christian Thielemann und Renée Fleming mit einem reinen Richard-Strauss-Programm präsentieren.
Riccardo Muti verpflichtet sich Giuseppe Verdis Requiem. Mariss Jansons dirigiert  Strawinskys Petruschka und Ravels La Valse sowie Liszts Erstes Klavierkonzert mit Lang Lang.
Franz Welser-Möst legt Schuberts "Der Tod und das Mädchen" in Mahlers Bearbeitung für Streichorchester und die Lyrische Symphonie in sieben Gesängen von Alexander Zemlinsky mit Christine Schäfer und Michael Volle, vor. Eröffnet wird die Reihe unter Pierre Boulez mit Alban Berg und Gustav Mahler.

In der Reihe der Gastorchester begrüßen die Festspiele Sir Colin Davis und das Gustav Mahler Jugendorchester, das ORF Radio-Symphonierorchester Wien mit Cornelius Meister, das Simón Bolívar Symphony Orchestra mit Gustavo Dudamel, Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra und erstmals das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Papano sowie das Chicago Symphony Orchestra unter seinem neuen Chefdirigenten Riccardo Muti. Die Berliner Philharmoniker beschließen traditionell mit Sir Simon Rattle die Salzburger Festspiele.

Die erste Zusammenarbeit der Camerata Salzburg mit dem Dirigenten Kent Nagano formiert sich bei den Salzburger Festspielen 2011 mit Werken von Mahler, Beethoven, Schubert, Strauss, Webern, Britten, Bartók, Ives, Karl Amadeus Hartmann und W.A. Mozart.

Ungewöhnliche Begegnungen und neue Hörerlebnisse bieten zudem die Reihen der Kammerkonzerte, Liederabende, Solistenkonzerte und Mozart-Matineen.

Das Schauspiel

Zwei Uraufführungen, die Neuinszenierung des Faust-Marathons in Hallein und von Maß für Maß im Landestheater, bilden neben der Wiederaufnahme von Jedermann und Ein Sommernachtstraum die Schwerpunkte des Schauspielprogramms 2011.

In der überarbeiteten Inszenierung von Christian Stückl erfolgt die Wiederaufnahme des Jedermann 2011 in fast unveränderter Besetzung, allein die Guten Werke wird Lina Beckmann dieses Jahr neu interpretieren.

Der Spielplan des Young Directors Project 2011 (mit Produktionen aus den USA, Dänemark, Schweden, Großbritannien und Belgien) erlaubt es, im zehnten Jubiläumsjahr, innerhalb von zwei Tagen alle 5 Aufführungen an Spielstätten in ganz Salzburg zu erleben.

Roland Schimmelpfennig inszeniert seine Auftrags-Uraufführung Die vier Himmelsrichtungen im Salzburger Landestheater. Er erzählt in seinem neuen Stück die Geschichte von sechs Menschen, die in einer Großstadt aus allen Himmelsrichtungen aufeinander treffen, wobei sich ihre schicksalhaften Lebensläufe durch raffinierte Perspektivwechsel und Rückblenden erst ganz zum Schluss offenbaren. Die Aufführung bringt ein Wiedersehen mit den Festspielkünstlern Johannes Schütz, Kathleen Morgeneyer, Almut Zilcher, Jens Lehmann, sein Festspieldebüt gibt hier Ulrich Matthes.

Nicolas Stemann inszeniert beide Teile von Goethes Faust als Marathonvorstellungen an vier Wochenenden auf der Perner-Insel Hallein. Am Tag nach der Premiere beginnt die Programmreihe Auf eigene Faust u.a. mit einer Lesung mit Klaus Maria Brandauer, der szenischen Einrichtung von Daniel Kehlmanns Stück Geister in Princeton: einem Auftragswerk der Salzburger Festspiele, das von dem Wissenschaftler Kurt Gödel handelt, Ibsen-Preisträger Jon Fosses Version von Faust, einem Konzert mit "Unterhaltungsmusik zur Suche nach Erkenntnis" der Österreicherin Gustav mit Ben Becker als singendem Gast u.v.m.

Die Uraufführung Immer noch Sturm ist vielleicht Peter Handkes persönlichstes Theaterstück – eine Art Traumspiel, in dem ein Erzähler die Geschichte seiner Familie, und darin auch seiner Leute, der slowenischen Kärntner erzählt. Dimiter Gotscheff führt Regie.
Das Stefan Zweig Center und die Universität Salzburg in der Edmundsburg werden sich begleitend zu einem Ort Jenseits der Grenze verwandeln – Lesungen, Gespräche und Filmaufführungen bilden ein Rahmenprogramm zu Handkes Welt. Die Reihe Dichter zu Gast geht in diesem Jahr auf in den zwei Begleitprogrammen: Jenseits der Grenze zu Peter Handkes Immer noch Sturm und Auf eigene Faust zu Goethes Faust 1&2.

Thomas Ostermeier kehrt mit der Inszenierung von Shakespeares Maß für Maß zu den Festspielen zurück. Das Stück liefert eine schonungslose Analyse der zwischenmenschlichen Dynamik im Umgang mit Macht und ist gleichzeitig eine federnde Komödie über die Schwierigkeit, das Richtige zu tun. In den Hauptrollen sind Gert Voss und Lars Eidinger zu sehen. Die Neuübersetzung übernahm Marius von Mayenburg.

Nach dem Erfolg der letztjährigen Produktion erfolgt eine Wiederaufnahme unter neuer Regie und mit neuen Schauspielstudenten der Universität Mozarteum: Die Aufführung vereint im Park von Schloss Leopoldskron ein abendliches Picknick mit der Theater- und Filmaufführung von Ein Sommernachtstraum.

Das Programm der Salzburger Festspiele 2011 bietet 185 Veranstaltungen an 14 Spielorten in den drei Sparten Oper, Konzert und Schauspiel.

Das Programm im Detail, Hintergrundberichte sowie online Verkauf unter www.salzburgerfestspiele.at 

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