Außergewöhnlicher Zusammenklang

Wolfgang Amadeus Mozart: "The Last Concertos"
Klavierkonzert KV 595, Klarinettenkonzert
Andreas Staier, Hammerklavier; Lorenzo Copplola, Klarinette, Freiburger Barockorchester unter Gottfried von der Goltz
harmonia mundi france (HMF), 1 CD

Das Freiburger Barockorchester hat längst die Epochengrenze seines Namens gesprengt. Wie so viele Ensembles mit Alten Instrumenten tummelt es sich auch auf dem Gebiet der Klassik und hat sich sogar schon in die Gegenwart vorgewagt. Und das ist gut so, denn das FBO zählt, unter der Leitung seines Konzermeisters Gottfried von der Goltz, zu den Orchestern, mit denen es dem Zuhörer nie langweilig wird. Wo "FBO" drauf ist, da ist mit Gewissheit Spannendes drin.
So auch in der neuesten CD, die wieder einmal Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet ist. Nach CDs mit Bläserkonzerten, Sinfonien oder Divertimenti gilt es hier den letzten Konzerten Mozarts, dem Klavierkonzert B-Dur, KV 595, und dem Klarinettenkonzert, KV 622.

Andreas Staier gibt sein Debüt als Mozart-Solist des FBO. Und wie er das macht, das ist die Sensation dieser Einspielung. Der zarte, gläserne Klang des Hammerklaviers wird zwar immer noch nicht die eingefleischten Anhänger des Flügel-Sounds umstimmen können. Aber wie Staier damit umgeht, wie er das Instrument zum Singen bringt und sich darauf in gleichsam in einen Rausch spielerischer Virtuosität begibt, das gab es so bisher nicht. Staier hat für diese Aufnahme Fesseln gesprengt, Grenzen überwunden. Unter seinen Händen wächst das Hammerklavier über sich hinaus. Staier zeigt, wie dieses Instrument wirklich in der Lage ist, Klänge zu mischen und zu neue Farben daraus zu gewinnen. Der Gedanke kommt nahe, ob es nicht das war, was Mozart im Sinn hatte. Denn so etwas schafft ein "modernes" Instrument natürlich nicht. Gegen den Farbzauber, den Staier hier freisetzt, wirkt der Konzertflügel eindimensional. Und er schafft auch nicht diese nach innen gekehrte Zartheit, die Staier und sein Instrument dem Larghetto angedeihen lassen - wohl die feinste, unsentimentalste, im Zusammenklang von Solo und Orchester stimmigste Interpretation, die dieser Satz je erlebt hat.
Beim Klarinettenkonzert, mit Lorenzo Coppola als Solisten, ist die Wirkung nicht derart überwältigend. Da wurde der Originalklang schon von anderen ausführlich getestet - FBO und Solist tragen hier eine weitere, gleichwohl sehr lebendige Facette bei.

Laszlo Molnar

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