Steinbacher, Mönkemeyer und Carydis

Arabella Steinbacher Foto: Agentur

Tanz mit Mozart

Das Mozarteum-Orchester Salzburg ist mit Araballa Steinbacher und Nils Mönkemeyer unter der Leitung des Dirigenten Constantinos Carydis auf Tournee – in München demonstrierten sie ihre besondere Beziehung zu Mozart

Von Laszlo Molnar

(München, 28. November 2017) Seit Jahrzehnten steht das Mozarteum Orchester Salzburg ganz vorne bei der Mozart-Interpretation. Das offizielle Orchester von Stadt und Land Salzburg wurde geleitet von Chefdirigenten wie Leopold Hager, Hubert Soudant und Ivor Bolton, die zu ihrer Zeit für eine besonders aufgeklärte und fortschrittliche Art standen, Mozarts Musik aufzuführen. Als Nachfolger von Ivor Bolton, der sich in München besonders durch seine Händel-Aufführungen in der Staatsoper bekannt machte, steht nun Riccardo ainasi dem Orchester vor. Ein Dirigent, der feste Wurzeln in der historischen Aufführungspraxis hat.

Zu seinem jüngsten Gastspiel in die Münchner Philharmonie kam das Mozarteum Orchester auf seiner aktuellen Tour unter dem Dirigenten Constantinos Carydis, zusammen mit der Geigerin Arabella Steinbacher und dem Bratscher Nils Mönkemeyer. Sie alle vereint künstlerische und persönliche Bindungen mit München. Steinbacher stammt von hier, Carydis hat hier studiert und Mönkemeyer unterrichtet an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Erst vor kurzem leitete Carydis an der Bayerischen Staatsoper die Premiere der Neuinszenierung von Mozarts „Figaro“.

Den Eindruck eines überaus temperamentvollen, dabei genauestens im Detail arbeitenden Mozart-Dirigenten festigte Carydis in diesem Konzert nicht nur, er vertiefte ihn. Mit dem Mozarteum-Orchester hat er auch die Musizierpartner, die ihm in die feinsten Verästelungen seiner Arbeit folgen und daraus musikalische Funken schlagen können. Das ist wichtig, weil Carydis in den zwei Mozart-Sinfonien des Programms, der Nr. 34 in C-Dur, KV 338, und der Nr. 40, g-Moll, KV 550, sehr scharfe Tempi anschlug, die auch die erfahrenen Mozarteum-Musiker an ihre Grenzen führten.

Was man an einem noch jungen Dirigenten wie Carydis beobachten kann ist, wie intensiv auch die „klassische“ Dirigentenausbildung inzwischen die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis integriert und zu grundsätzlichen Qualitäten der Interpretation gemacht hat. Carydis‘ Mozart wirkt über weite Strecken wie ein jugendfrische Neuerstehung von Nikolaus Harnoncourts Mozart-Deutung – mit einem so knackigen, kammermusikalisch agierenden Orchester wie dem Mozarteum-Orchester noch aufgewühlter, noch herber, noch verwegener. Besonders der letzte Satz der vielen so „vertrauten“ g-Moll-Sinfonie wirkte unter Carydis wie eine Rebellion Mozarts gegen die Konventionen: Mit wie mit dem Beil gehackten Generalpausen bringt er den Satz quasi zum Stillstand und lässt dann seinen Aufbau gewissermaßen rückwärts zum Ende hin ablaufen. Mozart hatte eine Riesenfreude daran, sein Publikum aus schönen Gewohnheiten herauszureißen. Um das zu zeigen, braucht es Draufgänger wie Carydis.

Mit der Sinfonia concertante Es-Dur für Violine, Viola und Orchester, KV 364, stand eine der hinreißendsten Kompositionen Mozarts auf dem Programm. Aus der Möglichkeit, zwei Streicher in einen Dialog zu bringen entwickelte Mozart für die Solisten Ideen und eine Konzeption des Für-Sich und Miteinanders, die keines seiner – für sich schon grandiosen Violinkonzerte – entwickeln kann. Es ist alles absolute Musik und doch so intensiv dialogisch, dass man meint, die Instrumente unterhalten sich ganz für sich.
Besonders Mönkemeyer arbeitete diesen Gestus mit größtem Charme und Geschmack heraus. Er umarmt seine Viola mehr, als dass er sie führt; mit dem ganzen Körper geht er mit seinem Instrument mit, sein Arm erscheint wie vom Bogen geführt, so natürlich bildet er eine Einheit damit. Liebevoll, verzückt, überrascht blickte er sein Instrument an, das ihm und seinen Zuhörern Töne von unwiderstehlicher Lebendigkeit und Farbigkeit darbot. Mozart soll sich den Viola-Part selbst zugedacht haben – warum, das konnte man in diesem Konzert sehr gut nachvollziehen.

Arabella Steinbacher wirkte angesichts von Mönkemeyers Tanz mit Mozart und der Viola sehr diszipliniert und streng geschult. In aufrechter Haltung wird die Geige exakt gehalten. Ihr Ton war weniger farbig und musikantisch-lustvoll, mehr wohlerzogen und auf Schönheit bedacht. Im Lauf der Stücks wurde Steinbacher aber immer lockerer und ließ sich mehr und mehr auf ihren Partner ein. Ihr schöner, schnörkelloser und immer charaktervoller Ton gefällt – sie sollte einfach öfter mit einem wie Mönkemeyer musizieren, etwa die wundervoll zarten Duette für Violine und Viola Mozarts, aus denen sie als Zugabe einen langsamen Satz spielten.

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