Strauss-Suiten

CD der Woche

Manfred Honeck und das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Suiten aus den Opern „Elektra“ und „Rosenkavalier“
Zwischen den beiden Opern „Elektra“ und „Rosenkavalier“ liegen Welten. Hier eine griechische Tragödie in Form eines brutalen Familiendramas, dort eine heiter-melancholische Liebesgeschichte im Wien zur Zeit Maria Theresias. Hier hochexpressive und auch brutale Klänge an der Schwelle zur Atonalität, dort beinahe dissonanzenfreie Walzerseligkeit. Dass Richard Strauss seine beiden stilistisch so weit voneinander entfernten Opern unmittelbar nacheinander komponiert hat – nur ein paar Monate liegen zwischen der Beendigung der einen und dem Beginn der anderen – ist schier unglaublich angesichts der enormen Gegensätze, die sich hier dem Hörer offenbaren.
Während Strauss für seinen gefälligen „Rosenkavalier“ selbst nach der Uraufführung eine Orchestersuite erstellte, die später von Artur Rodzinski erweitert wurde und in dieser Form heute zumeist gespielt wird, blieb ein solches Werk für die „Elektra“ aus, was auch nicht weiter verwundert, denn gefällig ist diese Musik nun wirklich nicht. Der Leiter des Pittsburgh Symphony Orchestra und passionierte Strauss-Dirigent Manfred Honeck aber hält die Elektra-Musik auch ohne Gesangsstimmen für so bedeutsam, dass er aus der Oper in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Tomas Ille eine 12-teilige Suite erstellt hat. Denn – so ist Honeck überzeugt – das Orchester spiele die eigentliche Hauptrolle in dieser Oper, es gehe weit über eine Begleitfunktion hinaus.
Die 12 Abschnitte der „Elektra“-Suite spiegeln in komprimierter Form den Inhalt der Oper wider. Von Elektras Klage über den verlorenen Vater über die gruselige Auseinandersetzung mit der Mutter Klytaemnestra, die Wiederbegegnung mit dem totgeglaubten Bruder Orest bishin zum Muttermord durch den Bruder und dem ekstatischen Ende Elektras in einem tranceartigen Tanz. Die Übergänge sind mal mehr mal weniger gut gelungen, die Exaltationen der Partitur aber überzeugend herausgearbeitet, wenngleich der Klang in der Aufnahme mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra, dessen Chefdirigent Manfred Honeck ist, durchaus mehr Transparenz vertragen könnte. Honeck neigt eher zur Fülle als zur Klangdifferenzierung, was bei aller Ekstatik der Partitur doch eine zu einseitige Interpretationsweise darstellt. Zumal Honeck im Begleitheft den Farbenreichtum von Strauss‘ Partitur lobt. Zu hören ist das leider eher weniger. Enorm der Kontrast von der Düsternis der Elektrawelt zur hellen Welt des „Rosenkavalier“.
Hier kommen tatsächlich mehr Orchesterfarben und Stimmungen zur Geltung und offenbaren die instrumentalen Qualitäten des traditionsreichen 120 Jahre alten Pittsburgh Symphony Orchestra, das schon so bedeutende Chefdirigenten wie Fritz Reiner, Lorin Maazel oder Mariss Jansons hatte. Vermutlich war Artur Rodzinski doch der bessere Arrangeur als Tomas Ille.
Robert Jungwirth

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