Siemens Musikpreis für Ferneyhough

Der englische Komponist Brian Ferneyhough erhielt in München den Ernst von Siemens Musikpreis

Brian Ferneyhough Foto: Charlotte Oswald / Siemens Stiftung

(München, 3. Mai 2007) Noch nie in der Geschichte des Ernst von Siemens Musikpreises wurde eine so hohe Preissumme vergeben wie 2007. Insgesamt 2 Millionen Euro an Preis- und Fördergelder standen zur Verfügung. Neben dem mit 200 000 Euro dotierten Hauptpreis für Brian Ferneyhough erhielten der litauische Komponist Vykintas Baltakas und der deutsche Komponist Markus Hechtle Förderpreise. Unter den geförderten Institutionen befinden sich z.B. die Münchner Biennale für zeitgenössisches Musiktheater, die Donaueschinger Musiktage, die Stockhausen-Kurse in Kürten oder die Kompositionswerkstatt an der Universität von Ghana. Außerdem wurden zahlreiche Kompositionsaufträge vergeben, u.a. an Brice Pauset und José Maria Sanchez-Verdu.
Mit dem Hauptpreis für Brian Ferneyhough würdigt die Stiftung „einen der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart, der, ausgehend von dem Traum der Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg, die Musik vom kleinsten Element bis zum großen Ganzen strukturell durchzuformen, konsequent eine völlig eigenständige Musik zugleich extremer Differenzierung und großer Unmittelbarkeit entwickelte. Diese filigrane und zerbrechliche Musik lotet, was die technischen und musikalischen Anforderungen an die Interpreten betrifft, mit jedem Werk die Grenzen des Vorstell- und Machbaren neu aus. Im Fokus des kompositorischen Interesses blieb dabei immer der musizierende und hörende Mensch mit seinen manuellen, geistigen und apperzeptiven Fähigkeiten. Als Künstler, der sich im Glauben an die Möglichkeiten eines musikalisch Neuen, Unerhörten aus der Weiterentwicklung des strukturellen Ansatzes nie beirren ließ, hat Brian Ferneyhough mit seinem facettenreichen OEuvre Maßstäbe gesetzt und neue Horizonte eröffnet. Der Ausstrahlung seines künstlerischen Schaffens ist die des Lehrers an die Seite zu stellen, der seine Aufgabe vornehmlich darin sieht, seinen Schülern zu ermöglichen, aus ihren individuellen Ressourcen heraus künstlerisch zu wachsen“.
Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Musikwissenschaftler Ulrich Mosch. Das Arditti Quartett spielte Ferneyhoughs 1990 entstandenes viertes Streichquartett, das neben vier Streichern auch eine Gesangsstimme vorsieht.
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