Solaris 2

Science Fiction mit Retromusik

Kris Kelvin (Nikolay Borchev), Harey (Aoife Miskelly) Foto: Bernd Uhlig

Patrick Kinmonth (Regie) und Darko Petrovic (Bühne – Kostüme: Annina Von Pfuel) verfallen nicht in den Fehler der Bregenzer Szeniker Moshe Leiser/Patrice Caurier, die Inszenierung auf malerisches Science Fiction zu begrenzen. Petrovic hat eine auf Stelzen montierte Spielfläche gebaut, bei welcher man eine aufgebrochene Eierschale oder auch den Teil eines Schiffskörpers assoziieren mag. Bewegte Wände sorgen geschickt für überraschende, geheimnisvolle Auftritte. Dass der den Solaris-Ozean verkörpernde Chor (perfekte Einstudierung wie immer: Andrew Ollivant) entgegen Glanerts Vorschrift real auftritt (dachte man an die griechische Tragödie?), mutet hingegen etwas fragwürdig an. Gänzlich fatal ist die Idee, das Plasmameer durch echtes Wasser zu visualisieren, das die gesamte Spielfläche bedeckt und durch das sich alle Mitwirkenden mühsam hindurch arbeiten müssen. Beim Premierenapplaus ging sogar das Produktionsteam „baden“. Dirigent Lothar Zagrosek trug immerhin Stiefel. Prinzipiell aber führt Kinmonth, der vor Ort mit „Butterfly“ ins Regiefach einstieg und danach noch mit Schrekers „Gezeichnete“ beeindruckte, die Darsteller mit gestischer Expressivität und poetischer Ausdruckskraft, was manchmal sogar über merkliche Längen im 2. Akt hinweg hilft.
Unter den Sängern ist die junge irische Sopranistin Aoife Miskelly hervorzuheben, die im Opernstudio begann, dann eine beachtliche Gilda gab und nun zum Ensemble gehört. Ihr Gesang leuchtet die Partie der Harey (welche am Schluss übrigens gewollt der Bombadierung des Planeten durch Sartorius zum Opfer fällt) wundervoll aus. Schlanke Figur, intensives Spiel. Nikolay Borchvs kraftvoll-kerniger Bariton besitzt genügend lyrische Farben, um Kelvin auch als sensiblen Liebhaber glaubhaft sein zu lassen. Attraktives Äußeres, vehemente Bühnenpräsenz. Gleiches gilt für Martin Koch, der den Snaut bereits in Bregenz verkörperte. Seine Stimme geht mittlerweile über seine bisherigen, buffonesk geprägten Charakterpartien hinaus. Aus Sartorius macht Bjarni Thor Kristinsson – prägnant, leicht skurril, mit erzenem Bass –  einen Verwandten des Doktors in Bergs „Wozzeck“. Bei den kleineren Partien überzeugen Dalia Schaechter als Snauts Mutter (= Alte Frau), die eine physisch nicht gerade angenehme Szene mit Würde absolviert, und Hanna Herfurtner (Zwerg). Quilin Zhang gibt im Zottelpelz die Baboon, ein Wesen, welches in dem ganzen Geschehen nur schwer zu verorten ist. Als Meister im Bereich zeitgenössischer Musik erweist sich neuerlich Lothar Zagrosek, in Köln kein Unbekannter. Er lenkt das Gürzenich-Orchester mit souveränem Klangsinn.

       
Weitere Opern- und Konzertkritiken auf KlassikInfo >

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.