Salzburger Osterfestspiele ab 2023 ohne Thielemann und Dresdner Staatskapelle – Intendant Ruzicka äußert Kritik

Die Salzburger Osterfestspiele werden ab 2023 unter der Direktion von Nikolaus Bachler auf ein „Hausorchester“ wie bislang verzichten und mit wechselnden Orchestern arbeiten. Das gaben die Festspiele nach ihrer Gesellschaftersitzung am 17. September bekannt. Ferner wurde die Berufung Nikolaus Bachlers als künstlerischer Gesamtleiter ab dem Jahr 2022 bestätigt. Für das Programm bis 2022 bleibt der bisherige künstlerische Leiter Christian Thielemann verantwortlich. Geplant sind im nächsten Jahr Don Carlo von Verdi, 2021 Turandot von Puccini und 2022 wird Wagners Lohengrin aufgeführt. Danach werde der Vertrag mit Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle nicht verlängert.

Der Entscheidung vorausgegangen waren Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bachler und Thielemann – wir berichteten. Diese hat man nun in Salzburg auf die brachiale Art gelöst.

Immerhin würdigt man Thielemanns Leistung in Salzburg:

„Wir schätzen Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle in Salzburg sehr und sind für die vielen künstlerischen und musikalischen Glanzleistungen sehr dankbar. Nichtsdestotrotz ist es nach diesem sehr erfolgreichen Jahrzehnt ab dem Jahr 2022 an der Zeit, die Osterfestspiele weiterzuentwickeln und nun mit dem Intendanten Nikolaus Bachler ein neues Kapitel aufzuschlagen“, unterstreichen Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Bürgermeister Harald Preuner zur Entscheidung der Gesellschafter.

Bachler plant ein Festival mit wechselnden Spitzenorchestern. Jedes Jahr solle eines der weltbesten Orchester mit einem namhaften Dirigenten und dem jeweiligen Kernrepertoire an der Salzach gastieren. „Ich wurde engagiert, um das Festival über 50 Jahre nach seiner Gründung neu zu gestalten und in die Zukunft zu führen – sowohl inhaltlich als auch strukturell. Es ist immer schon meine Überzeugung, dass Musik und Szene gleichwertig zueinander finden müssen, um eine gegenwärtige Sicht auf alte und neue Werke zu vermitteln“, so Bachler zur Neuausrichtung des Festivals. „So können Oper, Konzert, Kammermusik, Tanz und Chorwerke in der Konzentration von zehn Tagen einen neuen ‚Festbegriff‘ kreieren und eine eigenständige Identität entwickeln.“

In einer Stellungnahme vom 18. September kritisierte unterdessen der aktuelle Intendant der Salzburger Osterfestspiele und frühere Intendant der Salzburger Festspiele, Peter Ruzicka, die Entscheidung der Gesellschafter gegen das bisherige Modell und gegen eine weitere Verpflichtung der Dresdner Staatskapelle und Christian Thielemanns mit deutlichen Worten:

„Zur aktuellen Entscheidung über die Zukunft der Osterfestspiele Salzburg nach 2022 möchte ich anmerken, dass es bedauerlich ist, dass ein erfolgreiches Festivalmodell in dieser Art und Weise beendet wird. Es ist zudem durchaus befremdlich, wie man mit einem der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit und einem Spitzenorchester umgeht, die 2013 noch – zurecht – als ‚Retter der Osterfestspiele‘ gefeiert wurden.
Als Geschäftsführender Intendant darf ich den in jüngerer Zeit gefallenen Behauptungen entgegentreten, die das Bild eines angeblich ungünstigen wirtschaftlichen Zustands der Osterfestspiele Salzburg gezeichnet haben. Die Osterfestspiele Salzburg stehen, trotz schwieriger gewordener Rahmenbedingungen, nach wie vor auf einem stabilen ökonomischen Fundament. Entsprechend wurden sämtliche Budgets und Jahresbilanzen der letzten Jahre durch die Aufsichtsorgane uneingeschränkt genehmigt.“

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