Tal/Groethuysen

Nuancen des Windes

Zwei neue CDs von Yaara Tal und Andreas Groethuysen 

Von Klaus Kalchschmid
Das Ehepaar Yaara Tal und Andreas Groethuysen ist neugierig und experimentierfreudig wie sonst kaum ein anderes Klavierduo, damit aber auch unermüdlich im fantasievollen Ausschreiten ungewöhnlichen Repertoires. Auf ihrer neuesten CD spielen sie Arrangements von Orchesterwerken der Zeitgenossen Claude Debussy (geboren 1862) und Richard Strauss (geboren 1864) mit einer Leuchtkraft und klanglichen Sensibilität, welche die Partituren in ganz neuem Licht erscheinen lässt.

In Debussys eigenhändiger Transkription für zwei Klaviere des „Prelude à l’après-midi d’un Faune“ steht französische clartè im Mittelpunkt, nicht der schwül-erotische Duft. Und in den drei Teilen von „La Mer“ kann man hören, dass – auch wenn die CD so heißt – nicht nur „Farben“ für die Komposition prägend sind, sondern genauso strukturelle und dramatisch sich entwickelnde Momente, die auch die originale Klaviermusik von Debussy so faszinierend machen. Tal/Groethuysen zaubern freilich auch immer wieder durch feine Nuancen des Anschlags und durchsichtiges Zusammenspiel, etwa im abschließenden „Gespräch des Windes mit dem Meer“.

Das gelingt den beiden auch in einem wunderbar rhythmisch pointierten und mehrstimmig aufgefächerten „Tanz der sieben Schleier“ Salomes, der raffinierten Walzerfolge aus dem „Rosenkavalier“ und der berühmten Tondichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“, die hier fast noch mehr quirligen Witz entfaltet als in der Originalfassung für Orchester.

Yaara Tal, bereits schon längere Zeit auch solo unterwegs, hat gleichzeitig mit „Colors“ ein Album mit dem Titel „Polonaise“ herausgebracht, das in erster Linie eine Ehrenrettung für Franz Xaver Mozart darstellt, den Sohn Wolfgang Amadeus Mozarts. Dessen über einen Zeitraum von sieben Jahren (1811 bis 1818) komponierte zehn „Polonaises mélancoliques“ dringen immer weiter in die Romantik vor. Anfangs (in op. 17) mischen sich noch klassische (Begleit-)Figuren in die Tänze, doch je später entstanden, desto freier klingt die Tonsprache des Mozart-Sohns in op. 22. Deshalb nehmen sich die anschließenden drei Polonaisen Frédéric Chopins von 1821, 1826 und 1829 wie eine logische Fortsetzung aus oder könnten umgekehrt Mozarts Stücke möglicherweise Vorbilder für Chopin gewesen sein. Yaara Tal hat ein gutes Gespür für das Janusköpfige dieser Musik und beschwert sie nicht mit allzu großem Ausdruck, sondern hält stets eine perfekte Balance zwischen Eleganz und Expression.

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